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20:10 14.03.2015
Tobias Wiggert mit seinem Kite-Board vor seinem Wohnmobil auf der Nördlichen Wallhalbinsel. Quelle: Fotos: Lutz Roeßler
Lübeck

Ständig auf Achse. Für manche ist das der Horror — für Tobias Wiggert (43) das einzig wahre Leben. „Viele Leute haben Heimweh“, bekennt er. „Ich will eigentlich immer nur weg. Ich hab‘ Fernweh.“ Und so kommt es, dass der gelernte Mechaniker, der in Groß Grönau aufwuchs, schon seit 2001 nur noch in Autos wohnt. „Anfangs hatte ich einen VW Bus, danach verschiedene Busse oder Wohnmobile.“ Das passt auch sehr gut zu seinem Hobby: Kite-Surfen. Die Ausrüstung hat er im Wagen und wenn ihm danach ist, also immer wenn eine Brise weht, nimmt er Kurs Richtung Strand. „Ich fahr‘ dem Wind hinterher.“

Den Winter verbrachte er früher gerne in wärmeren Regionen

Selbst mit seinem Job verträgt sich diese Lebensweise gut. Kein Wunder, denn Tobias Wiggert hat das mit der Arbeit extra so eingerichtet, dass es passt. Früher jobbte er den Winter über im Tourismus, zum Beispiel als Surflehrer. „Ich bin auch auf diese Weise schon viel rumgekommen“, sagt er stolz. Er war in Spanien, auf Fuerteventura, auf Barbados, in Griechenland, aber auch in Kanada und Österreich. Derzeit arbeitet er als Offshore-Windanlagenbauer. „Da bin ich immer 14 Tage auf See und 14 Tage an Land.“ Und wenn er an Land ist, zieht es ihn meist an die Strände. Da lohnt sich eine Wohnung eigentlich nicht, findet er. „Ich schlafe immer woanders. Mal am Parkplatz, mal am Strand. Mal hier, mal da.“

Das Wohnmobil, ein zum „Euramobil“ ausgebauter Fiat Ducato mit 128 PS-Dieselmotor, ist alles, was er braucht. Es ist 6,40 Meter lang, hat einen von außen zu öffnenden Laderaum, in dem Tobias Wiggert unter anderem stets einen Kasten Jever und einen Kasten Wasser mitführt und einen komfortabel ausgebauten Innenraum. Das Innere ist mit einem kleinen Tisch, einer Sitzbank für zwei Personen, einem Gasherd sowie einer Nasszelle mit Toilette und Dusche ausgestattet. Wenn er nicht gerade unterwegs ist, schläft oder surft, kann Tobias Wiggert von seinem geräumigen Doppelbett im Fond aus sogar fernsehen.

Der 43-Jährige holt eine Tüte original Lübecker Marzipan-Cappuccino aus dem Wandschrank und setzt Wasser auf. Auch Lavazza-Espresso darf in seinem Vorratsschrank nicht fehlen. Daneben liegen eine Tüte Spaghetti und eine Packung Tomatensauce. In der untersten Schublade liegt ein Sack Kartoffeln. Wiggert setzt sich mit dem Kaffee an den Tisch und blättert in seinem Lieblingsbuch: „Die Bibel“, schmunzelt er und meint die „Surfer-Bibel“: „The Kite- and Windsurfing Guide Europe“. Ein Führer zu den besten Surf-Revieren. Sein nächstes Reiseziel, überlegt er, wird Dänemark. Zusätzliche Informationen holt er sich aus dem Internet. „So kann man dann auch an windstillen Tagen hier im Auto gut die Zeit verbringen.“

Klar hat Wiggert auch mal Besuch. „Hier drin gibt es sogar ein Gästebett.“ Das hatte er in seinem vorigen Wagen nicht. Es ist eine Liege genau über der Fahrerkabine. Um Freunde zu besuchen sei ein Wohnmobil auch ideal, bemerkt der Dauerreisende. „Mit so ‘nem Auto bist du überall willkommen, weil die wissen: Du pennst nicht bei denen.“

Ein Bedürfnis nach einem richtigen Zimmer habe er eigentlich nie, stellt Wiggert fest. Nicht einmal im tiefsten Winter, wenn das Wasser im Tank gefriert. „Irgendwie kann man sich da immer behelfen.“

Auch bei seinen Eltern habe er kein eigenes Zimmer mehr, sei aber dort gemeldet. „Da stehen nur noch ein paar Sachen von mir.“ Sind Reparaturen zu machen, bringt er den Wagen in die Werkstatt, bevor er auf See muss. „Dann haben die zwei Wochen Zeit, das zur reparieren.“

Billiger als Miete ist das Wohnmobil allemal. Im Jahr zahlt der Weltenbummler etwa 700 Euro Versicherung, die Steuer ist nicht hoch — der Wagen ist als Lkw zugelassen. 14 Liter Diesel verbraucht er auf 100 Kilometern. Hinzu kommen die Reparaturkosten. „Ich würde sagen: Alles in allem kostet mich das Wohnmobil im Monat rund 100 Euro.“

Wer so günstig lebt, kann viel sparen. Das zur Seite gelegte Geld braucht der Windanlagenmonteur alle paar Jahre letztendlich auch: Für ein neues Wohnmobil.

Keine Wohnsitz-Pflicht
Niemand, der in Deutschland lebt, ist verpflichtet, einen festen Wohnsitz zu haben. Man muss jedoch mit einer bestimmten Adresse gemeldet sein, wenn man ein Auto zulassen möchte.


In Deutschland lässt sich die Zahl der Menschen ohne festen Wohnsitz nur schätzen, es gibt keine offizielle Statistik. Die Zahl der Wohnungslosen dürfte insgesamt bei mindestens 300000 liegen, die meisten sind obdachlos.



In Schleswig-Holstein gab es nach einer Erhebung von 2008 knapp 5000 Menschen ohne Wohnung. In Lübeck waren es etwa 1300, deutlich mehr als in anderen Städten des Landes.

Marcus Stöcklin

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