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Norddeutschland Land will Lehrer mit Geld in unbeliebte Orte locken
Nachrichten Norddeutschland Land will Lehrer mit Geld in unbeliebte Orte locken
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07:00 18.08.2019
Eine junge Lehrerin an einer Schultafel: Das Kieler Bildungsministerium will 250 Euro extra ausgeben, wenn sie in unterversorgte Regionen gehen. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
Lübeck

Es war bei der Vorstellung der Schülerzahlen auf ihrer Pressekonferenz zum Schulstart, als Bildungsministerin Karin Prien (CDU) die Idee verkündete. „Als eine der wichtigsten Neuerungen führen wir einen Regionalzuschlag ein, um Lehrerinnen und Lehrer im Vorbereitungsdienst in die derzeit weniger beliebten Regionen zu locken. Basierend auf objektiven Kriterien, wie zum Beispiel der Bewerberzahlen der vergangenen Jahre, erarbeiten wir, in welchen Landkreisen wir durch zusätzliche finanzielle Anreize zu einer Verbesserung der Situation beitragen können“, sagte Karin Prien. Dafür sind 250 Euro im Monat vorgesehen. Das Konzept wird gerade erstellt, Details sollen im Oktober bekanntgegeben werden. Vom 1. Februar 2020 an soll der Regionalzuschlag gezahlt werden.

GEW: Einen Versuch wert

„Das ist einen Versuch wert, was die Ministerin jetzt ausprobieren will“, sagt Bernd Schauer, Geschäftsführer der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Schleswig-Holstein. Bei einem Referendargehalt von etwa 1250 Euro seien 250 Euro zusätzlich schon ein Anreiz. Vor allem in den Kreisen Steinburg und Dithmarschen an der Westküste und am Hamburger Rand gebe es Schulen, an denen Lehrkräfte fehlen. „Allerdings“, sagt Schauer, „glauben wir, dass man genauer hinsehen muss, wo es schwierig ist und wo nicht.“ Im Kreis Stormarn etwa gebe es Orte, wo keine Probleme bestehen, doch zehn Kilometer entfernt könne es schon ganz anders aussehen. Im Hamburger Rand seien sehr viele Stellen zu besetzen. Die meisten Lehrer in Schleswig-Holstein würden in Kiel und Flensburg ausgebildet, das sei weit weg von den Regionen mit Problemen.

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Hohe Lebenshaltungskosten als Nachteil

„In unserem Kreis ist es bei der Personalgewinnung generell – und damit auch im Lehrerbereich – schon ein struktureller Nachteil, dass die Lebenshaltungskosten höher sind und wir zudem im Wettbewerb mit Hamburg stehen“, sagt Henning Görtz, der Landrat des Kreises Stormarn. Vor allem die Mieten seien höher als anderswo, und die Hansestadt Hamburg besolde ihre Beamten besser als Schleswig-Holstein. „Der Arbeitsmarkt in Stormarn ist nicht nur bei den Beamten hart umkämpft, wir haben mit 3,1 Prozent Arbeitslosigkeit nahezu Vollbeschäftigung“, sagt Görtz.

Probleme vor allem in Grundschulen

„Wir wollen die Ministerin bei diesem Vorhaben gerne unterstützen“, sagt Walter Tetzloff, Sprecher des Philologenverbandes Schleswig-Holstein. Man befürworte das, auch wenn die Aktion vor allem auf die Bekämpfung des Lehrermangels in Grundschulen ausgerichtet sei, wo die Probleme größer seien als an Gymnasien. In Hamburg würden Lehrer besser besoldet als in Schleswig-Holstein, auch deshalb habe der Vorschlag eine gewisse Logik. Ob 250 Euro als Anreiz genug sind, werde man aber erst beurteilen können, wenn man den Erfolg der Maßnahmen analysiere.

Bessere Verteilung

„Aus unserer Sicht ist der Regionalzuschlag sinnvoll“, sagt Volker Nötzold, Elternvertreter für Grundschulen im Kreis Steinburg. „Der Lehrermangel wird dadurch nicht behoben, aber die Verteilung der vorhandenen Lehrkräfte wird gleichmäßiger.“ Die Lehrerversorgung im Kreis Steinburg sei nicht optimal, auch hier fehlten Lehrkräfte. „Und: Auch innerhalb des Kreises sind die offenen Stellen ungleich verteilt“, erklärt Nötzold.

„Einseitige Bevorzugung der Gymnasien“

Kritik kommt vom SPD-Bildungsexperten Martin Habersaat. „Die Schülerzahlen beginnen allmählich wieder zu steigen, aber es stehen nicht genügend Lehrkräfte zur Verfügung“, konstatiert der Landtagsabgeordnete. „Wenn sich die Ministerin darüber freut, dass wir die ausgeschriebenen Lehrerstellen im Land überwiegend werden besetzen können’, ist das Pfeifen im Walde unüberhörbar“, erklärt Habersaat. Ob die Idee einer Buschzulage für die besonders unbeliebten Regionen ausreiche, um die Versorgungslücken in der Fläche zu schließen, dürfe bezweifelt werden. „Die einseitige Bevorzugung der Gymnasien durch die Jamaika-Koalition trägt „Früchte“: An dieser Schulart sind fast alle neu ausgeschriebenen Stellen besetzt worden, während an fast allen anderen Schularten noch deutliche Lücken klaffen.“

Insgesamt, so GEW-Landesgeschäftsführer Schauer, müsse der Lehrerberuf wieder attraktiver werden, „und das hängt auch mit der Arbeitsbelastung zusammen“.

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Von Christian Risch

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