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Norddeutschland Zu Schweinswalen und Seehasen: Mit der VR-Brille in die Ostsee tauchen
Nachrichten Norddeutschland Zu Schweinswalen und Seehasen: Mit der VR-Brille in die Ostsee tauchen
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14:20 03.09.2018
Mit dem neuen VR-Projekt OstseeLIFE macht der Nabu diese faszinierende Unterwasserwelt zwischen süß und salzig nun mit Hilfe modernster Technik für Besucher erlebbar. Quelle: Romy Kiebel/OZEANEUM Stralsund
Berlin

In der virtuellen Realität (VR) schwimmen Schweinswale elegant über den Kopf des Betrachters, „mümmelt“ ein Seehase – ein Verwandter des Barsches – auf einer Seegraswiese, zieht ein Schwarm Heringe vorbei. Den Blick in die vielseitige, für viele Menschen unbekannte Welt des größten Binnenmeeres der Erde ermöglicht ab Sonntag das Projekt OstseeLIFE des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu). Mit einer speziell entwickelten VR-Brille, auf dem Smartphone oder dem PC, kann der etwa 45-minütige Tauchgang starten.

In die Tiefen der Ostsee wagten sich meist nur erfahrene Taucher. Mit dem virtuellen Projekt will der Nabu „die faszinierende Unterwasserwelt zwischen süß und salzig mit Hilfe modernster Technik erlebbar machen“, erklärt Nabu-Bundesgeschäftsführer, Leif Miller. Mehr als sechs Millionen Urlauber haben in diesem Sommer ihren Urlaub an der Ostsee verbracht. Doch es gab auch schlechte Nachrichten: Feuerquallen-Alarm, Blaualgen-Pest, Badeverbote, Plastikmüll. Sozusagen als Gegenprogramm soll nun die einzigartige Schönheit des Brackwassermeeres gezeigt werden, um besser zu verstehen, was so schützenswert ist, ergänzt der Meeresschutzexperte Kim Detloff.

Die fantastischen Unterwasseraufnahmen in 360-Grad-Rundumsicht haben der Bremer Holger Weber und sein Team vom Digitalstudio Kubikfoto gemacht. Zwei Wochen lang waren sie im Sommer 2017 zu mehr als 40 Tauchgängen in der Ostsee. Sie haben die Vielfalt von Seegraswiesen und Steinriffen ebenso gefilmt wie das Leben im dunklen Reich von Schiffswracks und in den Kreideriffs vor der Insel Rügen. Gedreht wurde auch im Kleinen Belt zwischen den dänischen Inseln Jütland und Fünen.

Nach mehrmonatiger Arbeit am Computer verschmelzen nun Hunderte Foto- und Videosequenzen zu einer multimedialen Erlebniswelt. Die persönliche Unterwasserreise wird mit den Augen gesteuert und es können bestimmte Themen, Tiere, Pflanzen, Lebensräume „angeklickt“ werden. Dabei erzählen Tatort-Kommissar Axel Prahl, geboren in Eutin, und Schauspielerkollegin Ulrike Knospe spannende und überraschende Geschichten über die Biologie von Schweinswalen, Kegelrobben, Dorschen und Seeanemonen.

Ein Ziel des interaktiven Media-Projekts der Umweltorganisation ist es auch, auf die Bedrohungen für die Natur aufmerksam zu machen, ein breiteres Bewusstsein für deren Schutz zu schaffen. „Schifffahrt, industrielle Fischerei, Plastikmüll und Unterwasserlärm, etwa beim Errichten von Offshore-Windkraftanlagen, machen Tieren und Pflanzen im Meer zu schaffen“, sagt Detloff. Der Schweinswal, in der zentralen Ostsee mit gerade mal noch 500 Tieren, ist extrem bedroht. „Jeder kann beim Schutz der Ostsee mithelfen, beim nächsten Urlaub, beim Fischkonsum oder beim bewussten Einkauf im Supermarkt“, sagt der Meeresbiologe.

Der virtuelle Tauchgang ist seit Sonntag zu erleben unter: http://www.nabu.de/ostseelife

Reinhard Zweigler