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Norddeutschland Mit Spürhunden gegen die Schweinepest
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12:00 08.12.2019
Mischlingshund „Otto“ hat ein Stück Wildschwein aufgespürt, das zum Training ausgelegt wurde. Quelle: Oliver Dietze/dpa
Lübeck

Das Risiko des Ausbruches der Afrikanischen Schweinepest (ASP) sei nach wie vor hoch, da sich die Schweinepest immer stärker ausbreite, erklärt das Kieler Landwirtschaftsministerium. Das erfolge auch sprunghaft über zum Teil mehrere hundert Kilometer. Erst vor wenigen Tagen gab es in Polen neun neue Fälle, nur etwa 40 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. „Daher besteht auch für Schleswig-Holstein ein konkretes Risiko hinsichtlich einer Einschleppung der Seuche“, sagt Joschka Touré, Sprecher des Agrarministeriums.

Der Mensch spiele dabei eine entscheidende Rolle. Mit infizierten und weggeworfenen Lebensmittel könnten das Virus ebenso hier eingeschleppt werden wie mit mitgebrachten Jagdtrophäen. Ein Ausbruch der Seuche in Deutschland hätte massive wirtschaftliche Folgen für Schweinehalter. Ab dem ersten Nachweis bei einem Wild- oder Hausschwein sei der Export in Länder außerhalb der EU nicht mehr möglich.

Hundeübung im Segeberger Forst

Schleswig-Holstein treffe verschiedene konkrete Vorbereitungen für den Ernstfall – und dazu zähle auch das Training für Spürhunde. Nach einer großangelegten Tierseuchenübung im Segeberger Forst im Sommer 2018 sei eine der Schlussfolgerungen gewesen, dass es notwendig sei, speziellen Kadaversuchhunde auszubilden. „Im Rahmen eines Projektes wurden daher auf Initiative des Kreises Segeberg in Abstimmung mit dem Ministerium die erfolgreichen Ausbildung der ersten fünf Suchhunde-Teams umgesetzt“, erklärt der Sprecher. Weitere Suchhunde sollten ausgebildet werden.

Außerdem wurden Materialien zur Bergung von Wildschweinkadavern getestet und die Abläufe der Bergung und Probenahme praktisch demonstriert und geübt. Die Einsatzmöglichkeiten von mit Wärmebildkameras ausgestatteten Drohnen zur Suche nach Kadavern und lebendem Schwarzwild wurden im Rahmen eines Pilotprojektes im vergangenen Sommer getestet. Ein weiterer Durchlauf ist für diesen Winter geplant.

Niedersachsen will ausbilden

Auch das Land Niedersachsen will Wildschweinkadaver-Suchhunde ausbilden. Eine Sprecherin des Landwirtschaftsministeriums sagte, es gebe erste Gespräche mit Vertretern unterschiedlicher Verbände. „Vorgesehen ist – aufbauend auf den Erfahrungen zur Ausbildung und Prüfung im Saarland –, ebenfalls in eine Ausbildung einzusteigen.“ Im Saarland gibt es seit kurzem speziell ausgebildete und geprüfte Wildschweinkadaver-Suchhunde.

60 Kilometer Zaun eingelagert

Schleswig-Holstein führt regelmäßig Tierseuchenübungen zur Vorbereitung auf einen möglichen ASP-Ausbruch durch. Zuletzt gab es eine länderübergreifende Übung mit Dänemark im Januar 2019, die nächste Tierseuchenübung ist für Mitte des kommenden Jahres vorgesehen. Würde hier die Seuche bei einem Wildschwein festgestellt, richte man Restriktionsgebiete um den Fundort des infizierten Tieres ein. „Wenn die Seuche früh genug erkannt wird, wird direkt um den Fundort ein lokal begrenztes Kerngebiet eingerichtet.“

Zeitlich begrenzte Einzäunung

Um weitere möglicherweise bereits infizierte Tiere an das Kerngebiet zu binden und eine weitere Ausbreitung zu verhindern, sei es in diesem Fall unter anderem vorgesehen, das Kerngebiet über einen zeitlich begrenzten Zeitraum einzuzäunen. Zu diesem Zweck seien derzeit 50 Kilometer Elektrozaun sowie 10 Kilometer herkömmlicher Wildzaun eingelagert. Für Aufbau, Pflege und Wartung eines Zaunes seien die Schleswig-Holsteinischen Landesforsten zuständig.

Ähnlich räumlich begrenzte Modelle der Seuchenbekämpfung seien bereits in Tschechien erfolgreich durchgeführt worden, erklärt das Kieler Landwirtschaftsministerium. Nur eine frühe Erkennung des Seucheneintrags bietet hierbei die Chance, mit geeigneten Maßnahmen die Seuche örtlich begrenzt zu binden. Um die Früherkennung der ASP zu fördern, werde den Jägern daher für tot aufgefundenes Schwarzwild, das sie bergen, beproben und entsorgen, eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 50 Euro gezahlt. Die Entsorgung sei kostenfrei an insgesamt 26 in den Kreisen und kreisfreien Städten eingerichteten Sammelplätzen möglich.

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Von cri/dpa

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