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Norddeutschland Müllwagen messen die Luftqualität
Nachrichten Norddeutschland Müllwagen messen die Luftqualität
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12:00 23.06.2019
Dirk Schoenberg (l.), Werkstattleiter der Entsorgungsbetriebe, und Oliver Harnack, Projektleiter von Dräger, mit den Messgeräten an einem Sperrmüllfahrzeug. Quelle: 54° / John Garve
Lübeck

So ein Sperrmüllwagen kommt viel herum in der Stadt – im wahrsten Sinne des Wortes. Diese Tatsache macht ihn zu einem perfekten Vehikel, um auch andere Funktionen als Müll einladen zu übernehmen. Zum Beispiel Umweltdaten sammeln und Schadstoffe in der Luft messen. Seit März dieses Jahres fährt ein Sperrmüllfahrzeug der Entsorgungsbetriebe mit Gasmess-Sensoren der Firma Dräger durch Lübeck. Durch ein Funknetz der Stadtwerke-Tochter Travekom werden die Daten der Sensoren an einen Server bei den Stadtwerken Lübeck übertragen. Möglich macht das ein Netz, das Daten über weite Strecken übermitteln kann.

Daten aus allen Stadtteilen

„Wir haben im März verschiedene Gasmessgeräte an einem Sperrmüll-Fahrzeug angebracht. Dieses Fahrzeug fährt potenziell an jeden Ort der Stadt, hat pro Tag im Schnitt 50 Stellen, an denen es Sperrmüll einsammelt“, sagt Oliver Harnack, Projektleiter von Dräger. „Das ist ideal, weil er in alle Stadtbezirke kommt. Jetzt wollen wir auch ein Müllfahrzeug ausrüsten, das in einem begrenzten Innenstadt-Bezirk die Tonnen leert. Damit können wir genauere Daten über den Bezirk gewinnen“, erklärt Harnack. „Alle waren sehr kooperativ“, sagt Harnack. Und Manfed Rehberg, Leiter der Stadtreinigung bei den Entsorgungsbetrieben sagt: „Wir finden die Idee gut und beteiligen uns gerne an diesem Projekt.“ Täglich seien etwa 30 Müllwagen im Stadtgebiet Lübeck im Einsatz.

Durch die Kooperation von Dräger, Stadtwerken und Entsorgungsbetrieben können Umweltdaten ermittelt werden, die zu einer detailierten Karte führen.

Ziel ist eine Luftbelastungskarte

„Wir sammeln möglichst viele Daten, unser Ziel ist, eine Luftbelastungskarte für die ganze Stadt daraus zu erstellen“, sagt Dräger-Projektleiter Harnack. Bisher seien es erst Momentaufnahmen, aber es ließen sich schon einige neuralgische Punkte mit erhöhter Schadstoffbelastung ausmachen, etwa die Kreuzung Moislinger Baum, die Kreuzung Geniner Straße/Malmöstraße sowie der Linden- und der Mühlenteller. Das Wohngebiet im Hochschulstadtteil, und das Gebiet rund um die Fregattenstraße in Buntekuh und viele Randbereiche der Stadt wiesen dagegen saubere Luft aus. „Den Sommer über wollen wir weiter Daten sammeln, auch von heißen Tagen, um dann ein möglichst genaues Bild zu haben. Eine genaue Karte wollen wir im Herbst vorstellen“, erklärt Harnack. Die Auswertung der Daten könne auch für Stadtplaner und Verkehrsplaner wichtig sein: Sie geben unter anderem Antworten auf die Frage: wo kann ich gut bauen, welche Ampel muss ich anders schalten?

Netz mit vielen Möglichkeiten

Die Übertragung läuft über das Netz namens LoRaWan – die Abkürzung steht für Long Range Wide Area Network. „LoRaWan ist unser neues Netzwerk für das Internet der Dinge“, sagt Ralf Brendle, Projektleiter bei der Stadtwerke-Tochter Travekom. Dieses Netz habe den großen Vorteil, die Daten „sehr vieler kleiner Sensoren und Aktoren mit kleinem Datenvolumen voll verschlüsselt gleichzeitig übertragen zu können.“ Der Server zur Verarbeitung der Daten steht im Rechenzentrum der Stadtwerke. Das Netz biete die Chance, viele neue Ideen zusammenzuführen. „Wir können mit unseren LoRaWAN-Gateways das gesamte Stadtgebiet abdecken, wobei die Sendeleistung sehr gering ist, nur etwa ein Hundertstel der Sendeleistung eines Handys“, erklärt Brendle.

Sensoren an Bushaltestellen

Im nächsten Schritt wolle man auch die Fahrgastanzeiger der Bushaltestellen mit weiteren Umweltmess- und anderen Sensoren ausstatten. „Die Messergebnisse über Luftqualität und Wetterdaten wollen wir später auf die App ,Mein Lübeck’ stellen, aber auch Stadtplanern und Verkehrsplanern zur Verfügung stellen“, kündigt Brendle an. Andere Beispiele könnten folgen: Auch die Luftqualität in Kitas oder die Pegelstände der Trave könnten durch moderne Sensoren über das LoRaWan-Netz übertragen werden, erklärt Brendle.

„Kooperation trägt erste Früchte“

Die Zusammenarbeit steht unter der großen Überschrift „Energiecluster Lübeck“. Gespräche laufen auch mit anderen Partnern, etwa Gasversorgern oder der Feuerwehr, die daraus resultierenden Ideen werden jetzt auch angegangen. Sehr zur Freude auch von Dräger-Vorstandschef Stefan Dräger. „Die Kooperation zwischen Dräger und der Travekom entwickelt sich hervorragend und trägt erste Früchte“, sagt er. „Ich freue mich sehr, dass im ,Großlabor Lübeck’ bereits jetzt erste Erkenntnisse und konkrete Lösungsideen entstanden sind, die für unsere Stadt und ihre Bürger, aber auch für die Firma Dräger und unsere Kunden von Nutzen sind.“

Praktischer Nutzen für Fahrer

Und auch für die Fahrer der Entsorgungsbetriebe hat das Pilotprojekt noch einen praktischen Nutzen. „Wir haben Sensoren installiert, die die Bedingungen in der Fahrerkabine aufzeigen“, sagt Dirk Schoenberg, Werkstattleiter bei den Entsorgungsbetrieben. „Dadurch sehen wir bei Hitze, ob die Klimaanlagen gut genüg kühlen oder ob wir etwas verbessern müssen.“

Christian Risch

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