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Norddeutschland Laubbläser – eine tödliche Gefahr für Insekten?
Nachrichten Norddeutschland Laubbläser – eine tödliche Gefahr für Insekten?
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08:00 17.11.2019
In diesen Tagen sind überall Laubbläser im Einsatz. Quelle: dpa
Lübeck/Berlin

Laubbläser sind praktisch – doch sie können Insekten und Kleinlebewesen schaden. Naturschützer weisen schon lange darauf hin. Jetzt aber meldete sich auch das Bundesumweltministerium zu Wort. Es empfiehlt, „diese Geräte im privaten Bereich gar nicht und im öffentlichen Bereich nur verwenden, wenn der Einsatz unverzichtbar ist“.

Für Kommunen und Gartenfirmen unverzichtbar

Fast alle Kommunen verwenden Laubbläser, so in Lübeck der Bereich Stadtgrün und Verkehr oder die Entsorgungsbetriebe (EBL). „So etwas ist nützlich und praktisch“, sagt Cornelia Tews von den EBL. Laubbläser seien sehr effektiv. Andererseits wisse man um die Notwendigkeit des Insektenschutzes. „Wir gucken schon, wo es wirklich notwendig ist oder ob man das Laub nicht liegen lassen kann.“ Auf Geh- und Radwegen beispielsweise müsse das Laub aus Sicherheitsgründen entfernt werden.

Auch Gartenbaubetriebe wollen auf die Geräte nicht verzichten. „Wir haben fünf oder sechs Laubbläser“, erklärt Frank Sommer von Meykopff Garten- und Landschaftsbau in Lübeck. „Weil wir so viel wirtschaftlicher arbeiten können. Sonst wäre die Arbeit gar nicht zu schaffen.“ Rechen und Harke seien da keine Alternative.

„Wer will das nachher bezahlen, wenn wir das alles von Hand machen?“, gibt auch Sascha Kaehler von Garten- und Landschaftsbau Dirk Mosch in Mölln zu bedenken. Fünf Akku-Laubbläser hat die Firma im Herbst-Einsatz.

Naturschützer: Laub lieber liegen lassen

Ann Kristin Montano von der Landesgeschäftsstelle der Naturschutzorganisation BUND in Kiel sieht ein, dass auf Gehwegen der Sicherheitsaspekt wichtig ist. Wo immer es möglich sei, vor allem im privaten Bereich, rät sie jedoch zu Rechen und Harke. „Oder man lässt das Laub liegen.“ Viele Menschen würden im Winter Vogelfutter ausstreuen. „Wo Laub liegt, finden die Vögel aber Insekten – das ist eine viel wertvollere Nahrung als Körnerfutter.“

Larven vieler Schmetterlinge, Regenwürmer, Spinnen, Käfer, Molche, Raupen und Falter fänden im Laub Unterschlupf. Würden sie mit einem Laubsauger einfach weggepustet, könnten sie Schaden nehmen – selbst wenn sie überlebten. Montano: „Diese hohen Geschwindigkeiten, 100 bis 200 Stundenkilometer, je nach Gerät, das verträgt nicht jedes Tier.“ Beim Freipusten des Bodens werde auch die Humusschicht dünner, so dass der Lebensraum der Kleintiere betroffen sei.

Auch schädlich für die Nutzer?

„Für den Nutzer eines Laubbläsers ist selbst unter Umständen schädlich, ihn auf dem Gehweg einzusetzen“, ergänzt Montano. „Getrockneter Hundekot und andere Bakterien werden aufgewirbelt und können unter Umständen Krankheiten übertragen.“ Noch schlimmer seien übrigens Laubsauger, weiß Montano. „Darin werden die Kleinlebewesen zerhäckselt.“

„Besser auf Laubsauger verzichten und lieber zu Besen und Rechen greifen oder das Laub insbesondere unter Sträuchern und Bäumen liegen lassen“, rät daher auch der Naturschutzbund Nabu.

Für Detlef Kolligs, Schmetterlingsexperte der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein sind Laubblasegeräte dagegen eines der kleineren Probleme beim Insektenschutz, für den sich die Stiftung unter anderem durch Aufkauf und insektengerechte Gestaltung von Flächen einsetzt. „Da gibt es andere Baustellen.“

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