Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Missbrauch wird neu verhandelt
Nachrichten Norddeutschland Missbrauch wird neu verhandelt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:10 11.01.2017
Anzeige
Kiel

Er machte Pleite mit einem Sicherheitsunternehmen und einem Pferdehof bei Ascheberg (Kreis Plön), lockte Investoren mit einem angeblich EU-geförderten 25-Millionen-Projekt. Die Vergangenheit des erneut wegen Sex- und Betrugsvorwürfen vor Gericht stehenden Reitlehrers (52) hat viele Facetten. Seit gestern muss er sich in zweiter Instanz vor dem Kieler Landgericht wegen Missbrauchs zweier minderjähriger Schülerinnen verantworten.

Im März 2016 hatte das Amtsgericht Plön den ehemaligen Manager von Handball-Mannschaften, der auch in Lübeck tätig war, wegen dreizehn Sexualstraftaten, gefährlicher Körperverletzung, Nachstellung und Betrugs zu dreieinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Den zur Tatzeit 16-jährigen Nebenklägerinnen soll er laut Richterspruch insgesamt 25000 Euro Schmerzensgeld zahlen.

Anzeige

Der gelernte Schlachter, der gegenüber Geschäftspartnern als studierter Betriebswirt und geprüfter Reitlehrer mit A-Trainer-Lizenz hochstapelte, legte Rechtsmittel ein. Auch die Staatsanwaltschaft ging in Berufung. Sie hatte vier Jahre Freiheitsstrafe gefordert. Doch für den Fall eines umfassenden Geständnisses wäre sie inzwischen mit einer deutlich milderen Strafe unter drei Jahren zufrieden.

Dieses Zugeständnis hatte der Vorsitzende Richter in Vorgesprächen über eine prozessverkürzende Verständigung erzielt. Ein Deal könnte den mutmaßlichen Missbrauchsopfern die erneute Aussage ersparen.

Und der Justiz einen weiteren Mammutprozess: In erster Instanz hatte das Schöffengericht 68 Sitzungstage verhandelt. Fast zwei Jahre vergingen bis zum Urteil. Für die zweite Runde sind bereits 46 Tage reserviert.

Auch die Verteidigung hat im Poker um das Strafmaß ihren Hut in den Ring geworfen. Den Anwälten schwebt ein Rahmen vor, der sich mit dem der Anklage überschneidet. Trotzdem wurde man sich bisher nicht einig. Da half es auch nicht, dass der Vorsitzende dem Angeklagten kurz vor Weihnachten die Außervollzugsetzung des Haftbefehls in Aussicht stellte. In U-Haft sitzt er seit November, weil er sich ungeachtet eines Berufsverbots erneut jungen Reiterinnen genähert haben soll. gey

LN