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Norddeutschland Wie sicher sind unsere Daten noch?
Nachrichten Norddeutschland Wie sicher sind unsere Daten noch?
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17:01 12.01.2019
Wie sicher sind unsere Daten noch? Was wissen Hacker (Symbolfoto) womöglich schon alles über uns? Der jüngste Angriff auf die Daten von Politikern und Prominenten hat eine neue Diskussion über die Nutzung sozialer Medien und die Datensicherheit entfacht. Quelle: Shutterstock
Kiel

Immer mehr Cyber-Attacken auf Unternehmen auch im Norden, ein Hacker veröffentlicht persönliche Telefonnummern und private Familien-Chats von 1000 Politikern und Prominenten im Internet. Viele Bürgerinnen und Bürger fragen sich: Wie sicher sind unsere Daten im Netz noch? Im Norden ist die Diskussion darüber voll entbrannt.

Habeck gibt Twitter die Schuld, Stegner hält das für pubertär

Grünen-Bundeschef Robert Habeck will nicht mehr twittern und löscht seinen Facebook-Account. Quelle: imago stock&people

Auch Kiels CDU-Ministerpräsident Daniel Günther, Grünen-Bundeschef Robert Habeck und SPD-Chef Ralf Stegner wurden in diesen Tagen Opfer der Attacke. Habeck erntete zudem einen Shitstorm nach einem missglückten Videoauftritt. Er zog die Reißleine, verabschiedete sich wortreich von Facebook und Twitter. Vor allem Letzteres hält er für ein „Medium der Spaltung“. Stegner will weitermachen, ätzte bei Twitter über Habeck: „Interviews, in denen eigene Dummheit auf die Rahmenbedingungen bestimmter Kommunikationswege oder Medien geschoben werden, sind so überzeugend wie die Ausreden pubertierender Jugendlicher, wenn sie Mist gebaut haben.“

„Ich predige nicht Abstinenz, sondern Verbesserung der Systeme“, sagt Marit Hansen, die Datenschutzbeauftragte des Landes Schleswig-Holstein. Quelle: ULD

Und wir? In den sozialen Netzwerken bleiben oder gehen? Für Marit Hansen ist die Sache klar. „Ich predige nicht Abstinenz, sondern Verbesserung der Systeme“, sagt die Landesdatenschutzbeauftragte. Und das heißt für Bürgerinnen und Bürger: „Nutzen sie wo immer es geht Systeme und Programme, die mit einer Zwei-Faktor-Authentizifierung arbeiten.“ Bei denen reicht zum Einloggen, zum Beispiel auf einem Tablet, nicht einfach ein Passwort. Es muss noch auf einem weiteren Gerät, etwa auf dem Handy, ein Code empfangen und ins Tablet eingegeben werden. Diesen Code ebenfalls unbemerkt zu hacken, sei für Angreifer nahezu unmöglich.

Datenschützerin: „Soziale Medien sind nicht für vertrauliche Kommunikation gebaut“

CDU-Innenminister Hans-Joachim Grote hält sich mit Daten lieber gleich zurück: Wer sie ins Netz einstelle, „muss leider mit deren Weiterverbreitung rechnen“. Er sei deshalb weder auf Facebook, noch auf Twitter unterwegs. Ansonsten versuche er, den Sicherheitsempfehlungen der Experten zu folgen, wechsle beispielsweise die Passwörter häufig. Marit Hansen rät zudem zur Wahl des richtigen Messengers. „Soziale Netzwerke sind nicht für vertrauliche Kommunikation gebaut“, sagt sie. Im Gegenteil. WhatsApp und Google etwa behielten sich ausdrücklich vor, auszuwerten, wer wann mit wem kommuniziere, um zum Beispiel Werbung zielgerichteter zu platzieren. „Das ist deren Geschäftsmodell.“ Bei Facebook habe es zuletzt sowieso viele Sicherheitslücken gegeben. Gerade auch Politiker seien daher schlecht beraten, wenn sie diese Dienste für Nachrichten nutzen würden und nicht etwa Programme wie „Hoccer“ oder „Threema“, die als sicherer gelten.

Alexander Hahn, Cybercrime-Chefermittler im Landeskriminalamt LKA. Quelle: Marcus Stöcklin

Die Illusion, dass das allein schon vor einem „Identitätsdiebstahl“ im Internet schützen könne, macht Alexander Hahn, Leiter des Cybercrime-Dezernates im Landeskriminalamt LKA, schnell zunichte. So hackten Kriminelle zum Beispiel gezielt die Buchungsabteilungen von Hotels, um dort schnell große Menge an Kreditkartendaten ahnungsloser Ex-Gäste zu erbeuten. „Die werden dann auf Marktplätzen im Internet gehandelt“, sagt Hahn. Das Hacken von Zugangsdaten etwa zu Zalando oder Amazon sei in der Szene mittlerweile ein Hobby. Die vermeintliche Anonymität im Netz lasse bei den Tätern viele Hemmschwellen fallen. Betrüger bestellten mit den gestohlenen Daten dann etwa Waren und ließen sie an anonyme Packstationen liefern. Die Rechnung bekommen die Opfer. „Das ist mittlerweile ein Alltagsdelikt, Massenkriminalität“, sagt Hahn. Beim LKA landeten die schwereren Fälle, die Angriffe auf Unternehmen vor allem. Die würden immer professioneller werden. Wenn Hacker, wie aktuell in einem Fall in Schleswig-Holstein, ins Firmennetz eindringen und alle Computer verschlüsseln können, seien die Unternehmen schon mal geneigt, einige hunderttausend Euro Lösegeld zu zahlen – weil sie ohne ihre Daten bankrott gehen würden. FDP-Wirtschaftsminister Bernd Buchholz fordert bereits eine bundesweite Taskforce aus Top-IT-Experten, die attackierten Unternehmen beistehen und ihnen schnell eine Handlungsanweisung an die Hand geben können.

Im Netz schwirren längst die privaten Daten von Millionen von Bürgern umher, schätzen Experten

Marit Hansen schätzt, dass wegen der immer neuen Datenlecks bei zig Internetdiensten mittlerweile private Daten von Millionen Bürgern herumschwirren dürften, zusätzlich auch noch gewonnen aus Hackerangriffen und Phishing-Mails. Die Daten der 1000 Prominenten habe der Hacker mutmaßlich überwiegend daraus zusammengestellt. Einen eigenen Angriff hätte er wohl gar nicht mehr starten müssen. Hansen und Hahn raten dennoch allen Bürgerinnen und Bürgern, zum Beispiel immer wieder verschiedene, sichere Passwörter zu nutzen. Eigentlich seien die meisten Cyber-Kriminellen auch nur typische Straftäter, die, ähnlich wie Einbrecher im realen Leben, vor allem schnell Beute machen wollten. Mache man es ihnen zumindest etwas schwerer, einen Account zu knacken, ließen sie womöglich von ihrem Vorhaben ab.

Sicherheit für 25 000 PC-Arbeitsplätze

60 Mitarbeiter hat das Zentrale IT-Management des Landes Schleswig-Holstein, ZIT-SH. Sie sind für das Funktionieren und die Sicherheit von mehr als 25 000 PC-Arbeitsplätzen, etwa bei der Polizei, den Gerichten, in Schulen, Finanzämtern und Ministerien verantwortlich. Dazu kommen gut 40 000 Telefonanschlüsse. Die PCs und Telefone stehen landesweit in insgesamt 1000 landeseigenen Liegenschaften, die mit einem eigenen Netz, dem Landesnetz Schleswig-Holstein, verbunden sind. Die Abteilung wird von Sven Thomsen geleitet, dem „Chief Intelligence Officer CIO“ des Landes.

Der „Central Intelligence Officer“ beim „Zentralen IT-Management ZIT-SH“ des Landes, Sven Thomsen, hat derweil gerade die Ausschreibung für einen eigenen Messenger gestartet. Noch 2019 sollen Ministerinnen und Minister und leitende Beamte damit sicher und schnell miteinander chatten können. Auch Landtagsabgeordnete könnten den Dienst nutzen. Allein in Thomsens Abteilung überwachen 60 Mitarbeiter die Sicherheit des landeseigenen Datennetzes, dazu kommen die IT-Sicherheitsabteilungen der einzelnen Ministerien. Wie alle anderen Nutzer werde schließlich auch das Land aus dem Internet heraus ständig von automatischen Systemen auf Sicherheitslücken abgescannt. Dazu kämen zig Mails an die Behörden, mit denen Schad-Software ins Netz eingeschleust werden solle. Werden Sicherheitslücken erkannt, kommt sofort das eigene Expertenteam zusammen. Unterstützung kommt zudem vom „CERT-Nord“, dem „Computer Emergency Response Team“, dass die Länder Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen und Sachsen-Anhalt gemeinsam unterhalten.

Die Schule soll Jugendliche für Datensicherheit sensibilisieren

CDU-Bildungsministerin Karin Prien: „Das digitale Lernen ist für Schülerinnen und Schüler heute so wichtig wie Lesen, Schreiben und Rechnen.“ Dazu gehöre auch das Thema Datensicherheit. Quelle: Carsten Rehder/dpa

CDU-Bildungsministerin Karin Prien hält derweil das digitale Lernen für Schülerinnen und Schüler heute für „so wichtig wie Lesen, Schreiben und Rechnen“. Dazu gehöre angesichts der Entwicklungen aber auch das Wissen um die Gefahren digitaler Kommunikation, um Cyber-Mobbing und Datensicherheit. Die Lehrpläne seien bereits entsprechend überarbeitet worden. Der Erwerb eines „Computerführerscheins“ oder „Safer Internet Days“ seien für Schulen mittlerweile selbstverständlich. Die Schulen hätten zudem mit „SchulCommSy“ eine eigene Kommunikationsplattform bekommen.

Der SPD-Oppositionsführer im Kieler Landtag, Ralf Stegner, fordert mehr Datensicherheits-Beratungsangebote auch für ältere Bürgerinen und Bürger. Quelle: imago stock&people

SPD-Oppositionsführer Ralf Stegner fordert dennoch weitere Anstrengungen von der Landesregierung. Gerade auch für ältere Menschen müsse es landesweit mehr Beratungsangebote zur Internetsicherheit geben. Und die Polizei brauche noch mehr Spezialisten für „digitale Einbrüche“. „Das Land wird einige Kreativität brauchen, um an das dringend notwendige Personal zu kommen“, sagt Stegner. Datensicherheit fange aber immer auch auf dem eigenen Smartphone oder PC an. „Zurückhaltung mit eigenen Daten, sichere Passwörter, ein grundlegendes Verständnis für das was im Internet passiert – das alles kann die Regierung niemandem abnehmen.“ Offenbar bestehe dabei viel Nachholbedarf, „auch bei Politikerinnen und Politikern“.

Leitartikel: Politiker sollten rein ins Netz, nicht raus

Wolfram Hammer

Politiker sollten rein ins Netz, nicht raus, meint unsere Kommentatorin, die stellvertretende LN-Chefredakteurin Jasmin Off.

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