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Norddeutschland Möwen füttern verboten: Immer mehr Küstenorte drohen mit Bußgeld
Nachrichten Norddeutschland Möwen füttern verboten: Immer mehr Küstenorte drohen mit Bußgeld
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19:52 24.07.2019
Einfallsreich bei der Nahrungssuche: Die Möwen an der Lübecker Bucht, hier am Travemünder Fischereihafen. Quelle: Felix König/Agentur 54°
Lübeck/Wismar

Möwen füttern kann teuer werden. In Wismar werden jetzt gar bis zu 5000 Euro Bußgeld verlangt. In Grömitz und Kiel können bis zu 1000 Euro fällig werden. Die gefräßigen Vögel sind inzwischen in vielen Küstenorten eine Plage. „Das Verhalten vieler Menschen im Bereich des Alten Hafens führt dazu, dass die Möwen zunehmend aggressiver auftreten“, begründet Marco Trunk, Sprecher der Stadt Wismar, die neue Verordnung, die zum 1. August in Kraft tritt.

Am Alten Hafen in Wismar müssen Passanten gut auf ihre Fischbrötchen achten. Denn auch die Möwen sind hungrig. Quelle: Wolfgang Maxwitat

Verbot gilt für fünf Jahre

Das Füttern von Möwen am Alten Hafen in Wismar ist künftig offiziell verboten. Die Verordnung tritt am 1. August in Kraft und gilt zunächst für fünf Jahre. Bei Verstößen drohen Bußgelder von bis zu 5000 Euro. Ähnlich teuer ist es auch in Rostock-Warnemünde.

Durch das Füttern hätten die Tiere die natürliche Suche nach Nahrung abgelegt. Oft stürzen sie sich im Sturzflug auf Passanten und reißen ihnen das Essen aus der Hand. Nicht selten bleibt vom Fischbrötchen nur das Brötchen übrig.

Schilder machen auf Fütterungsverbot aufmerksam

Dass die Möwen frecher werden, bemerkt auch Janina Kononov, Betriebsleiterin vom Tourismus-Service in Grömitz. „Das sind schlaue Tiere, die merken sich, wo sie ihr Futter bekommen.” Beliebter Treffpunkt für die Vögel ist an der Seebrücke, wo auch viele Imbissstände sind. Möwen, Enten und Schwäne im Strandbereich von Grömitz zu füttern, ist in der Gemeindesatzung bereits als Ordnungswidrigkeit aufgeführt. „Das kann mit einem Bußgeld von bis zu 1000 Euro geahndet werden”, sagt Kononov. An den Strandzugängen stehen Schilder, die auf das Fütterungsverbot aufmerksam machen. Auch in Scharbeutz ist laut Satzung das Füttern von Möwen im Strandbereich verboten. Wer erwischt wird, dem droht ein Bußgeld. An der Promenade und im Stadtgebiet hingegen gilt diese Regelung laut Ordnungsamt nicht.

Vor allem für Kleinkinder gefährlich

Auf Fehmarn seien die Möwen aggressiver geworden, vermutlich durch das Füttern, berichtet Tourismus-Direktor Oliver Behncke. „Die Tiere haben eine eigene Taktik entwickelt.“ Der Klassiker spiele sich regelmäßig auf dem Vorplatz an der Hauptpromenade ab: Ein Kind kauft einen Crêpe, die Möwe pirscht sich von hinten an, fliegt dicht heran und schnappt dann im Sturzflug die Nahrung aus der Hand. „Gerade für Kleinkinder kann das gefährlich sein“, fürchtet Behncke. „Wir appellieren mit Hinweisschildern, Möwen nicht zu füttern.“ Sollte sich aber eine größere Plage entwickeln, müsse die Gemeinde über ein Verbot nachgedenken.

Stadt Lübeck strebt keine Verbotsregelung an

Ruhiger scheint es hingegen in Timmendorfer Strand und Travemünde zu sein. „Bei uns sind noch gar keine Beschwerden eingegangen”, sagt Timmendorfs Ordnungsamtsleiter Michèl Soltmann. Die meisten Vögel tauchten am Niendorfer Hafen auf, „das ist aber normal.” Nach Auskunft der Stadt Lübeck gibt es nur selten Beschwerden über gefräßige oder angriffslustige Möwen. „Es werden immer mehr“, sagt allerdings Anja Lüdtke, Inhaberin des Restaurant Fisch Paul in Travemünde. Es sei wirklich ärgerlich, wenn die Vögel bei ihren Gästen auf den Tisch springen. „Natürlich sind sie auf Beute aus, sie gehen schon mal an die Müllsäcke und essen die Reste von den Tischen“, berichtet Kurdirektor Uwe Kirchhoff. „Aber dass sie Touristen die Nahrung streitig machen, ist mir nicht bekannt.“ Verbotsregelungen würden daher nicht angestrebt, berichtet Stadtsprecherin Nicole Dorel. Nach dem Jagdrecht sei das Füttern von Wild – zu dem auch alle Möwenarten zählen – in und an Gewässern in der freien Wildbahn ohnehin nicht zulässig.

Nabu: Möwen sehr flexibel in der Nahrungswahl

Der Naturschutzbund rät zu Gelassenheit. „Ich bezweifle, dass man den Möwen das räuberische Verhalten wieder abgewöhnen kann“, sagt Landesgeschäftsführer Ingo Ludwichowski. Das Vorkommen aggressiver Möwen beschränke sich zudem auf wenige touristische Schwerpunkte. „Da muss man vorsichtig sein.“ Den Vögeln schade das teils ungewohnte Essen nicht, vor allem Lach-, Sturm- und Silbermöwen seien sehr flexibel in ihrer Nahrungswahl.

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