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Norddeutschland Im Supermarkt Waren selber mit dem Handy scannen und bezahlen: So geht’s
Nachrichten Norddeutschland Im Supermarkt Waren selber mit dem Handy scannen und bezahlen: So geht’s
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14:13 17.12.2019
Der Kunde scannt das Produkt mit dem Handy ein und bezahlt es damit auch bargeldlos. Quelle: Lutz Roeßler
Pinneberg

Kaufen ohne Aufwand und langes Anstehen – in Kurzform: Koala. So heißt eine App des Elmshorner Start-Up-Unternehmens Fesforward. Damit können Kunden Produkte im Supermarkt mit ihrem Smartphone einscannen, noch am Regal bezahlen und den Laden verlassen, ohne noch einmal an der Kasse stoppen zu müssen.

So funktioniert Koala

Vor dem ersten Einkauf laden sich Kunden die App herunter und registrieren sich mit vollständigem Namen, Geburtsdatum und hinterlegen eine Bank- beziehungsweise Kreditkarte. Anschließend arbeiten die Kunden ihre Einkaufsliste ab. Sie scannen bei jedem Produkt den Barcode ein.

Wenn der Einkauf vollständig ist, bezahlen Kunden einfach online über die hinterlegte Bankverbindung. Im Gegenzug bekommen sie einen Bar- beziehungsweise QR-Code auf ihr Handy. Der macht es ihnen möglich, den Supermarkt auf einer Schnellspur zu verlassen, ohne sich noch einmal an der normalen Kasse anstellen zu müssen.

Christoph Schönfelder (l.) und David Scharfschwerdt, Gründer des Start-Ups Fesforward und der App Koala. Quelle: Koala

Geht der Handy-Akku während des Einkaufs leer, so brauchen sich Kunden keine Sorgen machen: „Nach einer Stunde wird der bisher gescannte Warenkorb ungültig. Und manuell lässt sich jederzeit ein neuer Warenkorb beginnen“, erzählt Mitgründer David Scharfschwerdt. Gibt der Akku nach dem Bezahlvorgang, aber vor Verlassen des Marktes nach, müsse das Personal benachrichtigt werden.

Geringer Aufwand auch für Händler

Gute anderthalb Jahre hat ein fünfköpfiges Team rund um die beiden Gründer Christoph Schönfelder und David Scharfschwerdt an der App gearbeitet. Dabei seien auch Händler, Mitarbeiter und Kunden mit einbezogen worden, sagt Scharfschwerdt.

Derzeit wird das Konzept in Meyer’s Frischecenter in Pinneberg getestet. „Händler haben durch unser Produkt kaum Zusatzarbeit“, sagt der Gründer. Das bestätigt auch Stefan Giese von der technischen Leitung des Testmarktes: „Die einzige Anschaffung war das Exit-Gate.“

Die neue Art des Bezahlens soll die Kassierenden vor allem zu den Stoßzeiten von Geschäften entlasten, sagen die Entwickler. Giese erhofft sich vor allem, dass Arbeitszeiten für Kassierende verbessert werden: „Ideal wäre zum Beispiel, wenn wir im Markt eine Vollbesetzung bis 19 Uhr hätten und danach nur noch eine Person kassiert und gegebenenfalls durch die App entlastet wird.“

„Es ist natürlich ein Vertrauensprodukt“

Kritiker äußern, dass die App eine Einladung für Diebe sei. David Scharfschwerdt versteht die Bedenken: „Es ist natürlich ein Vertrauensprodukt.“ Die App fordere jedoch stichprobenartig einzelne Nutzer auf, ihren Einkauf nach dem Bezahlvorgang vom Ladenpersonal überprüfen zu lassen. „Außerdem müssen Nutzer Daten wie ihren Namen und das Geburtsdatum angeben, was beim ersten Einkauf per App einmalig an der Kasse kontrolliert wird.“

Ähnliche Bedenken gab es auch bei den Selbstbedienungskassen, die es inzwischen immer häufiger gibt – wie zum Beispiel im Möbelhaus Ikea. Das Unternehmen ist zufrieden: „Nach unserer Erfahrung entstehen durch SB-Kassen keine höheren Verluste als durch herkömmliche Kassensysteme.“ Dafür würden die SB-Systeme jedoch dabei helfen, Wartezeiten an der Kasse zu verkürzen. Zudem könne man mehr Mitarbeiter beispielsweise für den Kundenservice einsetzen. Derzeit testet der Möbelriese in Frankfurt am Main auch das sogenannte Self-Scanning und den Self-Checkout per Smartphone.

Datenschutzrechtlich ist es für Marit Hansen, Geschäftsführerin der Unabhängigen Landeszentrale für Datenschutz in Schleswig-Holstein, wichtig, „dass man einkaufen kann, ohne dass zwangsläufig mitgespeichert wird, wer was wo erworben hat.“ Allerdings schließe das für die Expertin die freiwillige Nutzung der App nicht aus: „Es kann auch praktisch sein, wenn man seine eigenen Einkäufe in einer App nachvollziehen kann. Doch das, was man auf das Kassenbandgelegt hat, ist schnell vergessen“, wer aber die Einkäufe eines Jahres analysiere, könne sehr viel Wissen über die Person und dessen familiäre Situation sammeln. Für die Gründer steht fest: „Wir halten uns natürlich an die geltenden Datenschutzrichtlichen, lassen Kundendaten anonymisiert und werten sie nicht aus.“

Auch für Drogerien, Baumärkte und Co.

Die Testphase in Pinneberg läuft noch bis zu den Weihnachtsfeiertagen. „Wir wollen das in weiteren Märkten ausprobieren“, sagt Stefan Giese. Auch die Entwickler sind optimistisch: „Im kommenden Frühjahr dürften wir mindestens zehn Märkte angeknüpft haben.“ Bisher handle es sich dabei nur um Edeka-Filialen rund um und in Hamburg. Aber David Scharfschwerdt betont, dass jeder überall mitmachen könne, „egal ob Drogerie, Modegeschäft oder Baumarkt“.

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