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Nachrichten Norddeutschland Nabu will Schweinswale besser schützen
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18:20 25.04.2019
Schweinswale sind nur selten zu sehen. Ihr Bestand in der östlichen Ostsee ist auf wenige Hundert Tiere zurückgegangen.
Schweinswale sind nur selten zu sehen. Ihr Bestand in der östlichen Ostsee ist auf wenige Hundert Tiere zurückgegangen. Quelle: Ingo Wagner/dpa
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Neumünster/Kiel

Die Naturschutz-Organisation beruft sich auf das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Nach einem Bericht vom 29. März hatte das Bundesumweltministerium vergeblich vorgeschlagen, den Schutzstatus des Ostseeschweinswals im internationalen Artenschutzabkommen zu verbessern. Dieser Erweiterung habe das Bundeslandwirtschaftsministerium nicht zustimmen wollen, da dazu die Stellnetzfischerei deutlich eingeschränkt werden müsse, erklärte der Nabu.

Allein auf Fehmarn 40 tote Tiere

An der deutschen Ostseeküste werden jedes Jahr rund 200 Schweinswale tot angespült. Allein auf Fehmarn waren es im vergangenen Jahr mehr als 40 Tiere. Weit über die Hälfte der Totfunde ist nach Angaben des Nabu nachweislich in Stellnetzen verendet.

Einzige heimische Walart

Der Schweinswal, auch Kleiner Tümmler genannt, ist die einzige in Deutschland heimische Walart. In der Ostsee leben zwei Populationen: Im westlichen Teil (vor allem vor der dänischen und der schleswig-holsteinischen Küste) sollen noch einige Tausend Exemplare leben. Im östlichen Teil geht man von wenigen Hundert Tieren aus – die Population ist vom Aussterben bedroht.

Die Tiere sind im Schnitt 150 Zentimeter groß und haben eine runde Schnauze, die Rückenfinne ich dreieckig. Schweinswale können bis zu 20 Jahre alt werden, allerdings liegt ihre durchschnittliche Lebenserwartung in der Ostsee nach neuesten Erkenntnissen bei unter vier Jahren. Dabei setzt die Geschlechtsreife eines weiblichen Tieres erst mit etwa fünf Jahren ein, in der Regel kommt ein Kalb pro Jahr zur Welt. Die verkürzte Lebensdauer erklären Forscher mit der Stellnetzfischerei, aber auch mit Unterwasserlärm und der zunehmenden Verschmutzung der Meere. Weitere Informationen gibt es beim Nabu.

Fischer weisen Kritik zurück

Der Landesfischereiverband weist die Kritik zurück. „Wir haben bis 2022 eine freiwillige Vereinbarung zum Schutz der Schweinswale getroffen“, erklärt dessen Vorsitzender Lorenz Marckwardt aus Eckernförde. „Das ist eine Top-Sache und einzigartig in Europa.“ Die Vereinbarung, der sich 75 Prozent der Fischer im Land unterworfen haben, sieht vor, dass in den Sommermonaten die Stellnetze reduziert beziehungsweise Warngeräte verwendet werden. Das wird laut Marckwardt strikt überwacht und zeigt Erfolge. „Wir haben 80 Prozent weniger Beifang in den Stellnetzen.“

Bund sorgt sich auch um die Fischer

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) betonte, dass es sich nachdrücklich für den Schutz der Wale einsetze. Dazu zählt insbesondere die Weiterentwicklung von Warngeräten, um Schweinswale von Stellnetzen fernzuhalten, heißt es in einer Erklärung des Ministeriums. Und weiter: Mit einem höheren Schutzstatus des Schweinswals müsste bereits ab einer Beifangmenge von fünf Individuen die Stellnetzfischerei verboten werden. „Die Einstellung der Stellnetzfischerei hätte zur Folge, dass die kleine handwerkliche Fischerei in der Ostsee mit ihren allein in Deutschland rund 1000 Fischereifahrzeugen unter zwölf Metern Länge fast vollständig aufgegeben werden müsste.“

Nabu fordert weitere Maßnahmen

Der Nabu ist damit nicht zufrieden. „Wir müssen weitere Maßnahmen ergreifen, sonst ist das Tier über kurz oder lang weg“, sagt Ludwichowski. Ein trauriges Beispiel gibt der kalifornische Schweinswal „Vaquita“, der seit 2008 als vom Aussterben bedroht gilt. Damals gab es noch 245 Exemplare – ähnlich wenige wie heute in der östlichen Ostsee. Inzwischen werden nur noch zehn Tiere gezählt.

Julia Paulat