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Norddeutschland Nannen-Preis für herausragenden Journalismus – auch zwei LN-Redakteure nominiert
Nachrichten Norddeutschland Nannen-Preis für herausragenden Journalismus – auch zwei LN-Redakteure nominiert
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22:05 25.05.2019
Curd Tönnemann (l.) und Wolfram Hammer von den Lübecker Nachrichten bei der Preisverleihung. Quelle: Felix König/Agentur 54°
Hamburg/Lübeck

400 Gäste waren zur Verleihung des Nannen-Preises ins Verlagshaus von Gruner+Jahr nach Hamburg gekommen. Darunter auch die LN-Korrespondenten Curd Tönnemann und Wolfram Hammer, die in der Kategorie „Investigative Leistung“ gemeinsam mit Gunther Latsch, Jürgen Dahlkamp und Jörg Schmitt vom Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ nominiert waren.

Mehr als 800 Bewerbungen eingegangen

Am Ende aber mussten sie Pascale Müller und Stefania Prandi von Correctiv und buzzfeed.com den Vortritt lassen. Sie siegten mit ihrem Text „Vergewaltigt auf Europas Feldern“.

„Für uns ist es eine große Ehre, unter den letzten drei Nominierten unserer Gruppe zu sein“, sagte Wolfram Hammer. Aus mehr als 800 Bewerbungen waren die besten 35 Beiträge und 20 Bildstrecken in die Endauswahl gekommen.

Recherchen über den Weißen Ring sorgten für Aufsehen

Die Recherchen der LN-Kollegen zusammen mit dem „Spiegel“ über den Opferhilfeverein Weißer Ring in Lübeck hatten im vergangenen Jahr bundesweit für Aufsehen gesorgt. Denn ausgerechnet dort waren Frauen erneut zu Opfern geworden. In der Folge wurden beim Weißen Ring neue Modalitäten in Gesprächen mit Opfern eingeführt. Es gilt inzwischen bundesweit das Sechs-Augen-Prinzip.

LN- und „Spiegel“-Kollegen arbeiteten zusammen

Nach einem LN-Bericht, in dem klar von Vorwürfen gegen den damaligen Außenstellenleiter Detlef H. in Lübeck wegen „unangemessenen Verhaltens“ die Rede war, fassten zwei betroffene Frauen sich ein Herz und bereiteten Anzeigen gegen H. vor. Davon erzählten sie dem Magazin „Spiegel“. Von da an arbeiteten die LN- und die „Spiegel“-Kollegen gemeinsam. „Der Mann an ihrer Seite“ und „Was wusste der Weiße Ring?“ sind Geschichten, die nominiert wurden.

Ein Prozess steht noch aus

In der Folge meldeten sich immer mehr Frauen, die sich vom damaligen Außenstellenleiter sexuell belästigt oder gar genötigt fühlten. Uwe Döring, der damalige Landeschef des Weißen Rings, trat zurück. Die Staatsanwaltschaft leitete in 15 Fällen Ermittlungen ein. Doch vieles war bereits verjährt, anderes bis zur Strafrechtsreform vor einigen Jahren noch gar nicht strafbar. Am Ende klagte die Staatsanwaltschaft in vier Fällen an, das Gericht ließ allerdings nur einen Fall zum Hauptverfahren zu. Der Prozess soll am 20. Juni starten. Vier Verhandlungstage sind angesetzt.

„Arbeit hat etwas bewirkt“

Auf den Preis komme es doch letztlich gar nicht so an, meinte Wolfram Hammer. „Wichtiger ist doch, dass unsere Arbeit etwas bewirkt hat und dass Frauen nun möglicherweise davor bewahrt bleiben, in eine ähnlich schlimme Situation zu gelangen.“ LN-Chefredakteur Gerald Goetsch dankte den Kollegen vom „Spiegel“ für die „großartige Zusammenarbeit“.

Seit 2005 wird Nannen-Preis verliehen

Seit 2005 verleiht das Magazin „Stern“ den Nannen-Preis, unter anderem für herausragende Reportagen. Nach den Fälschungen des Reporters Claas Relotius ist die Preisverleihung in diesem Jahr um einen „Tag des Journalismus“ erweitert worden. Rund 1000 Menschen waren eingeladen, sich im G+J-Verlagshaus am Baumwall in Hamburg über Herausforderungen der Medienbranche zu informieren. „Wir müssen zeigen, mit wie viel Aufwand wir Journalismus betreiben“, sagte Verlagschefin Julia Jäkel.

Ombudsstelle eingerichtet

Der „Spiegel“ hatte den Fälschungsfall im eigenen Haus im Dezember aufgedeckt. Der Reporter Relotius hatte unter anderem Protagonisten und Szenen erfunden. Als Konsequenz hat der „Spiegel“ eine Ombudsstelle eingerichtet, die künftig möglichen Hinweisen auf Ungereimtheiten in Beiträgen nachgehen soll. Über eine solche Ombudsstelle bei Gruner+Jahr nachzudenken, könne sie sich ebenfalls vorstellen, sagte Jäkel.

Das sind die Preisträger

Mit dem Nannen-Preis werden herausragende Arbeiten im deutschsprachigen Journalismus geehrt. Der Preis wird in sieben Kategorien vergeben. Für die beste Reportage (früher Egon Erwin Kisch Preis) wurde Bastian Berbner vom Süddeutsche Zeitung Magazin ausgezeichnet. In der Kategorie Investigative Leistung gewannen Pascale Müller und Stefania Prandi (Correctiv/buzzfeed.com). Der Preis Investigative Leistung Lokal ging an Oliver Schmetz und Stephan Mohne (Aachener Zeitung/Aachener Nachrichten). Für die beste Dokumentation wurden Karsten Krogmann und Christian Ahlers (Nordwest-Zeitung) ausgezeichnet. In der Kategorie Web-Projekt siegten Katharina Brunner, Sabrina Ebitsch, Sebastian Gierke und Martina Schories (Süddeutsche.de). Der Preis für die beste Reportage-Fotografie ging an James Nachtwey (Stern); für die Inszenierte Fotografie wurde Stephan Vanfleteren (mare) ausgezeichnet. Der Sonderpreis der Stern-Chefredaktion schließlich ging an das Autoren-Team der Süddeutschen Zeitung, Annette Ramelsberger, Rainer Stadler, Wiebke Ramm und Tanjev Schultz für ihre fünfjährige Begleitung des NSU-Prozesses.

Julia Paulat

Es ist die größte E-Bike-Messe in Norddeutschland: Am Sonntag von 10 bis 17 Uhr laden die LN zu ihrer Messe „E-Bike & E-Mobilität“ auf dem Verlagsgelände ein. Der Eintritt ist frei.

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