Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Wildes Wasser Wakenitz: Paddeltour auf dem Amazonas des Nordens
Nachrichten Norddeutschland Wildes Wasser Wakenitz: Paddeltour auf dem Amazonas des Nordens
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:39 03.07.2019
Die Wakenitz zwischen Lübeck und Ratzeburg erinnert in einigen Teilen an den Amazonas oder den Mississippi. Quelle:  
Lübeck/Ratzeburg

Was für ein billiger Werbegag – ein Flüsslein bei LübeckAmazonas des Nordens“ zu nennen. So mag mancher Gast denken, der an die Wakenitz reist und die Tourismusbroschüren gelesen hat. Bis er auf der Straße scharf bremst und Nandus über die Wiesen staksen sieht. Laufvögel aus, ja genau, Südamerika.

Sechs der straußenähnlichen Vögel sind im Jahr 2000 aus einem Gehege ausgebüxt, seitdem haben sie sich prächtig vermehrt. Direkt am Ufer sieht man die Tiere allerdings nie.

Der Fluss fließt langsam und träge

Moritz Löffelmann ist Förster. Der 31-Jährige lebt mit Frau, Kind und Hunden auf einem Bauernhof südlich des Ratzeburger Sees. Eine Kanutour auf der Wakenitz macht er regelmäßig mit der Familie.

Stromschnellen gibt es nicht und der Fluss fließt noch träger als der echte Amazonas. Derart träge sogar, dass es schlauer ist, in Lübeck zu starten und gegen die Strömung zu paddeln. „So haben wir den Wind im Rücken“, sagt Löffelmann.

An der Einstiegsstelle sieht es zunächst nicht nach Dschungel aus, sondern nach reichem Vorort. Villen stehen in manierlichem Abstand ums Wasser, Gärten fallen in Stufen zum Ufer des vermeintlichen Sees ab. Zumindest ist der Fluss hier breit wie ein See, seit ihn die Lübecker Ende des 13. Jahrhunderts für ihre Mühlen und Brauereien gestaut haben. Mit dem klaren Wasser brauten sie ihr Bier, in Zeiten der Cholera das bevorzugte Getränk. Heute gibt es ein Freibad am Ufer. Aber auch im Fluss wird geschwommen.

Weitere Beiträge aus der Sommerredaktion

Eine Auswahl an Beiträgen aus der Sommerredaktion, die Ihnen gefallen könnten.

Strandkörbe in Haffkrug:So hat sich der Urlaub an der Ostsee verändert

Traum für Pferdefreunde:Mondscheinausritt in Grömitz

„Bezauberndes Britannien“:die neue Themenwelt im Hansa-Park

Der Norden per Rad:Tour an der wilden Wakenitz

Natur im Norden:Ausflug ins Salemer Moor bei Ratzeburg

Löffelmann paddelt vorbei an hölzernen Stegen und Pavillons, zur Rechten ragt der neogotische Turm der Wasserkunst auf. Hinter der ersten Brücke weichen die Villen gepflegten Schrebergärten.

Die ersten Seerosen blühen weiß zwischen ihren Blatttellern, Haubentaucher und Blässhühner tauchen nach Beute, zwei Graureiher flattern dicht über dem Wasser. Langsam wird es wilder. Irgendwo hier beginnt auch das Naturschutzgebiet, das 1999 eingerichtet wurde.

Die Wakenitz war im Mittelalter ein wichtiger Transportweg

„Die Wakenitz wurde nie begradigt“, erklärt Löffelmann, als der Fluss die ersten Haken schlägt. Denn an ihren Ufern gab es wenig Industrie. Als Transportweg war sie vor allem im Mittelalter wichtig.

Östlich der Wakenitz durchstreifen Nandus die Landschaft. Quelle: HFR

Ein Ausflugsschiff macht sich deutlich bemerkbar. Als Löffelmann gerade unter eine stählerne Brücke paddelt, hupt es von hinten. Der Förster paddelt rechts ran. Es wird nicht das letzte Mal sein, dass Löffelmann ausweichen muss. Denn die Wakenitz ist offenbar ein bevorzugter Trainingsplatz der Lübecker Ruderer. Ein ums andere Mal überholt ein Vierer.

Vermeintliche Wildnis stark vom Menschen geprägt

Im klaren Wasser dümpeln Barsche zwischen verwundenen Stängeln der Seerosen. Wiesen von Seegras und salatartigen Pflanzen wiegen vor sich hin. Schmetterlinge und leuchtend blaue Libellen schwirren umher. Bäume neigen sich fotogen über die Schwertlilien. Und am Ufer wuchert ein Dickicht aus Brombeeren, Büschen und Farnen.

Ohne die Staumauer in Lübeck wäre dieses Ökosystem am Wasser deutlich schmaler, sagt Löffelmann. Die vermeintliche Wildnis ist in Wahrheit stark vom Menschen geprägt. Das sieht man schon an den Ausflugslokalen, die am Ufer mit frischem Bier vom Fass locken.

Einst bauten die Fischer hier Hütten für ihre Netze. Als immer mehr Städter ins Grüne strömten, bewirteten sie die Gäste. Die Hütten wurden zu Gaststätten. Bis der Zweite Weltkrieg ausbrach und die Wakenitz bald danach zum Grenzfluss zwischen Ost- und Westdeutschland wurde. Vor Ausbuchtungen am Ostufer warnten fortan Schilder, und im Gebüsch dahinter patrouillierten Grenzsoldaten.

Hin & Weg

Anreise: Mit der Bahn bis nach Lübeck. Zurückfahren kann man auch von Ratzeburg aus.

Beste Reisezeit: Die Paddelsaison dauert von Mitte April bis Mitte Oktober.

Übernachtung: Am Wakenitzhaus in der Nähe des Fährhauses Rothenhusen kann man in möblierten Zelten sowie in einem Bauwagen mit Doppelbett übernachten, pro Person und Nacht kostet das 25 Euro.

Ausrüstung: Das Kanucenter Lübeck verleiht Kanus und Kajaks. Für vier Stunden zahlt man pro Kanusitz 12 Euro. Weitere Informationen unter www.herzogtumlauenburg.de

Der Unterschied zwischen beiden Ufern ist bis heute frappierend. Auf der Westseite passiert man offene Felder. Auf der Ostseite wuchert undurchdringliches Grün, die norddeutsche Spielart eines Dschungels.

Die Stelzwurzeln der Schwarzerlen fallen wie Mangroven ins Wasser, umgekippte Bäume liegen kreuz und quer. „Solche aufgeklappten Wurzelteller sind perfekt für den Eisvogel“, erklärt Löffelmann. „Hier baut er sein Nest.“ Oft kann man den farbenprächtigen Jäger hier antreffen. An diesem Tag lässt er sich nicht blicken.

1999 wurden 2066 Arten gezählten

Der sanfte Bootstourismus scheint sich gut mit dem Naturschutz zu vertragen. Als das Magazin „Geo“ 1999 zum ersten Tag der Artenvielfalt an die Wakenitz rief, fanden Forscher 2066 Arten von Pflanzen und Tieren. Die Autobahnbrücke durch das Schutzgebiet konnten sie nicht verhindern. Ein leises Brummen kündigt sie an, dann spreizt sie sich in all ihrer Hässlichkeit ins Idyll.

Von hier aus ist es nicht mehr weit bis zum Fährhaus Rothenhusen mit seinem hübschen Fachwerk und der Terrasse am Ratzeburger See. Leider. Aber man kann ja jederzeit zurückkehren. Denn in puncto Anreise schlägt der kleine, nördliche Amazonas den großen, südlichen ganz klar.

LN

In dem skandinavischen Land darf nicht mehr vor Lokalen, auf Spielplätzen oder an Haltestellen geraucht werden. SPD, Grüne und Kinderschutzbund aus Schleswig-Holstein fänden strengere Regeln auch bei uns gut.

03.07.2019

Die Sperrung des Flensburger Bahnhofs wegen einer Bombendrohung ist wieder aufgehoben worden. Spürhunde hätten nichts Verdächtiges gefunden, sagte ein Sprecher der Bundespolizei am Dienstagabend.

03.07.2019

In den südlichen Landesteilen ist die Gerste reif – die Ernte hat begonnen. In Seedorf bei Bauer Reinhard Jahnke sind die ersten Hektar schon eingebracht.

02.07.2019