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16:05 23.05.2019
Der Youtuber Rezo wurde nach seinem Anti-CDU-Video von der Union nach Kiel eingeladen. Quelle: Privat/dpa
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Kiel

Nach der Veröffentlichung eines millionenfach aufgerufenen Anti-CDU-Videos hat der Kieler CDU-Kreischef und frühere Landtags- und Bundestagsabgeordnete Thomas Stritzl den Youtuber Rezo nach Kiel eingeladen. Dessen Schlussfolgerungen teile er „im Ergebnis weitestgehend so nicht“, schrieb der 61-Jährige in einem am Donnerstagvormittag veröffentlichten Offenen Brief. Dennoch wäre er an einem direkten und offenen Gespräch mit ihm sehr interessiert.

Stritzl an offenem Gespräch interessiert

„Da mir Dein richtiger Name sowie Deine Anschrift nicht bekannt sind, schreibe ich Dir diesen offenen Brief; im vertrauten ‚Du‘, so wie Du es auch in Deinem Video gebraucht hast“, schreibt Stritzl. Und: „Es ist mir als überzeugtem Demokraten, langjährigen Abgeordneten und Kreisvorsitzenden meiner Partei nicht egal, wenn Politik (zumal unter CDU-Führung) so rüberkommt, wie von Dir beschrieben.“ Letztlich könne man die „von Dir zurecht angesprochenen ‚großen Fragen’ nur im verständigen Miteinander erfolgreich bewältigen“. Also, fordert Stritzl Rezo auf: „Lass uns drüber reden und – im besten demokratischen Sinne – auch streiten!“

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Eine Antwort Rezos gab es zunächst nicht. In der Nord-CDU gibt es für Stritzl aber viel Unterstützung. Lübecks CDU-Kreischef Carsten Grohmann etwa plädiert für eine Podiumsdiskussion, die auch im Internet übertragen werden sollte. „Das wäre eine tolle Veranstaltung“, sagt Grohmann. Der Diskurs sei schließlich die beste Form der Auseinandersetzung in der Demokratie. Er würde dabei auch gerne die ebenfalls von Rezo angegriffene SPD mit dazu bitten.

Auch Günther würde mitdiskutieren

Die Welle, die das Video vor allem unter jungen Leuten ausgelöst habe, müsse man auf jeden Fall ernst nehmen, sagt Grohmann. Die CDU könne immer noch dazulernen, wenn es darum gehe, ihre Themen und Beschlüsse mit neuen Medien noch besser in die Öffentlichkeit zu bringen. Wenn Rezo nach Kiel komme, „dann ist er zu unserer Fraktionssitzung herzlich eingeladen“, sagt CDU-Landtags-Fraktionschef Tobias Koch. „Wir sind gespannt zu erfahren, wo wir gelogen haben sollen und welche Kriegsverbrechen er uns vorwirft.“

Auch Schleswig-Holsteins CDU-Ministerpräsident Daniel Günther ist gesprächsbereit, würde sich einer Diskussion mit dem Youtuber Rezo stellen. Quelle: Carsten Rehder/dpa

„Ich finde es eine super Sache, miteinander zu diskutieren“, sagt auch CDU-Ministerpräsident Daniel Günther den LN. „Das ist übrigens viel sinnvoller, als in Videos übereinander zu schimpfen. So geht Demokratie.“ Er selber werde sich zurückhalten, es seien „schon genug Gesprächsangebote gemacht worden, die muss Rezo jetzt erst mal wahrnehmen“. Grundsätzlich sei aber auch er für Gespräche und Diskussionen „immer zu haben“, sagt Daniel Günther.

Hier diskutieren LN-Leser:

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak hat das Anti-CDU-Video von YouTube-Star Rezo scharf kritisiert.

Gepostet von Lübecker Nachrichten Online am Mittwoch, 22. Mai 2019

SPD würde keiner Diskussion aus dem Weg gehen

Ralf Stegner wäre im Übrigen mit von der Partie, wenn Rezo das will. „Generell gilt, dass ich noch keiner Diskussion aus dem Weg gegangen bin. Selbstverständlich würde ich auch mit Rezo diskutieren“, erklärt Stegner gegenüber den LN. In Teilen treffe die Kritik ja auch die SPD. „Wir tun darum gut daran, genau zuzuhören, weil Rezo zum Beispiel bei den Themen Klimaschutz oder Chancengerechtigkeit drängende Probleme seiner Generation anspricht, bei denen wir in der Vergangenheit bei Weitem nicht immer klar und konsequent genug gewesen sind“, sagt Stegner.

Video löst in CDU massive Kritik aus

Rezos Video hat in der CDU massive Kritik ausgelöst. In dem Video heißt es, die CDU zerstöre „unser Leben und unsere Zukunft“. Es wurde bis zum Donnerstagmorgen rund 4,8 Millionen mal geklickt. 

Der Youtuber Rezo wirft den Christdemokraten unter anderem vor, beim Klimawandel untätig zu sein, Politik für Reiche zu machen und „krasse Inkompetenz“ bei den Themen Urheberrecht und Drogenpolitik an den Tag zu legen.

Stritzl (61) war von 2009 bis 2013 Bundestagabgeordneter, von 1987 bis 2009 gehörte er dem Landtag in Kiel an.

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