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Norddeutschland Nach Prüfbericht: Deponie Ihlenberg soll 2035 schließen
Nachrichten Norddeutschland Nach Prüfbericht: Deponie Ihlenberg soll 2035 schließen
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16:32 22.08.2019
Deponie Ihlenberg Luftaufnahme Quelle: Karl Erhard Voegele
Lübeck

Bereits Ende 2018 hatte ein Mitarbeiter der Deponie schwere Vorwürfe gegen den Deponiebetreiber, die Ihlenberger Abfallentsorgungsgesellschaft mbH (IAG) vorgelegt. Bei giftigen Stoffen, insbesondere Quecksilber, Blei und Cadmium, würden die erlaubten Grenzwerte überschritten. Dies, so befürchteten Lübecker Umweltpolitiker, könne eine Gefährdung des Lübecker Grundwassers bedeuten. Die Schweriner Landesregierung setzte daraufhin einen Sonderbeauftragten ein, der am Dienstag seinen Prüfbericht vorlegte.

„Keine Gesundheitsgefahr“

Ergebnis: „Die Grenzwerte sind rechtlich nicht zu beanstanden“, fasst Stefan Bruhn, Sprecher des federführenden Finanzministeriums zusammen. „Es bestand keine Gesundheitsgefahr für die Öffentlichkeit und die Mitarbeiter der IAG.“ Der Sonderbeauftragte habe jedoch Mängel im Risikomanagement festgestellt, das verbesserungsbedürftig sei.

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Der Plan, der noch vom Kabinett abgesegnet werden müsse, sei nun, die Menge des angenommenen Sondermülls um 25 Prozent zu reduzieren. Es solle kein Müll mehr aus dem Ausland oder Ländern außerhalb des Entsorgungsverbundes Nord-Ost angenommen werden, zu dem als südlichstes Bundesland Sachsen-Anhalt gehört. Das geringere Müllaufkommen soll durch höhere Gebühren finanziell kompensiert werden. 2035 sei ein auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten geeigneter Zeitpunkt für die endgültige Schließung. „Es gab unterschiedliche Szenarien mit

Sondermüll aus Italien

Auf der Deponie an der mecklenburgisch-holsteinischen Grenze wurde schon zu DDR-Zeiten giftiger Sondermüll aus Westeuropa eingelagert und Bauschutt aus dem stillgelegten Kernkraftwerk Lubmin bei Greifswald. Heute kommt der überwiegende Teil des Abfalls aus Hamburg und Schleswig-Holstein. Giftiges Dämmmaterial, asbesthaltige Baustoffe und Abfälle aus physikalisch-chemischer Behandlung kamen vor allem aus Italien.

Schließungsterminen von 2022 bis 2065“, erläutert Bruhn.

Deponie nicht dicht?

Im Prüfbericht (liegt der Redaktion vor) wird auch klargestellt, dass der alte Deponieabschnitt heutigen Anforderungen nicht entspricht, da eine genügende Basisabdichtung fehle. Der neue Deponieabschnitt laste auf dem alten auf, so dass Schadstoffe „ausgequetscht“ werden könnten. Es bestehe zudem die Gefahr von Setzungen und Rissen, „mit der Folge der Gefahr des Durchsickerns von Niederschlagswasser und des Schadstoffeintrags in das Grundwasser“.

„Das Problem ist, dass wir alle nicht wissen, was im alten Deponieabschnitt wirklich eingelagert ist“, sorgt sich Lübecks Umweltsenator Ludger Hinsen (CDU). Auch die Lübecker Grünen-Politikerin und Umweltausschussvorsitzende Silke Mählenhoff ist besorgt: „Diese Deponie ist eine tickende Zeitbombe.“ Je früher sie geschlossen werde, desto besser. Es müsse bis dahin aber auch ein neuer Standort zur Entsorgung von Schadstoffen gefunden sein. Die Zeit dafür sei knapp, glaubt Hinsen, das Verfahren sei langwierig.

Suche nach neuem Standort

Das Gutachten regt an, „spätestens 2020“ mit der Standortsuche in Mecklenburg-Vorpommern zu beginnen. Mählenhoff bezeichnete dies als „verdienstvoll“. Es reiche aus, wenn ein Land im Entsorgungsverbund eine neue Deponie eröffne. Es sei Aufgabe von Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) in Kiel, dafür zu sorgen, dass tatsächlich zeitnah ein neuer Standort gefunden werde. Derzeit ist Ihlenberg die einzige Deponie im Entsorgungsverbund Nord-Ost, die gefährliche Abfälle aufnehmen darf.

„Darüber müssen wir uns als norddeutsche Länder unterhalten“, bestätigte Albrecht, dem der Prüfbericht noch nicht vorliegt. „Es ist gut, dass wir nun Planungssicherheit haben.“

Von Marcus Stöcklin

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