Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Nach Wurst-Skandal: Schleswig-Holstein fordert Keim-Datenbank
Nachrichten Norddeutschland Nach Wurst-Skandal: Schleswig-Holstein fordert Keim-Datenbank
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:51 24.10.2019
Nach dem Wurst-Skandal fordert Schleswig-Holstein nun eine Keim-Datenbank. Quelle: Kai Remmers/dpa (Symbolfoto)
Anzeige
Kiel/Berlin

Nach dem Lebensmittelskandal um Wurst mit tödlichen Keimen will Schleswig-Holstein mit einer Initiative auf Bundesebene den Verbraucherschutz in Deutschland verbessern. Es sollte eine zentrale Datenbank geschaffen werden, die in Lebensmitteln gefundene krankmachende Keime speichert, erklärte Schleswig-Holsteins Verbraucherschutzministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU) ihren Vorstoß. Zugleich sollten Analysen und Keime gespeichert werden, die bei kranken Menschen nachgewiesen wurden.

Das Ziel: Krankheitsausbrüche schneller stoppen

Der Vorteil: „Es ließen sich Krankheitsausbrüche verlässlich verdorbenen Lebensmitteln zuordnen und schneller stoppen“, ergänzte Referatsleiterin Corinna Jüptner. Schleswig-Holstein wird an diesem Freitag in Berlin seine Vorschläge bei einem Bund-Länder-Fachtreffen vorstellen, zu dem Bundesministerin Julia Klöckner (CDU) eingeladen hat.

Anzeige

Lob von der Verbraucherzentrale

Die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein begrüßte den Vorstoß. „Alles, was für mehr Transparenz für Verbraucher sorgt, ist natürlich positiv“, sagte Referatsleiterin Selvihan Koç. Wichtig sei es, dass die Informationen bundesweit schneller fließen. Ähnlich äußerte sich die SPD-Fraktion im Landtag. Jedoch dürfe man die Ursachen nicht aus den Augen verlieren. „Nach derzeitigem Stand sind zu wenig Lebensmittelkontrolleure im Einsatz“, sagte Kerstin Metzner. Man müsse den Fokus also auch verstärkt auf die Ausbildung und den vermehrten Einsatz von Lebensmittelkontrolleuren richten.

Drei Todesopfer

Anfang Oktober hatten hessische Behörden den Wurstproduzenten Wilke in Twistetal-Berndorf geschlossen. 37 Krankheitsfälle und 3 Todesfälle werden mit keimbelasteten Wilke-Produkten in Verbindung gebracht. Die Staatsanwaltschaft Kassel ermittelt wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung gegen den Geschäftsführer.

2018 waren drei Menschen an einer Infektion mit dem Listerienstamm Sigma1 gestorben, der auch in Wilke-Produkten nachgewiesen wurde.

Bund will Datenbank erstellen

Geht es nach den Vorschlägen Schleswig-Holsteins, so sollen amtliche und private Labore verpflichtet werden, den Nachweis von Krankheitserregern in Lebensmitteln wie etwa Listerien oder Ehec an das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin zu melden und diesem isolierte Keime zu schicken.

Das BfR soll die Keime zentral für Deutschland genetisch analysieren. Zudem soll es einen Abgleich geben mit festgestellten krankheitsauslösenden Keimen bei Menschen. Dafür sollen das BfR und das Robert-Koch-Institut kooperieren. „Dass der Bund bereits seine Bereitschaft zur Errichtung einer entsprechenden Datenbank erklärt hat, begrüße ich sehr“, sagte Ministerin Sütterlin-Waack.

Lebensmittelüberwachung muss schneller handeln können

Durch eine Genanalyse sind laut Jüptner die verschiedenen Stämme eines Keims identifizierbar. Zurzeit gibt es keine systematische Erfassung und Genotypisierung von krankmachenden Keimen, die in Lebensmitteln nachgewiesen wurden. Dazu gehören Listerien, Campylobacter, Salmonellen und enterohämorrhagischen E.coli.

In Krisenfällen muss die amtliche Lebensmittelüberwachung nach Ansicht Sütterlin-Waacks schneller und besser koordiniert handeln können. Dafür sollte die Verwaltungsvereinbarung über die Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern geändert werden, regte die Politikerin an. Der Bund sollte bei Erkenntnissen über einen Verdachtsfall von sich aus initiativ werden können. Bisher kann der Bund erst tätig werden, wenn er von einem Land informiert wird oder ein Land die Einberufung des Krisenrats „Lebensmittel- und Futtermittelsicherheit“ einberuft.

Mehr zum Wilke-Wurst-Skandal

Keime in Wurstwaren sollen in Hessen drei Menschen das Leben gekostet haben. Produkte der Firma Wilke stehen unter Verdacht.

Von dpa/jup

Briefzustellung - Plötzlich war die Post da
24.10.2019
Hilfe für Igel-Babys - Die Igel-Oma aus Schleswig-Holstein
24.10.2019