Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Erstes SPD-Landesvorstandsmitglied tritt zurück
Nachrichten Norddeutschland Erstes SPD-Landesvorstandsmitglied tritt zurück
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:17 22.11.2018
Er will nicht mehr im SPD-Landesvorstand sitzen: der Dithmarscher Dirk Diedrich. Quelle: SPD
Anzeige
Kiel

Kurz nach dem Kreft-Debakel der Nord-SPD bei der Aufstellung der Bundes-Kandidatenliste zur Europawahl wirft das erste Landesvorstandsmitglied der Partei sein Amt hin. Der Dithmarscher Dirk Diedrich hat mit sofortiger Wirkung seinen Rückzug aus dem schleswig-holsteinischen Landesvorstand erklärt.

Zum Thema: Lübecker Kreisverband fordert Stegners Rücktritt

Anzeige

Der Favorit des Landesverbandes stürzte auf der Bundesliste ab

Drei Jahre lang hatte Diedrich dem Gremium angehört. Dann das: Obwohl der Lübecker Enrico Kreft auf einer Landesdelegiertenkonferenz zum Spitzenkandidaten der Nord-SPD für die Europawahl im Mai 2019 gewählt worden ist, platziert ihn der Bundesvorstand der Partei auf dem aussichtslosen bundesweiten Listenplatz 32. Die Juso-Bundesvizechefin Delara Burkhardt aus dem Kreis Stormarn hingegen, auf der Landesdelegiertenkonferenz Kreft in einer Kampfabstimmung klar unterlegen, wird auf Platz 5 gehievt. Begründung: Die SPD müsse sich verjüngen. Burkhardt ist 26 Jahre alt – Kreft allerdings auch erst 40.

Stark im Norden? Enrico Kreft (40) wurde zwar zum Spitzenkandidaten der Nord-SPD zur Europawahl gewählt. Der Bundesvorstand setzte ihn aber nur auf einen aussichtslosen Listenplatz, zog die junge Stormarner Bundes-Juso-Vizechefin vor. Quelle: dpa

Mit im Bundesvorstand: SPD-Bundesvizechef Ralf Stegner, zugleich Landesvorsitzender der Nord-SPD. Der erklärt zwar, er habe im Bundesvorstand gegen Krefts Platzierung gestimmt. Da Burkhardt von Anfang an seine erklärte Favoritin war, nehmen ihm das viele Nord-Sozialdemokraten aber nicht mehr ab. Da er ihm April nicht mehr als Landeschef antreten und auch seinen Fraktionschefosten im Kieler Landtag davonschwimmen sehe, wolle er sich die Unterstützung der Jusos für eine Bundestagskandidatur bei vorgezogenen Neuwahlen sichern, so der Verdacht vieler. Er hätte sich gewünscht, dass Stegner sich im Bundesvorstand für einen Alternativvorschlag stark gemacht hätte, damit der Willen der Nord-SPD nicht komplett ignoriert worden wäre, sagt auch Dirk Diedrich jetzt.

Der Aufruhr in der Nord-SPD weitet sich mit dem Rücktritt aus

Und Diedrichs Rückzug aus dem Landesvorstand ist bei Weitem nicht der einzige Protest in der Nord-SPD gegen das Bundesvorstands-Votum. Der Kreisverband Lübeck hat bereits Stegners Rücktritt als Bundes-Vizechef der Partei gefordert, sollte sich Krefts Platzierung spätestens auf der Bundesdelegiertenkonferenz am 9. Dezember nicht noch deutlich verbessern. Der langjährige Kieler SPD-Kreischef, SPD-Landtagsabgeordnete und parlamentarische Geschäftsführer der Landtagsfraktion, Jürgen Weber, erklärt bereits öffentlich, bei der Europawahl nicht mehr für die SPD stimmen zu wollen – und erhält in den sozialen Netzwerken dafür viel Zustimmung von Genossen.

Welche Pläne hat SPD-Landeschef Ralf Stegner? Viele in der Nord-SPD vermuten, er wolle das Feld für einen Wechsel in den Bundestag bereiten, wenn er in Schleswig-Holstein absehbar als Partei- und auch als Fraktionschef abgelöst wird. Quelle: Imago

Zerreißt es jetzt die ganze Nord-SPD? Stegner jedenfalls gibt Durchhalteparolen aus. Diedrich habe seinen Rückzug ja vor allem auch mit Belastungen durch eine neue Aufgabe in der Kommunalpolitik begründet, sagt der Landeschef. Und mit der „Lübecker Partei“ werde er nächste Woche erst mal reden. Deren Rücktrittsforderung lehnt er aber schon mal ab, so was nütze doch nur „dem politischen Gegner“. Zu Diedrichs Vorwurf, er hätte im Bundesvorstand einen Alternativvorschlag für die Liste einbringen müssen, will sich Stegner derweil nicht äußern.

Mehr zum Thema: Kommentar: Panik auf der Titanic

Wolfram Hammer

Anzeige