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Norddeutschland Nacktschnecke „Bierschnegel“ auf St. Pauli wiederentdeckt
Nachrichten Norddeutschland Nacktschnecke „Bierschnegel“ auf St. Pauli wiederentdeckt
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21:10 04.04.2017
Hamburg

80 Jahre lang galt die Nacktschnecke „Bierschnegel“ in Hamburg als ausgestorben. Jetzt haben Schneckenforscher am Centrum für Naturkunde der Uni Hamburg die Tiere erstmals wieder gesichtet – auf St. Pauli und im Grindelviertel. Der erste Neunachweis sei bereits im Sommer 2015 auf dem Hofgelände eines Hostels auf der Reeperbahn gelungen, teilte die Uni gestern mit. Eine weitere Schnecke sei am Zoologischen Museum im Grindelviertel entdeckt worden. Neben Berlin sei Hamburg bislang die einzige deutsche Großstadt mit derartigen Funden.

Früher kam der „Bierschnegel“ in Hamburg nach Angaben der Schneckenforscher häufig vor, besonders in feuchten Kellern. Der letzte Nachweis stammt aus der Zeit um 1935 aus dem Stadtteil Othmarschen.

Entsprechende Belege werden in der wissenschaftlichen Sammlung des Centrums für Naturkunde aufbewahrt.

Der „Bierschnegel“ (Limacus flavus) wird etwa zehn Zentimeter lang und ist durch sein Fleckenmuster von anderen Nacktschnecken gut zu unterscheiden. Charakteristisch sind die gelbgrünliche Färbung und blaugrau gefärbte Fühler. Die Art bevorzugt feuchte, dunkle Lebensräume wie Keller, alte Bruchsteinmauern, Gartenanlagen, Gullys und Abwasserkanäle.

Der Name „Bierschnegel“ geht auf das häufige Vorkommen in Brauereikellern zurück, wo sie sich von Vorräten und Abfällen der Bierproduktion ernährte und als Schädling galt. Vor allem aufgrund von Gebäudesanierungen ist der „Bierschnegel“ selten geworden. In der aktuellen Roten Liste gilt die Art als vom Aussterben bedroht.

„Der Bierschnegel lebt sehr versteckt und kommt kaum vor 22 Uhr aus seinen Verstecken“, erklärte Schneckenforscher Marco T. Neiber die Herausforderungen der Forschung. Aus seiner Sicht könnte sich die frostempfindliche Art als „Gewinner des Klimawandels“ herausstellen. Dennoch bleibe die Art in Deutschland stark gefährdet, weil geeignete Lebensräume seltener werden.

LN