Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland „Busspur ist Busspur“ – Autofahrer gegen Freigabe
Nachrichten Norddeutschland „Busspur ist Busspur“ – Autofahrer gegen Freigabe
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:03 15.08.2019
Bislang verboten: Ein Pkw auf der Busspur. Quelle: Lutz Roeßler
Lübeck

Autofahrer in Lübeck reagierten überrascht. Und irritiert. Wie Eike-Loki Cashagen (47). „Autos mit drei Personen? Wer will das denn kontrollieren?“, fragt sich der Marktverkäufer. Er schüttelt den Kopf. „Ich finde das nicht gut. Busse sollten Vorfahrt haben.“

„Eine komische Idee“, wundert sich auch Annedore Krause (67), Yogalehrerin aus Ratzeburg. „Manchmal wäre es gut, wenn man einfach auf der Busspur fahren könnte“, überlegt sie. „Aber dann bitte für alle Autos.“

Freigabe der Busspur für weitere Fahrzeuge? Spontan finden sich in Lübeck kaum Befürworter dieser Idee.

„Für E-Scooter zu gefährlich“

„Von diesen E-Scootern halte ich sowieso überhaupt nichts“, stimmt auch Ramona Amme (27) ein. „Die sind viel zu gefährlich. Und dann noch ohne Helm, mit Autos auf der Busspur. Das finde ich nicht gut“, stellt die Medizinisch-Technische-Labor-Assistentin entschieden fest. „Busspur ist Busspur. Punkt.“

Einer jungen Frau fällt ein, dass es in den USA ein ähnliches Modell gibt. „Da setzen sich die Leute dann Schaufensterpuppen ins Auto, damit es aussieht, als wären mehr Personen drin. So ein Quatsch.“

Auch Farhad Sabir (52), von Beruf Vermessungsingenieur, kann an der Idee aus Berlin nichts Gutes finden. „Es geht ja nicht nur um die Busse. Auch die Rettungswagen kommen doch dann schwerer durch.“

„Busverkehr hat schon jetzt Verspätung“

Der Busverkehr hat ja so schon dauernd Verspätung“, meint auch Karl-Heinz Wallenburg (65). „Der vielen Baustellen wegen, die Fahrer können da nichts dafür.“ Er brauche von seinem Arbeitsort in Lübeck bis nach Hause in Travemünde manchmal eineinhalb Stunden, sagt der Koch. „Auch weil die Busse oft so voll sind, dass man lieber den nächsten abwartet.“ Würde jetzt auch noch die Busspur blockiert, sei dies eine falsche Maßnahme.

Mit Tempo 20 hinter einem E-Scooter?

Martin Heinemann (60) ist Taxiunternehmer. Als solcher darf er die Busspur nutzen. Mit E-Scootern und anderen Autos mag er sie nicht teilen. „Kompletter Irrsinn“, meint er. „Das wäre ein Stich in das Herz des öffentlichen Nahverkehrs“, ist er überzeugt. „Unsere Kunden freuen sich, wenn wir mit dem Taxi auf der Busspur am Stau vorbeiziehen. Dann haben sie das Gefühl, dass sich das Geld fürs Taxi lohnt. Dürften wir das nicht, könnten sie schließlich selbst fahren.“ Noch ein störender Gedanke drängt sich ihm auf: „Die Vision mit Tempo 20 hinter einem E-Scooter herzufahren. Fürchterlich.“

Freigabe widerspricht Idee Busspur

Beim Lübecker Stadtverkehr, der 200 Busse betreibt, ist man ebenfalls skeptisch. „Wenn man Elekto-Roller und Autos mit mehreren Personen als Fahrzeuge sieht, die man im Rahmen eines Umweltverbundes fördern will, ist die Idee nachvollziehbar“, erklärt Stadtverkehr-Sprecherin Gerlinde Zielke. „Aber für die Masse der Menschen, die Busse nutzen, bedeutet es eine Verzögerung. Der Gedanke, dass durch eine Busspur der Öffentliche Personennahverkehr beschleunigt wird, würde durch die Freigabe aufgehoben.“ Insofern ist ihr Urteil eindeutig: „Nette Idee – aber sie führt die Busspur ad absurdum. Unser Wunsch wäre es, dass sie weiterhin Linienbussen vorbehalten bleibt.“

Härtere Strafen für Rettungsgassen-Muffel

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) plant eine Reform der Straßenverkehrsordnung. Enthalten sind neben der Freigabe der Busspuren für bestimmte Fahrzeuge unter anderem härtere Strafen für Verkehrssünder. Fahrern, die eine Rettungsgasse unerlaubt nutzen, soll künftig neben einem Monat Fahrverbot ein Bußgeld von bis zu 320 Euro drohen. Wer unerlaubt in zweiter Reihe parkt oder auf Geh- und Radwegen, soll statt 15 Euro künftig bis zu 100 Euro zahlen. E-Tretroller sollen auf Busspuren fahren dürfen. Der Umsetzung der Reform müssen Bundestag und Bundesrat zustimmen. Die Änderungen sollen noch 2019 in Kraft treten.

Von Marcus Stöcklin

Kein V-Mann-Einsatz mehr ohne Erlaubnis eines Richters: Das fordern SPD, Grüne und FDP als Konsequenz aus der Rocker-und LKA-Affäre. Polizei und Staatsanwaltschaft müssten besser kontrolliert werden.

15.08.2019

Mit diesen Tricks bekommen die grünen Lieblinge während der Urlaubsreise ausreichend Wasser.

15.08.2019

Von Kita bis Hochschule: Das Bildungswesen im Norden hat Nachholbedarf, besonders bei den Betreuungsquoten. Das ist das Ergebnis einer Studie, die am Donnerstag vorgestellt wurde. Bildungsministerin Karin Prien (CDU) verweist auf bestehende Maßnahmen.

15.08.2019