Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Wechseljahre – Das passiert bei Frau und Mann
Nachrichten Norddeutschland Wechseljahre – Das passiert bei Frau und Mann
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
06:00 21.03.2019
Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Schlafstörungen – die Liste der Wechseljahrsbeschwerden ist endlos lang. Doch was genau passiert in den Körpern von Mann und Frau? Urologe Dr. Christian Höppner erklärt, was im Körper des Mannes passiert. Die Gynäkologin Dr. Katharina Dobritz erzählt von dem Symptomen bei der Frau. Quelle: Lutz Roeßler
Anzeige
Lübeck

Altern ist ein Prozess, der sich auf psychischer, sozialer und biologischer Ebene vollzieht. Während die Trennung zwischen erster und zweiter Lebenshälfte bei Frauen durch Monatszyklen, die Geburt der Kinder und die Menopause klar zu trennen ist, wissen viele Männer erste körperliche Beschwerden, das Nachlassen der Muskelkraft und Leistungsfähigkeit sowie sexuelle Störungen gar nicht den Wechseljahren zuzuordnen. Tatsache aber ist: sowohl Frauen, als auch Männer kommen in die Wechseljahre. Die Gynäkologin Dr. Katharina Dobritz und der Urologe Dr. Christian Höppner erklären die Unterschiede bei Frau und Mann:

Frau Dr. Dobritz, Herr Dr. Höppner, was sind die ersten Anzeichen dafür, man in den Wechseljahren steckt?

Anzeige

Dobritz: Meistens bekommen die Patientinnen zu allererst Hitzewallungen. Dazu kommen Schweißausbrüche, Unruhezustände, Schlafstörungen, Gewichtszunahme und Haarausfall. Viele Patientinnen klagen auch darüber, häufiger unter einer Blasenentzündung zu leiden. Und was ganz wichtig ist, aber oft vergessen wird, ist, dass auch psychische Symptome dazukommen können. Das geht von Reizbarkeit über depressive Verstimmungen bis hin zu einer manifesten Depression. Tatsächlich kann man die Wechseljahre auch ganz gut mit der Pubertät vergleichen – sie sind geprägt von hormonellen Schwankungen. Die Symptome sind aber eher schlimmer. Allerdings haben nicht alle Frauen auch Beschwerden. Man kann so grob sagen, dass circa ein Viertel aller Frauen gar keine Beschwerden hat. Ein weiteres Viertel hat extrem starke Beschwerden und die Hälfte der Frauen hat mal mehr, mal weniger Beschwerden.

Höppner: Das ist individuell sehr verschieden. Man kann beim Mann nicht von den Wechseljahren sprechen, denn sie sind deutlich schwächer ausgeprägt. Bei der Frau ist der Prozess im Vergleich sehr viel komplexer. Man kann aber schon so grob sagen, dass das Energielevel der Männer absinkt. Die Lust, auch Libido genannt, lässt nach und die Männer fühlen sich im Allgemeinen nicht so gut. Viele schlafen zum Beispiel schlecht. Hinzu kommt, dass sich der Stoffwechsel verändert. Das heißt: Die Muskelmasse wird weniger, wodurch auch der Energieverbrauch sinkt. Wer genauso viel isst wie früher, nimmt also unweigerlich zu – und zwar ganz besonders am Bauch.

Von wann bis wann stecken Frauen und Männer im Schnitt in den Wechseljahren?

Dobritz: Meistens beginnen die Wechseljahre ab Mitte 40, das kann aber von Frau zu Frau ganz unterschiedlich sein. Im Schnitt kann man sagen, dass die Wechseljahre zwischen fünf bis sieben Jahren andauern. Der Fachbegriff für die Wechseljahre lautet Klimakterium.

Höppner: Wenn es früh losgeht ab Mitte 40. Die meisten Männer kommen aber eher so zwischen 50 und 60 Jahren in die Wechseljahre. Anders als bei den Frauen vollzieht sich dieser Prozess aber sehr langsam.

Was genau passiert während der Wechseljahre im Körper?

Dobritz: Mit der Zeit produzieren die Eierstöcke weniger Geschlechtshormone, der Eisprung bleibt häufiger aus. Ein erstes Anzeichen dafür, dass die Fruchtbarkeit abnimmt, ist, dass die Monatsblutung unregelmäßig kommt. Zu Beginn der Wechseljahre sind die Zyklen oft kürzer, zum Ende hin dann länger – bis sie schließlich ganz enden. Die allerletzte Monatsblutung nennt man auch Menopause. Trotzdem: Bis die hormonelle Umstellung ganz abgeschlossen ist, vergehen oft noch mehrere Jahre. Das heißt, dass man auch nach der Menopause noch verhüten sollte, wenn man eine Schwangerschaft ausschließen möchte. Wenn man sich ganz sicher sein möchte, kann man aber auch ein Hormonprofil bestimmen lassen.

Höppner: So ab dem 40. Lebensjahr sinkt das biologisch aktive Testosteron beim Mann – allerdings nur um gut ein Prozent jährlich. Das klingt nach nicht viel. Trotzdem ist Testosteron das mit Abstand wichtigste Sexualhormon des Mannes und nimmt nicht nur Einfluss auf die Erektionsfähigkeit und Libido des Mannes, sondern auf seine Energie generell. Beim Mann hängt alles eng zusammen: Durch den abfallenden Testosteronspiegel sinkt das Energielevel der Männer – sie fühlen sich erschöpft, antriebslos und haben keine Lust auf Sport. Dafür wächst der Bauch. Und ganz salopp gesagt: Der Bauch frisst das Testosteron – es ist ein Teufelskreis.

Warum lässt die Lust auf Geschlechtsverkehr während der Wechseljahre nach?

Dobritz: Die Lust, auch Libido genannt, muss nicht unbedingt nachlassen. Es ist aber so, dass die hormonelle Umstellung dazu führen kann, dass die Schleimhäute in der Scheide trockener und somit auch anfälliger für Verletzungen werden. Die Scheide wird bei Erregung also nicht mehr unbedingt feucht, sodass manche Frauen Schmerzen beim Geschlechtsverkehr haben können. Gleitgel oder Scheidenzäpfchen können da aber helfen.

Höppner: Wenn die Energie sinkt, lässt auch die Lust nach. Hinzu kommt, dass die Erektion häufiger ausbleibt – selbst dann, wenn die Lust da ist.

Das klingt nach ziemlich vielen Symptomen: Was hilft?

Dobritz: Wenn man merkt, dass man Beschwerden wie Schlafstörungen, Schweißausbrüche oder depressive Verstimmungen hat, dann sollte man unbedingt zum Gynäkologen gehen. Unser Credo ist: am besten möglichst früh mit der Therapie beginnen. Ob sich eine Hormontherapie, pflanzliche Präparate oder homöopathische Mittel anbieten, ob Yoga oder einfach ein gesunder Lebensstil helfen, das kann man dann immer noch sehen.

Höppner: Ich sage immer: Unbedingt eine Analyse-Waage kaufen und täglich draufstellen. Dann kriegt man täglich einen gebatscht und kann Muskel- und Fettanteil gut im Blick behalten. So gibt es wenigstens keine bösen Überraschungen. Außerdem am besten jeden Tag einen Salat essen – die richtige Ernährung ist super wichtig, und Männer brauchen nun einmal Masse. Um sich zum Sport zu motivieren, hilft das Buddy-Prinzip – einfach zu festen Zeiten mit Freunden verabreden und das Sportprogramm durchziehen. Und manchmal hilft es auch, einfach über die Probleme zu reden, Frauen haben das besser durchschaut!

Josephine Andreoli

Anzeige