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Norddeutschland Manöver der chinesischen Flotte
Nachrichten Norddeutschland Manöver der chinesischen Flotte
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20:10 18.07.2017
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Kiel

Chinas Marine ist auf Europa-Kurs. Fast zeitgleich sind zwei ihrer Flottenverbände in Europa eingetroffen. Ein Verband mit drei Schiffen hat die türkischen Meerengen in Richtung Schwarzes Meer passiert. Ein zweiter ist auf dem Weg nach Russland und befindet sich in der Nordsee. Am Montagmorgen hat die niederländische Fregatte „Van Amstel“ diesen Verband gesichtet und die Begleitung übernommen. Die Fregatte wird die chinesischen Einheiten während des Aufenthalts in der Nähe ihrer Hoheitsgewässer beschatten. Die chinesischen Marineschiffe sollen in dieser Woche durch den Großen Belt und den Fehmarnbelt in die Ostsee einlaufen.

Der Verband besteht aus dem Zerstörer „Hefei“, der Fregatte „Yun Cheng“ und dem Versorgungsschiff „Luomahu“ mit rund 600 Soldaten an Bord. Ziel der Fahrt ist das mehrwöchige Seemanöver „Joint Sea 2017“ mit der russischen Marine in der Ostsee. Im Rahmen dieses Seemanövers sollen die chinesischen Einheiten auch St. Petersburg und Baltiysk (Kaliningrad) besuchen. Seit 2012 gibt es derartige Manöver zwischen China und Russland. Bislang waren überwiegend das Mittelmeer, der Indische Ozean oder Gewässer in Fernost Austragungsorte. 2015 und 2016 waren dreimal chinesische Einheiten in Nordeuropa. Die Wahl der Manöver zum jetzigen Zeitpunkt ist kein Zufall. „Es ist ein politisches Zeichen, dass China ein Faktor auf der Welt und in der Weltpolitik und nicht nur eine fernöstliche Macht ist“, sagt Sebastian Bruns, Leiter der Abteilung Maritime Strategie und Sicherheit des Kieler Instituts für Sicherheitspolitik an der Uni Kiel (ISPK).

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Für die Nato-Staaten sieht er jedoch keine Bedrohung. „Tatsächlich ist die russische Marine immer noch ein Schatten ihrer selbst. So ein bilaterales Manöver ist gut für die Moral.“ Die Fahrt in die Ostsee hat für Chinas Ambitionen als Weltmacht nach Einschätzung von Bruns jedoch auch einen operativ-taktischen Aspekt. Wenn es gelinge, eigene kleine Task Groups durchhaltefähig um die halbe Welt zu schicken, sei dies auch ein Nachweis für die Leistungsfähigkeit, die Chinas Marine heute erlangt habe, sagt Bruns.

Die deutsche Marine wird die Manöver beobachten. Ein Aufklärungsschiff ist in Eckernförde für eine Beschattung in Bereitschaft. Offizielle Übungen mit der deutschen Marine seien nicht geplant, heißt es beim Marinekommando auf Nachfrage. Russland bereitet zum „Tag der Flotte“ am 30. Juli größere Flottenbewegungen von der Nordflotte in Murmansk nach St.

Petersburg in die Ostsee vor – darunter sind auch atomar angetriebene Einheiten der russischen Marine. Frank Behling

LN