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Norddeutschland Quallenplage: Milder Winter begünstigt Quallen in der Ostsee
Nachrichten Norddeutschland Quallenplage: Milder Winter begünstigt Quallen in der Ostsee
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11:10 08.07.2019
Die Meeresbiologin Svenja Beilfuß hat eine große Ohrenqualle entdeckt. Zwar finden sich auch in Ufernähe einige Exemplare, doch da der Wind vom Land her weht, werden viele Quallen ins offene Meer getrieben, vermutet Beilfuß. Eine Quallenplage konnte die Meeresbiologin bisher noch nicht feststellen, aber sie bestätigt: „Der Winter kann sie begünstigen.“ Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Neustadt

Wir hatten einen sehr milden Winter“, sagt Svenja Beilfuß. Die Meeresbiologin geht mit Interessierten regelmäßig auf Unterwasser-Safari. Ungewöhnlich in diesem Jahr: „Wir hatten sogar im Januar und Februar noch Quallen.“ Eigentlich sterben die Wassertierchen bereits Ende November, Anfang Dezember – aufgrund der kalten Wassertemperaturen. Doch der verhältnismäßig warme Winter im vergangenen Jahr hat die Überlebenschancen der Quallen deutlich verbessert.

Unterwasser-Safari in der Ostsee

Um Touristen und Einheimischen die Artenvielfalt der Ostsee nahezubringen, bietet Beilfuß eine Unterwassersafari an. Angeboten wird die Tour im Rahmen des deutsch-dänischen Interreg-Projekts „Undine II“. „Wenn die Leute erstmal sehen, wie vielfältig die Lebensräume auch in der Ostsee sind, dann sind sie auch eher dazu bereit, die See zu schützen“, sagt Beilfuß.

Nachdem alle Safari-Teilnehmer mit Haube, Schnorchel, Taucherbrille und Co. ausgestattet sind, geht es nach einer kurzen Einweisung an den Strand. Hintereinander watscheln die sechs Teilnehmer in ihren Neoprenanzüge hinter Beilfuß her. „Wir haben heute sehr gute Bedingungen zum Schnorcheln – das Wasser ist klar und der Wind nicht zu stark“, sagt Beilfuß. Alle spucken in die Brille – damit sie später nicht beschlägt. Dann geht es los: Mit sanften Flossenschlägen geht es über saftig grüne Seegraswiesen in Richtung Seebrücke – Seepocken bewundern, Muscheln beobachten und auch einige nicht so bekannte Lebewesen entdecken.

Sind es schon mehr Quallen als in den vergangenen Jahren?

Nach einer Dreiviertelstunde geht es zurück an Land. „Das war schon echt schön, man hat so viel gesehen – das Wasser war ja auch so klar“, sagt Jacqueline Budahn, die aus der Nähe von Vechta kommt. Zusammen mit ihrem Freund Patrick Höltke macht sie für zwei Wochen Urlaub in Neustadt. Die Unterwassersafari wollte sich das Paar da nicht entgehen lassen. „Normalerweise läuft man zum Schwimmen ja nur schnell ins Wasser rein, da nimmt man die ganzen Tiere gar nicht wahr.“ Auch Höltke hat die Schnorcheltour gefallen: „Wir haben auch einige Quallen gesehen, große vor allem. Die eine habe ich von oben angepackt, da war die aber ganz schnell weg.“

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Aber sind es schon mehr Quallen als in den vergangenen Jahren? Meeresbiologin Beilfuß kann das bisher zumindest noch nicht bestätigen. „Allerdings handelt es sich bei Quallen auch um Planktontiere, die größtenteils mit dem Strom schwimmen. Wenn der Wind wie heute vom Land kommt, treiben auch viele Quallen ins offene Meer.“ Und dennoch – der milde Winter könnte eine Quallenplage an Ost- und Nordseestränden begünstigen. „Das hat auch damit zu tun, dass die sogenannten Hydropolypen den ganzen Winter über Quallenbabys produziert haben, weswegen es schon jetzt so viele von ihnen gibt.“

Der laue Winter an der Ost- und Nordsee hat die Quallenblüten begünstigt. Vermiesen die Nesseltiere Urlaubern nun den Badespaß? Meeresbiologin Svenja Beilfuß geht mit Touristen auf Schnorcheltour und erklärt, wie es um die Quallen steht.

Doch wenngleich die Ohrenqualle für Schwimmer ungefährlich ist, wirkt sich eine Plage negativ auf das Ökosystem aus: „Wenn so viele Quallen überleben, fressen die auch viele der noch jungen Fische, sodass die Bestände gefährdet sind.“ Außerdem haben Quallen kaum Fressfeinde. Zwar habe man in den Mägen von beispielsweise Dorschen Überreste von Quallen nachweisen können. Da Quallen aber zu 98 Prozent aus Wasser bestehen und sich schnell auflösen, sei es schwierig, ihre Feinde zu finden. „Viele haben sie aber tatsächlich nicht“, so Beilfuß. „In Dänemark gibt es dafür aber eine Firma, die sich auf Quallen spezialisiert hat, und zwar auf die Produktion von Quallenchips.“

Unterwasserwelt entdecken

Abtauchen in die unbekannte Unterwasserwelt können Teilnehmer der Ostsee-Unterwassersafari in Neustadt.

Teilnehmen können Jugendliche ab zwölf Jahren, die einen Freischwimmer (Bronze) vorweisen können.

Mitzubringen sind Badesachen und ein Handtuch. Neoprenanzug sowie Schnorchelzubehör bekommen die Teilnehmer vor Ort.

Treffpunkt:BUND Umwelthaus Neustädter Bucht, Am Strande 9, 23730 Neustadt

Termine:23. / 30. Juli, 7. August, von 9 bis 12 Uhr

Kosten: 9 Euro

Anmeldung und weitere Infos unter www.undine-baltic.eu

Auf die Frage, ob der milde Winter und das erhöhte Vorkommen von Quallen mit dem Klimawandel zusammenhänge, muss die Meeresbiologin einen Moment überlegen. „Nun ja, beim Klimawandel ist es ja so, dass die Extreme größer werden – die Sommer heißer, die Winter milder oder vielleicht auch mal extrem kalt. Das kann sich natürlich ganz stark auf das Leben und die Entwicklung der Tiere in der Ostsee auswirken“, sagt Beilfuß. Wirklich nachweisen könne man das aber nicht. „Das sind alles so Kann-Situationen. Wichtig ist jetzt, dass man gegensteuert.“

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