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Norddeutschland Mondscheinausritt durch Grömitz
Nachrichten Norddeutschland Mondscheinausritt durch Grömitz
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13:58 24.06.2019
Noch ist es hell. Doch schon bald sind auch die letzten Sonnenstrahlen hinter den Baumwipfeln verschwunden: Ein Abenteuerritt durch die Nacht. Quelle: Fotos: 54° / John Garve
Grömitz

Es ist stockdunkel. Im Wald ist es still, nur das dumpfe Klopfen der Pferdehufe ist zu hören. Äste knacken, Blätter rascheln. Ein Waldkauzjunges ruft kläglich in die Dunkelheit. Und plötzlich geht es bergab. Überrascht lehne ich mich im Sattel ein Stück zurück. Mein Pferd Ohle, ein Norweger, scheint besser zu sehen als ich. Denn im Gegensatz zu ihm hatte ich den abschüssigen Weg im Wald nicht kommen sehen.

Zusammen mit Reitlehrer Torsten Hopp befinde ich mich mit drei weiteren Reitern auf einem Mondscheinausritt durch Grömitz. Gerade jetzt im Sommer, wo zahlreiche Touristen an die Ostsee fahren, sind Ausritte wie dieser gefragt.

Gleich geht es los: Mein Norweger Ohle und ich freuen uns schon auf den Ausflug. Quelle: Josephine Andreoli

„Und antraben“, ruft Hopp. Ich lockere die Zügel, treibe und trabe meiner Vorderfrau hinterher – aus dem finsteren Wald hinaus auf eine Wiese. Hinter den Wolken schiebt sich der Mond hervor. Eine salzige Brise weht. Aber zurück auf Anfang.

Es ist 21 Uhr, als ich mit dem Auto auf den Hof der Familie Hopp in Grömitz einbiege. Ein paar letzte Sonnenstrahlen tauchen den Hof in goldenes Licht. Hopp, Reitlehrer und Eigentümer des Hofes, sitzt am Eingang zum Pferdestall gedankenverloren auf einem Plastikstuhl. Auf dem Stuhl neben ihm hat sich Matti, ein scheckiger Parson Jack Russel Terrier, zusammengerollt.

Von der Landwirtschaft zum Reitbetrieb

Seit mittlerweile 24 Jahren führt der gelernte Industriemechaniker den elterlichen Betrieb. Anfang der 60er Jahre, als Vater Günter Hopp den Hof übernommen hatte, verdiente die Familie ihr Brot noch mit der Landwirtschaft. Doch das sollte sich schnell ändern: „Mein Vater ist damals im Sommer mit Pferd und Wagen auf die Wiesen gefahren, um die Kühe zu melken. Schnell kamen dann Urlauber vorbei und fragten, ob ihre Kinder mal eine Runde auf der Wiese reiten dürften – für 60 Pfennig.“ Die Familie witterte eine Chance – und schaffte sich Pferde für den Reitbetrieb an. Zu Spitzenzeiten lebten 54 Tiere auf dem Hof. Heute hält Hopp noch insgesamt 20 Pferde.

Strandausritte an der Ostsee

Am Strand galoppieren und Abenteuerluft schnuppern – hier wird dieser Traum auch im Sommer wahr:

Freizeitreiten HoppLangenredder 48 23743 Grömitz/LensteTelefon: 0172-211 54 30Email: info@freizeitreiten-hopp.deMehr Infos unter: www.freizeitreiten-hopp.de

Reiterhof RickertGahlendorf 123769 FehmarnTelefon: 0171-686 7969Email: info@reiterhof-rickert.deMehr Infos unter: www.rickert-fehmarn.de

Reiterhof WittIn de Löt 2, OT Wulfen23769 FehmarnTelefon: 0171-417 35 87 / 04371-50 56 73Email: info@reiterhof-witt.deMehr Infos unter: www.reiterhof-witt.de

Gestüt RüderBlieschendorf 523769 FehmarnTelefon: 04371-32 06Email: info@gestuet-rueder.deMehr Infos unter: www.gestuet-rueder.de

Weitere Reithöfe in der Region bieten ebenfalls Ausritte an. In den meisten Gegenden ist der Strand im Sommer allerdings für Pferde gesperrt.

„Rund um 2008 stand es ums Reiten und den Betrieb relativ schlecht“, sagt er. „Ich bin damals in mich gegangen und habe überlegt, was wir tun können.“ Sein Konzept: Strandausritte, Nachtausritte bei Mondschein – „Mädchenträume wahr werden lassen.“

Josephine Andreoli macht Fjordopferd Ohle startklar für den Nachtausritt. Ein paar Streicheleinheiten dürfen da nicht fehlen. Quelle: 54° / John Garve

Und Hopp hatte Glück: Dem Tourismus-Service gefiel die Idee. Da der Strand zur Sommerzeit zum größten Teil für Hunde und Pferde gesperrt ist, musste eine Einigung her. „Das ging lange hin und her, aber am Ende habe ich versprochen, nach jedem Ausritt die berittene Strecke abzuäppeln und nur früh morgens und spät abends zu reiten, wenn sowieso eher weniger los ist am Strand.“ Das funktioniert gut. Und die Touristen lieben es.

„Das hat uns einen Riesenhype gebracht – zur Ferienzeit sind wir acht bis zehn Wochen vorher ausgebucht“, sagt Hopp. Und der Betrieb war gerettet. „Das ist schon was Besonderes – so mit den Pferden durch die Natur.“ Gerade beim Mondscheinausritt komme eine tolle Stimmung auf. „Man nimmt Gerüche ganz anders wahr. Teilweise sieht man rein gar nichts. Auch die Pferde sind da viel aufmerksamer.“

Gegen halb zehn trudeln auch die anderen Reiter ein. Dass Hopp nur maximal fünf Reiter mitnimmt, hängt damit zusammen, dass er auch gut auf sie aufpassen möchte.

Der Nacht entgegenreiten – So fühlt sich Freiheit an

Striegeln, streicheln, aufsatteln. Endlich ist es so weit: Wir dürfen aufsitzen. Nach zwei gemütlichen Runden über den Reitplatz geht es dann ins Gelände. Im flotten Schritt reiten wir der Nacht entgegen. Schnell haben wir die Straße hinter uns gelassen, streifen durch kniehohes Gras. Hopp weist ein paar Meter von sich: „Seht mal, ein Reh“, sagt er mit ruhiger Stimme. Ein Lächeln breitet sich auf meinem Gesicht aus. So hatte ich mir das vorgestellt. Kann es noch schöner werden? Ja, denn nach einigen Kilometern durch Wald und Wiesen erreichen wir die Dünen. Die Hufe der Pferde versinken im pulvrigen Sand, Wind weht. Wellen rauschen.

Am Horizont, kurz vor Mecklenburg, tauchen Blitze den Himmel und das Meer in ein warmes Orange. Ein Unwetter. „Das“, sagt Hopp, „ist ein Naturspektakel, das man nicht buchen kann.“ Schweigen. Alle Blicke sind in die Ferne gerichtet. Nach einer Weile der Bewunderung wenden wir die Pferde und galoppieren an der Wasserkante. Ich stehe in den Steigbügeln, unter mir mein tänzelndes Pferd.

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Viel zu schnell sind wir wieder am Hof der Hopps angelangt. Auch die anderen Reiter haben Gefallen gefunden am nächtlichen Ritt: „Das war ein großer Traum von mir – und ich habe alles mitgemacht: durchs Meer reiten und nachts am Strand galoppieren“, schwärmt Jenny Rehhausen aus Essen.

Torsten Hopp tätschelt zufrieden sein Pferd: „Eigentlich geht hier jeder mit einem Lächeln und das ist mir das Wichtigste.“

Josephine Andreoli

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