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Norddeutschland Minister Habeck macht den Wolf zur Chefsache
Nachrichten Norddeutschland Minister Habeck macht den Wolf zur Chefsache
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09:40 20.05.2015
Quelle: Fotolia
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Kiel

„Die hohe öffentliche Bedeutung des Themas erfordert, dass wir es stärken und ausbauen“, erklärte Habeck gestern während einer Experten-Diskussion in der Kieler Fachhochschule. Man strukturiere das Wolfsmanagement daher um und stelle es neu auf, setze dabei nicht mehr nur auf den Wildpark Eekholt. „Es wird künftig staatlich organisiert.“

So soll das direkt dem Ministerium unterstellte „Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume“ (LLUR) künftig die Federführung übernehmen, zur zentralen Erst-Anlaufstelle für Betroffene und Interessierte werden und auch die Aus- und Fortbildung der 38 Wolfsbetreuer im Land übernehmen. Das Landesamt wird dazu ab 2016 mit einem eigenen Haushaltstitel von zunächst 100000 Euro im Jahr ausgestattet und personell verstärkt. An mehreren Stellen im Land sollen zudem „Herdenschutzpakete“ mit Elektrozäunen gelagert werden und bei einer Bedrohung durch einen Wolf zu den betroffenen Schafhaltern gebracht werden.

Bislang seien auch Fachleute davon ausgegangen, „dass — wenn überhaupt — nur einzelne Tiere selten und für sehr kurze Zeit in Schleswig-Holstein auftauchen würden. Die Wirklichkeit hat uns eines Besseren belehrt“, so Habeck. Jetzt streiften Wölfe praktisch permanent durch das Land. 22 sichere Nachweise sowie zwei bestätigte Hinweise habe es in den letzten Jahren gegeben. Das fordere alle Beteiligten mehr als gedacht, der Runde Tisch mit Jägern, Schafhaltern und Naturschützern solle wiederbelebt werden.

Die Bilder nach einem Wolfs-Angriff auf eine Schafherde seien „verstörend“, räumte Habeck ein — er selber hatte dem Schäfer in Blumenthal sofort einen Besuch abgestattet. Außerdem müsse darüber geredet werden, dass sich „die Wölfe teilweise anders verhalten als bisher angenommen“. So zeigte ein Wolf im Lauenburgischen kaum noch Scheu vor Menschen. Das könne die Akzeptanz der Wölfe insgesamt gefährden. Also müssten problematische Tiere im Einzelfall vergrämt oder, als „letzter Ausweg“, auch getötet werden.

Die CDU erneuerte gestern ihre Forderung, den Wolf dazu ins Jagdrecht aufzunehmen. Das lehnt Habeck weiter ab. Er halte das „nicht für sinnvoll“, so der Minister. Der Wolf sei über das Artenschutzrecht streng geschützt und hätte im Jagdrecht daher ohnehin eine ganzjährige Schonzeit. Schon jetzt könnten in Gefahrensituationen zudem artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigungen zur Vergrämung und zum Abschuss erteilt werden. Und: „In einer konkreten Gefahrensituation für Menschen darf zudem die Polizei selbstverständlich eingreifen“, betonte Habeck.

Landtag kommt ab heute zusammen
ist auch ein Thema im Landtag, der heute, morgen und am Freitag tagt. Weitere Themen: der Ausbau der Windenergie, die Lage der Hochschulen, die Finanzen, das Versammlungsrecht und die Flüchtlingssituation.
Gleich der Auftakt hat es heute in sich: Die Landesregierung will, auch von der CDU unterstützt, mit Änderungen im Planungsrecht den Ausbau der Windenergie gesetzlich steuern. Das ist bundesweit Neuland und eine Reaktion auf Urteile, mit denen das Oberverwaltungsgericht Regionalpläne gekippt hatte. Am Nachmittag steht die finanzielle Lage der Hochschulen im Blickpunkt. Die FDP hat den Entwurf eines Gesetzes eingebracht, mit dem sie die Autonomie der Hochschulen und deren Profil stärken will.

Wolfram Hammer

23. Februar 2015: Wolf greift Schafe bei Mölln an - Tier zeigt auch keine Scheu vor Menschen

2. März 2015: Wolf in Wildeshausen (Niedersachsen) bei Gefahr zum Abschuss freigegeben

29. April 2015: Wolf tötet 20 Schafe und 32 Lämmer bei Rodenbek (Kreis Rendsburg-Eckernförde)

11. Mai 2015: Wolf im Kreis Segeberg überfahren