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Norddeutschland Nach Personalpanne: Land bildet weniger Polizei-Nachwuchs aus
Nachrichten Norddeutschland Nach Personalpanne: Land bildet weniger Polizei-Nachwuchs aus
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21:16 31.05.2017
Im September 2016 wurden auf der Eutiner Hubertushöhe so viele Anwärter vereidigt wie nie zuvor in der Geschichte der Landespolizei. Quelle: Foto: Marc R. Hofmann
Kiel/Eutin

Schlechte Nachricht für junge Leute, die in Schleswig-Holstein Polizist werden wollen: Weil durch eine Panne an der Polizeischule in Eutin (Kreis Ostholstein) im vergangenen Jahr 53 junge Leute zu viel eingestellt worden sind, wird diese Anzahl im laufenden Jahr vom Plan abgezogen. Anders als ursprünglich vorgesehen, werden statt 400 Polizeianwärter nun nur rund 350 ihren Dienst antreten dürfen – trotz des Rufs aller Parteien nach mehr Polizei. Das teilte das Kieler Innenministerium auf Anfrage mit.

Da es Ende 2015 zu wenig Bewerber zu geben schien, waren damals schon vor Ablauf der Bewerbungsfrist Zusagen auch an jene mit schwacher Leistung in den Tests herausgegangen. Danach aber bewarben sich doch noch mehr leistungsstärkere junge Männer und Frauen, um Polizist zu werden. Den überzähligen Kandidaten konnte aber nicht einfach abgesagt werden. Das Land steckte in der Bredouille.

Innenminister Stefan Studt (SPD) bügelte den Verfahrensfehler schließlich aus, indem er 53 Kräfte über Plan aufnahm, das Finanzministerium das nötige Geld dafür vorstreckte – zum Nachteil des jetzigen Jahrgangs, wie sich herausstellt. Studt war sofort in die Kritik geraten: Mit seinem Vorgehen habe er gegen das Prinzip der Bestenauslese verstoßen, monierten die Piraten. An der Polizeischule Eutin seien 2016 – durch die zahlenmäßige Aufstockung – Polizeianwärter aufgenommen worden, die aufgrund ihrer Leistungen dort nicht hingehörten. Die Leitung der Akademie wurde nach der Panne ausgetauscht.

Das Bewerbungsfenster für 2017 ist geschlossen. 3395 junge Männer und Frauen haben sich beworben, mit einem auffallend hohen Anteil weiblicher Bewerber (37 Prozent). Das Gesamtauswahlverfahren stehe kurz vor dem Abschluss, teilte das Innenministerium gestern mit. Zurzeit liefen lediglich noch einige Nachprüfungen. Bewerberinnen und Bewerber mit einem ausreichend hohen Punktwert hätten bereits Einstellungszusagen erhalten. Die letzten Zusagen würden nach Abschluss aller Auswahlverfahren nach dem Prinzip der Bestenauslese durchgeführt. Ist es deshalb für mögliche Korrekturen durch eine neue Landesregierung zu spät?

Die CDU ist wenig zuversichtlich. „An dieser Entscheidung der Albig-Regierung wird sich im laufenden Jahr aller Voraussicht nach leider nichts mehr ändern lassen“, sagt Axel Bernstein. Abgefrühstückt ist die Angelegenheit trotzdem nicht. CDU und FDP verweisen darauf, dass das Thema Polizeianwärter Bestandteil der laufenden Koalitionsverhandlungen ist.

Die Piraten, im nächsten Landtag nicht mehr vertreten, attackieren in diesem Zusammenhang den scheidenden Innenminister. Aus einer bisher unveröffentlichten Stellungnahme des Wissenschaftlichen Dienstes des Landtags ergebe sich,dass die seinerzeitigen Einstellungszusagen für die schwächeren Bewerber rechtswidrig waren.

Mehr Abiturienten

3395 Bewerber haben am jüngsten Auswahlverfahren für den mittleren und gehobenen Dienst teilgenommen, 2152 Männer und 1243 Frauen. Dabei sind unter den Kandidaten, die zur Polizei wollen, immer mehr junge Leute mit Abitur oder Fachhochschulreife. Im mittleren Dienst liegt deren Quote inzwischen bei 55,5 Prozent. Der Weg bis zum Einstiegsamt erfordert Durchhaltevermögen. Er dauert im mittleren Dienst zweieinhalb, im gehobenen Dienst drei Jahre.

Curd Tönnemann

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