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Norddeutschland Bäcker und Fleischer ärgern sich: Kassenbon wird ab 2020 für jeden Kauf zur Pflicht
Nachrichten Norddeutschland Bäcker und Fleischer ärgern sich: Kassenbon wird ab 2020 für jeden Kauf zur Pflicht
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07:54 17.11.2019
Auch in der Konditorei Gaumenfreude werden künftig mehr Kassenbons gedruckt. Quelle: Lutz Roeßler
Lübeck

Ab 1. Januar 2020 kommt sie: die Belegausgabepflicht. Sie ist Teil des „Gesetzes zum Schutz vor Manipulationen an digitalen Grundaufzeichnungen“, das am 22. Dezember 2016 vom Bundesrat verabschiedet wurde. Die Regelung betrifft sämtliche Betriebe, die mit elektronischen Kassen arbeiten. So zum Beispiel Supermärkte, Bäckereien, Bekleidungsgeschäfte, Hotels, Gaststätten und viele mehr. Wer also eine Registrierkasse hat, muss ab 2020 jeden Kassenbon ausdrucken – selbst, wenn der Kunde den nicht benötigt.

Müllberge aus beschichtetem Papier“

Beim Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks herrscht Unverständnis über die Belegausgabepflicht: „Wir reden über Umweltschutz und diskutieren über die Reduktion von Coffee-to-go-Bechern, schaffen dann aber auf der anderen Seite Müllberge aus beschichtetem Papier. Das ist in Zeiten von Fridays for Future nicht zeitgemäß“, erläutert der Hauptgeschäftsführer Daniel Schneider.

Höhere Kosten für Kassenbonpapier

Für Kassenbons wird in Deutschland zum Großteil Thermopapier genutzt, das mit Bisphenol A beschichtet ist und durch die chemischen Besonderheiten nicht ins Altpapier gehört. Bisphenol A gilt außerdem als Mitauslöser für hormonell bedingte Erkrankungen. Klaus Lorenzen, Geschäftsführer der regionalen Biomarkt-Kette Landwege, erzählt:„Wir nutzen einen Ökobon, der eben nicht mit Bisphenol A beschichtet, dafür aber umweltfreundlich ist. Das kostet uns aber auch das Dreifache des Thermopapiers. Und wenn wir jetzt jeden Bon ausdrucken müssen, kommen erhebliche Kosten auf uns zu.“

Für Daniel Schneider steht auch fest: „Bei durchschnittlich 100.000 Kunden je Verkaufsfiliale ergeben sich pro Jahr über fünf Milliarden Bons aus Papier.“ Das Bundesministerium der Finanzen (BMF) argumentiert, dass die Belegausgabepflicht „bewusst technologieoffen ausgestaltet ist. Belege können daher beispielsweise auch per E-Mail oder auf das Handy ausgegeben werden.“ Bei der elektronischen Variante muss jedoch auf die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) geachtet werden.

Neue Sicherheitseinheiten gegen Steuerbetrug

Eine klare Antwort, weshalb jeder Bon ausgedruckt werden muss, bleibt aus. Es heißt seitens Bundesfinanzministerium, dass zum Beispiel ein Kaufvorgang nicht in der Kasse festgehalten werden könne, sollte der Bon nicht gedruckt werden.

Dabei sollen die neuen technischen Sicherheitseinheiten (TSE), die gesetzlich zusammen mit der Belegausgabepflicht beschlossen worden sind, genau das verhindern. Dem Gesetz nach sollen elektronische oder computergestützte Kassensysteme mit einer Sicherheitseinheit so umgerüstet werden, dass sie nach Abschluss eines Kaufvorgangs alle Daten unveränderlich speichern. Das ist im Gesetzesbeschluss vom 22. Dezember 2016 im „Gesetz zum Schutz vor Manipulationen an digitalen Grundaufzeichnungen“ festgehalten worden. Ziel ist es mit den Maßnahmen, Steuerbetrug entgegenzuwirken und frühzeitig zu erkennen.

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„Völlig unsinnig“

Daniel Schneider vom Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks betont: „Zu diesem Ziel bekennen wir uns ausdrücklich. Es ist aber nicht gefährdet, denn die Bonausgabe hat keinen Einfluss auf die Speicherung der Daten – sie sind nämlich grundsätzlich manipulationssicher gespeichert.“

Auch bei Bäckern und Konditoren in der Region Lübeck herrscht Unverständnis: „Die Belegausgabepflicht ist völlig unsinnig“, kommentiert Silke Eickoff, Geschäftsführerin der Bio-Konditorei Gaumenfreude in Lübeck. Tanja Zilke ist Geschäftsführerin von Tanjas kleinem Backhaus in Bad Schwartau. Für sie bedeutet die Bonpflicht „Unmengen an Kassenrollen, die verbraucht werden, und viel zu viel Müll, der dadurch anfällt.“

Bei den Kunden zeichnet sich ebenso ein einheitliches Meinungsbild ab. Bei einer LN-Umfrage sagte Maicel Rosenberg aus Lübeck: „Für den Umweltschutz ist das keine gute Maßnahme, zumal es für Kunden keine Mitnahmepflicht für die Bons gibt.“

Uwe Sonntag aus Bad Oldesloe bemängelt dagegen die Technologie-Offenheit: „Wer lässt sich einen Bon aus Supermarkt schon per Mail schicken? Das ist doch viel zu zeitaufwendig für die Mitarbeiter.“ Carmen Schack ist ebenfalls aus Bad Oldesloe und hält es kurz: „Die Belegausgabepflicht macht keinen Sinn.“

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Von Lisa-Marie Pohlmann