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Norddeutschland Mehr Eltern in Schleswig-Holstein schicken ihre Kinder auf Privatschulen
Nachrichten Norddeutschland Mehr Eltern in Schleswig-Holstein schicken ihre Kinder auf Privatschulen
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17:50 01.02.2019
Bessere Ausstattung, besseres Lernen, bessere Chancen? Nicht nur in Schleswig-Holstein, sondern bundesweit nimmt die Zahl von Schülern an Privatschulen zu. Quelle: DPA
Lübeck

Privatschulen werden in Schleswig-Holstein immer beliebter. Aktuell besuchen 15 000 Kinder Schulen in freier Trägerschaft – etwa 400 mehr als noch vor einem Jahr. „Für das Jahr 2019 erwarten wir einen weiteren Anstieg der Schülerzahl um rund 500“, sagt Thomas Schunck, Sprecher vom Kieler Bildungsministerium auf LN-Anfrage.

Alleine in den vergangenen zehn Jahren wurden 24 neue Privatschulen im Land eingerichtet. Für das kommende Schuljahr 2019/20 liegen laut Ministerium bereits zwei weitere Genehmigungsanträge für neue private Schulen vor, ein weiterer Antrag ist angekündigt. Wo die Schulen entstehen werden, verrät das Ministerium nicht, weil sich die Antragsteller bislang selbst nicht öffentlich geäußert haben. „Die Ersatzschulen sind ein Teil der schleswig-holsteinischen Schullandschaft“, sagt Schunck zu der Entwicklung.

Droht eine Spaltung der Gesellschaft?

Der Trend zu mehr Privatschulen bereitet Grete Rhenius, Vorsitzende der Interessenvertretung der Lehrkräfte (IVL) in Schleswig-Holstein, dagegen Sorgen: „Die gestiegene Nachfrage zeigt, dass an öffentlichen Schulen vieles nicht so funktioniert, wie es sollte.“ Eltern, denen es auf Leistung und Inhalte ankomme, würden glauben, dass ihre Kinder dies an einer privaten Schule eher erhalten. „Eltern haben dort auch ganz andere Einflussmöglichkeiten.“ Langfristig gesehen, könne so eine Entwicklung eine Gesellschaft spalten. „Was wir ja eigentlich möchten, ist, dass Bildung unabhängig vom Einkommen der Eltern ist.“

Im Durchschnitt kostet ein Platz an einer Privatschule laut einer Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) 115 Euro. Wenn ein Internat angeschlossen ist, sind die Kosten deutlich höher. „Deshalb ist es wichtig, dass der Elternbeitrag an den freien Schulen beispielsweise durch Sozialstaffeln deutlich gesenkt werden kann, um Chancengerechtigkeit auch an den freien Schulen zu gewährleisten“, fordert Ines Strehlau, schulpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen.

Finanzielle Förderung

Das Recht auf Privatschulen ist im Grundgesetz verankert. Allerdings sind sie der staatlichen Schulaufsicht unterstellt. Nach einer zweijährigen Probezeit werden die Schulen laut Bildungsministerium je Schüler mit 82, 90 oder 100 Prozent der Kosten eines Schülers an einer vergleichbaren öffentlichen Schule finanziell durch das Land gefördert.

Schleswig-Holstein bundesweit Schlusslicht

Mit einer Quote von 5,1 Prozent von Schülern an Privatschulen liegt Schleswig-Holstein im bundesweiten Vergleich nach Angaben des Kieler Bildungsministeriums aktuell noch auf dem letzten Platz. In den neuen Bundesländern liegt die Quote bereits bei zehn Prozent. Insgesamt gibt es derzeit 87 allgemein bildende und 13 berufsbildende Schulen in freier Trägerschaft in Schleswig-Holstein. Unter den allgemein bildenden Ersatzschulen sind alleine 45 Schulen der dänischen Minderheit, zwölf Waldorfschulen sowie vier Förderzentren.

Die bildungspolitischen Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion, Anita Klahn, betont: „Das ist eine unverzichtbare und wertvolle Vielfalt für unsere Bildungslandschaft. Die steigende Nachfrage zu Schulen in freier Trägerschaft ist für uns eine Anerkennung deren guter Arbeit.“ Und ihr CDU-Kollege Tobias Loose sagt: „Sie sind eine gute Ergänzung zum Schulsystem. Aber die öffentlichen Schulen sollten das dominierende System bleiben. Sie müssen konkurrenzfähig sein, wenn nicht sogar besser sein.“

Besser Ausstattung für Schulen gefordert

In die gleich Kerbe schlägt Katja Coordes, Stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Schleswig-Holstein. Sie meint: „Bildung ist eine staatliche Aufgabe. Unsere Schulen müssen vor allem mit Blick auf die Digitalisierung so ausgestattet sein, dass Kinder nicht an eine Privatschule ausweichen müssen.“

Jan Wulf

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