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Norddeutschland Karl-May-Spiele trauern um Komponisten Martin Böttcher
Nachrichten Norddeutschland Karl-May-Spiele trauern um Komponisten Martin Böttcher
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12:16 23.04.2019
Martin Böttcher, Komponist der Winnetou-Melodien, bei den 61. Karl-May-Spielen kurz vor Beginn von „Winnetou II“ im Publikum. Quelle: dpa
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Bad Segeberg

In der Nacht zum Karsamstag war Böttcher im Alter von 91 Jahren gestorben, wie seine Tochter Betsy Schlüter am Montag bestätigte. Zuletzt hatte er in der Nähe von Rendsburg gelebt. 56 Kino- und über 100 Fernsehfilme und Serien habe er mit seinen Kompositionen bereichert. Schon 2011 hätten ihn die Karl-May-Spiele deshalb als „Großer Vater der Melodien“ in die Reihe der Ehrenhäuptlinge aufgenommen, sagte Thienel.

Nie ein Karl-May-Buch gelesen

Gelesen hatte er dabei kein einziges Karl-May-Buch, wie er der Deutschen Presse-Agentur vor knapp zwei Jahren zu seinem 90. Geburtstag sagte. „Auch wenn Moderator Frank Elstner mir mal extra den „Schatz im Silbersee“ geschenkt hat. Aber ich habe die Geschichten so oft gesehen, da brauchte ich sie nicht zu lesen.“

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Musik für Edgar-Wallace-Filme

Sein Debüt als Komponist bei einer Spielfilm-Produktion gab Böttcher, der am 17. Juni 1927 in Berlin geboren wurde, 1955 in „Der Hauptmann und sein Held“. Schon der zweite Film wurde ein großer Erfolg: „Die Halbstarken“ (1956) mit Horst Buchholz. Unermüdlich vertonte der Musiker danach immer neue Geschichten zunächst für das Kino, später vor allem für das Fernsehen. „13 kleine Esel“ mit Hans Albers und Heinz Rühmanns „Pater Brown“-Filme gehörten ebenso dazu wie Edgar Wallace-Filme und zuletzt „Pfarrer Braun“ (bis 2013).

Martin Böttcher, Komponist der Winnetou-Melodien, zeigt in seinem Haus Platten mit seiner Musik aus Winnetou-Filmen. Quelle: dpa

Lebenswandel nach Herzinfarkt

Böttcher schrieb und schrieb – das blieb auch für seine Gesundheit nicht ohne Folgen. „Mit 35 und mit 37 war ich schon mal kurz vorm Herzinfarkt“, erzählte er 2017. „Wir sind dann in die Schweiz gezogen, ich habe meinen Lebenswandel geändert – das hat geholfen.“

Den Weg nach Hollywood ging er nicht, doch es gab Melodien zu Hollywood-Erfolgen, um die er Kollegen beneidete. „Die Stücke von Henry Mancini zum Beispiel, der unter anderem für „Frühstück bei Tiffany“ komponiert hat. Und natürlich Ennio Morricones „Spiel mir das Lied vom Tod“.“

Auf einem Ohr taub

Jazz-Gitarrist Böttcher, der seit einem Sturz als Kind auf einem Ohr nichts mehr hörte, hatte sich während des Krieges in der Gefangenschaft das Gitarrenspiel selbst beigebracht. Nach dem Krieg führte ihn der Weg nach Hamburg, wo er im Tanz- und Unterhaltungsorchester des Nordwestdeutschen Rundfunks anfing. 1954 entschied er, der eigentlich Pilot war, sich endgültig fürs Komponieren. Als „Meister großartiger Filmmusiken, die zeitlos sind“, würdigte ihn 2016 die Jury des Deutschen Musikautorenpreises, als sie ihn für sein Lebenswerk auszeichnete. „Seine Musik geht direkt ins Herz.“

dpa