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Norddeutschland Mondfisch gesichtet: Immer mehr exotische Gäste in der Ostsee
Nachrichten Norddeutschland Mondfisch gesichtet: Immer mehr exotische Gäste in der Ostsee
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12:27 23.12.2014
Ein Mondfisch wurde in der Lübecker Bucht gesichtet. Quelle: Jens Koehler
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Poel

„Und es werden wohl noch mehr“, sagt Timo Moritz vom Deutschen Meeresmuseum in Stralsund. Der Salzwassereinbruch aus der Nordsee bringe nicht nur exotische Fische, sondern reanimiere auch die Ostsee: Er bekämpft die sogenannten Todeszonen. Deren Fläche hat sich im vergangenen Jahrhundert auf rund 60000 Quadratkilometer verzwölffacht. Nun könnte ein weiteres Ausbreiten gestoppt werden. Die Wissenschaftler vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) sind jedenfalls in heller Aufregung. „Einen so starken Salzwassereinbruch hat es zuletzt vor 21 Jahren gegeben“, berichtet Mitarbeiterin Barbara Hentzsch.

Ersten Schätzungen zufolge sind seit Mitte Dezember bereits mehr als 150 Kubikkilometer Salzwasser in die Ostsee geströmt. „Neben dieser großen Menge ist vor allem die Sauerstoffsättigung bemerkenswert“, ergänzt Barbara Hentzsch. Innerhalb kürzester Zeit ist das komplette Arkonabecken vor der Insel Rügen mit Sauerstoff versorgt gewesen. Die Warnemünder Ozeanografen rechnen damit, dass sich der Salzwassereinbruch bis ins Gotland-Becken fortsetzt und die Lebensbedingungen am Meeresboden deutlich verbessert.

Noch bis Mitte der 1980er Jahre haben alle zwei bis drei Jahre Salzwassereinträge das Tiefenwasser der zentralen Ostsee belüftet. Dann kamen sie nur noch vereinzelt vor. Die letzte größere Sauerstoffspritze fürs Gotlandbecken gab es 2003. Mit Salzwasser können alle mögliche Fischarten in die Ostsee gespült werden, auch Exoten wie Schwertfische, Thunfische oder Streifenbarben. Vor der Insel Poel hatten Fischer vergangene Woche einen 70 Zentimeter langen Dornhai im Netz — auch ein Salzwasserfisch, der zuletzt aber öfter in der Ostsee gesehen wurde.

ks