Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Mehr Fälle von „Animal Hoarding“ und Tierquälerei in Schleswig-Holstein
Nachrichten Norddeutschland Mehr Fälle von „Animal Hoarding“ und Tierquälerei in Schleswig-Holstein
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:39 20.09.2019
Tierquäler kommen in der Praxis meist mit geringen Strafen davon. Quelle: DPA
Lübeck

Eine Katze, die in einem Lübecker Altpapier-Container entsorgt wird, vier Katzenkinder, die von Unbekannten in Wangels brutal getötet werden und immer wieder mit Schrauben oder Gift ausgelegte Köder in Parks und Grünanlagen. Es ist nur ein kleiner Ausschnitt an Meldungen aus den vergangenen Wochen aus der Region rund um die Lübecker Bucht.

Polizei registriert mehr Taten

Insgesamt 264 Fälle von Tierquälerei wurden im vergangenen Jahr in Schleswig-Holstein laut Polizeilicher Kriminalitätsstatistik bekannt. Damit registrierte die Kriminalpolizei im Norden einen Anstieg von fast sieben Prozent. 2017 ermittelte sie noch in 247 Fällen. Für das laufende Jahr veröffentlicht die Polizei noch keine Zahlen.

Animal Hoarding wird mehr

Deswegen tauchen die aktuellen Tierquälerei-Fälle in dieser Statistik auch genauso wenig auf wie die jüngsten Fälle von „Animal Hoarding“. Also das Phänomen einer krankhaften Sucht nach Sammeln von Tieren. Die Tiere leben oftmals unter katastrophalen hygienischen Bedingungen bei ihren Haltern – ebenso ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. „Das hat in diesem Jahr extrem zugenommen“, sagt Susanne Tolkmitt aus Lübeck, stellvertretende Vorsitzende des Tierschutzbund Schleswig-Holstein. Alleine in den vergangenen drei Monaten hätten in Schleswig-Holstein vier Tierhaushalte aufgelöst werden müssen. „Aus einem Haushalt mussten wir etwa 50 Hunde auf die Tierheime im Land verteilen. In einem anderen Fall eine ähnlich hohe Zahl an Katzen“, berichtet Tolkmitt. Tiere würden die Quälerei dabei unterschiedlich wegstecken. „Einige sind im Anschluss verhaltensauffällig, andere erholen sich“, so Tolkmitt.

Grüne: Anstieg ist alarmierend

„Die steigende Zahl an Straftaten ist alarmierend. Sie zeigt aber auch, dass Verstöße gegen das Tierschutzgesetz glücklicherweise auch immer öfter angezeigt werden. Denn: Nur, wenn Verstöße angezeigt werden, können sie auch geahndet werden“, sagt Joschka Knuth, tierschutzpolitischer Sprecher der schleswig-holsteinischen Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen. Immerhin wurde im vergangenen Jahr jeder zweite Fall von den Polizeibeamten aufgeklärt.

Überforderte Tierhalter

Oftmals seien es seinen Erfahrungen nach überforderte Tierhalter, die ihre Tiere vernachlässigen oder quälen. Deshalb seien die kommunalen Tierheime auch vom Land in dieser Legislaturperiode verstärkt unterstützt worden. „Unabhängig von der Landesebene muss natürlich auf Bundesebene auch darüber gesprochen werden, ob das bisherige Strafmaß ausreicht und ob für die oftmals als Ordnungswidrigkeit behandelten Verstöße nicht ein Bußgeldkatalog erstellt werden sollte.“

Meist milde Strafen

Tatsächlich wird Tierquälerei vor Gericht oftmals als Sachbeschädigung eingestuft. Dabei ist Tierquälerei grundsätzlich eine Straftat nach dem Tierschutzgesetz. Es kommt zum Tragen, wenn Wirbeltiere grundlos getötet oder ihnen erhebliches Leiden oder Schmerz zufügt werden. Den Tätern droht eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe. In der Praxis kommt eine Gefängnisstrafe aber so gut wie nie vor.

Formular für „Whistleblower

Die Tierrechtsorganisation Peta empfiehlt bei Verdacht auf Tierquälerei zunächst mit dem Tierhalter aktiv das Gespräch zu suchen. „Möglicherweise kann ein konstruktives Gespräch bereits eine Verbesserung bewirken“, heißt es. Befindet sich das Tier allerdings in einer lebensbedrohlichen Situation, empfiehlt Peta sofort die Polizei zu alarmieren und unverzüglich Anzeige gegen die betreffende Person zu erstatten. Für Mitarbeiter, Praktikanten oder Besucher von Betrieben, im Zoo oder Zirkus, im Tierversuchslabor, beim Züchter, Tierhändler oder andernorts, die einen Fall von Tierquälerei melden möchten, hat Peta extra ein „Whistleblower“-Formular freigeschaltet, über das die Organisation auf einen Missstand informiert werden kann.

Von Jan Wulf

Steuert die Politik noch die Polizei, oder ist es in Schleswig-Holstein schon umgekehrt? Der Kieler Polizei-Skandal hat die Debatte erneut losgetreten. Eine Analyse.

19.09.2019

Von der letzten Stunde des vergifteten 56-Jährigen gibt es Notruf-Mitschnitte. Sie wurden am zweiten Prozesstag im Gericht vorgespielt. Der Mann starb an einer Vergiftung mit E 605.

20.09.2019

Das LKA Kiel hat für die Ermittlungen gegen Polizeigewerkschaftler Nommensen gezielt zwei Journalisten durchleuchtet. Ralf Stegner erinnert das an die Spiegel-Affäre. Die Regierung schweigt.

18.09.2019