Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Professor verteidigt Pflegekammer und kritisiert Verdi
Nachrichten Norddeutschland Professor verteidigt Pflegekammer und kritisiert Verdi
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:00 02.11.2019
Menschen aus Pflegeberufen müssen sich künftig in einer Kammer organisieren. Das wollen viele nicht. Quelle: Christoph Schmidt/dpa
Lübeck/Kiel

Professor Sascha Köpke leitet an der Universität Lübeck den dualen Bachelorstudiengang Pflege. Er spricht sich vehement für die neue Pflegeberufekammer in Schleswig-Holstein aus. Kritik der Gewerkschaft Verdi weist der 53-Jährige zurück, auch wenn er selber seit fast 30 Jahren Mitglied ist. Köpke saß im Vorbereitungskreis zur Gründung der Pflegeberufekammer in Schleswig-Holstein.

Der Widerstand von Pflegekräften gegen die neu begründete Pflegekammer in Schleswig-Holstein ist groß, Verdi führt ihn an. Aus Ihrer Sicht als Wissenschaftler: Braucht das Land so eine Kammer?

Professor Sascha Köpke: Ja, unbedingt. Es gibt bislang keine starke Interessenvertretung dieser Branche. Es gibt ja noch nicht mal eine Berufsordnung.

Das sieht Verdi anders.

Verdi fürchtet eine Konkurrenz durch die Kammer. Wir brauchen aber beides: die Gewerkschaft als Partner in Tarifverhandlungen, die Kammer als Interessenvertretung gerade auch gegenüber der Politik.

Hat Verdi da bislang geschlafen?

Ja. Die Pflege ist für Verdi immer ein problematischer Bereich gewesen. Die Pflegefachpersonen organisieren sich nicht so zahlreich wie in anderen Branchen. Man kann in der Pflege schwer streiken. Also gibt es, anders als bei Busfahrer- oder Müllwerkerstreiks, nur wenig öffentlichkeitswirksame Bilder für die Gewerkschaft. In der Folge hat Verdi die Pflege nur sehr bedingt im Blick gehabt – und hat für die Pflegenden wenig herausgeholt, vergleicht man das etwa damit, wie viel der Marburger Bund für die Ärzte an Verbesserungen erreicht hat. Und jetzt versucht Verdi auch noch gemeinsam mit Arbeitgeberverbänden, die Kammer zu diskreditieren.

Was hat denn die einzelne Pflegekraft von einer Pflegekammer?

Die Kammer macht ihren Beruf wahrnehmbar. Die Sichtbarkeit wird erhöht. Er wird aufgewertet, professionalisiert. Bislang wussten wir ja noch nicht einmal, wie viele Menschen im Land überhaupt in der Pflege arbeiten. Die Zahl wird jetzt erhoben. Es wird eine verbindliche Berufsordnung geben und verbindliche Fort- und Weiterbildungen. Und das alles wird vor allem auch unter dem Blickwinkel der Patientensicherheit geschehen, um die es den Pflegefachpersonen ja immer gehen muss. Kollegen im Ausland, zu denen ich ja viel Kontakt habe, wundern sich daher, dass wir in Deutschland über die Gründung so eine Kammer überhaupt noch lange diskutieren. Wir bräuchten sogar schnell auch noch eine Bundespflegekammer.

Ist denn die Beitragshöhe für die Pflegekräfte angemessen? Das ist ja ein wichtiger Kritikpunkt vieler Pflegekräfte.

Vieler? Ich weiß nicht, ob es viele Gegner gibt. Vielleicht ist der Widerstand auch einfach nur laut. Er wird jedenfalls von Interessenverbänden instrumentalisiert. Die Beitragshöhe scheint mir tatsächlich angemessen zu sein. Die Kammer verlangt 0,4 Prozent des Gehalts. Der Gewerkschaftsbeitrag liegt bei einem Prozent. Klar, ist beides zusammen auch Geld. Ich würde mir daher von Verdi wünschen, dass sie sich dafür stark macht, solche Mehrkosten mit Gehaltssteigerungen aufzufangen.

Welchen Einfluss wird die Kammer auf die Pflege-Ausbildung an Ihrer Uni haben?

Bislang gibt es wenig Kontakt. Ich würde mir aber eine Zusammenarbeit in der Fort- und Weiterbildung wünschen. Die in der Berufsordnung festgelegten Qualifikationen werden sich dann aber natürlich auch in der Ausbildung des Nachwuchses bei uns widerspiegeln.

Von Wolfram Hammer

Schon seit Jahren wird über E-Government geredet. Tatsächlich kann man bisher jedoch nur wenige Behördengänge online erledigen. Es fehle eine gemeinsame digitale Infrastruktur, kritisiert der Bund der Steuerzahler.

01.11.2019

Die Zahl der Firmen, die übers Internet von Hackern angegriffen werden, steigt. In Schleswig-Holstein halten Ministerien, Wirtschaft und Verbände mit einer Sicherheitspartnerschaft dagegen.

01.11.2019

Die A7 südlich des Hamburger Elbtunnels verläuft über mehrere Kilometer als Brückenkonstruktion. Demnächst werden Autofahrer in Richtung Süden auch eine recycelte Eisenbahnbrücke nutzen. Das Provisorium soll sicher - und frei von Gleisen sein.

01.11.2019