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Norddeutschland Streit um Schotter-Vorgärten
Nachrichten Norddeutschland Streit um Schotter-Vorgärten
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15:05 14.04.2019
Viel Stein, kaum Grün: In solchen Schottergärten finden Vögel und Insekten nur selten Nahrung. Quelle: dpa
Lübeck

„Geteert wäre noch schlimmer“, meint Carsten Pusch vom Naturschutzbund (Nabu) Schleswig-Holstein. „Denn dann kann nicht einmal mehr das Wasser durchsickern.“ Ob Steine statt Pflanzen schön seien, darüber lasse sich streiten. In einem Punkt aber gebe es kein Vertun, so Pusch: „Für die Artenvielfalt sind solche Steinwüsten nicht förderlich.“

Monotone Flächen nehmen zu

Der Trend sei umso bedauerlicher, als gerade Stadtgärten und Parks in den letzten Jahren zunehmend zum Refugium für Insekten und Kleinlebewesen geworden seien. „In der Landwirtschaft haben monoton gestaltete Flächen leider zugenommen, Dünger und Gülleeinsatz tun das ihre“, bedauert der Naturschützer.

In der Folge hätten nicht nur viele kleinere Säugetiere und Vögel Probleme auf dem Land zu überleben, auch die Insekten fänden zunehmend weniger Nahrung. „Wer das verhindern will, sollte Blumen und Stauden pflanzen. Es gibt Arten, die früh blühen, andere im Sommer oder Herbst. Das kann man beim Pflanzen berücksichtigen.“

Auch Schotterflächen machen Arbeit

„Wir sind für bunte Vorgärten“, bekennt auch Eggert Finder, Vorsitzender des Gartenbau-Beratungsringes für das Land Schleswig-Holstein. Steinwüsten seien auch nicht so pflegeleicht, wie man annehmen könnte. „Gras oder Unkraut kommt trotzdem durch.“

Werde dies noch mit Pflanzenschutzmitteln bekämpft, sei das Unglück perfekt – zumindest für Mäuse, Igel oder Vögel. Auch mit Pflanzen könne man aber Gärten gestalten, die wenig Aufwand verursachten. Staudenbeete etwa seien mit wenig Zeit instand zu halten. „Schmetterlingsflieder, Lungenkraut oder Wiesenraute blühen sehr schön und helfen den Insekten.“

Städte legen Förderprogramme auf

Einige Städte versuchen bereits, mit Förderprogrammen und entsprechender Aufklärung gegen die Verödung anzugehen. Die Stadt Bremen etwa will mit einem „Ortsgesetz über die Begrünung von Freiflächen und Flachdachflächen“ festlegen, dass Außenflächen „zu begrünen oder zu bepflanzen sind“, sollte dies nicht einer anderen zulässigen Verwendung entgegenstehen. „Es ist das Bestreben, der schleichenden Verschotterung der Vorgärten einen Riegel vorzuschieben und dort eine Bepflanzung sicherzustellen“, sagt Bremens Umweltsenator Joachim Lohse (Grüne). Das neue Gesetz gelte aber nur für neu angelegte Gärten. Zudem solle den Grundstücksbesitzern eine Liste insektenfreundlicher Pflanzen an die Hand gegeben werden. „Wenn im Garten die Vögel singen, tut das auch dem Menschen gut“, wirbt Lohse.

Gemeinden halten sich zurück – noch

Weiter im Norden ist man mit entsprechenden Anordnungen noch zurückhaltend. Das Gros der Eutiner Vorgärten beispielsweise sei sehr grün, meint Stadtmanagerin Kerstin Stein-Schmidt. Nach Angaben des Fachdienstes Tiefbau und Grünanlagen tauchten solche Steingärten vereinzelt auf, meist in Neubaugebieten. Über Maßnahmen zur Förderung von mehr Bepflanzung sei noch nicht diskutiert worden.

„Subjektiv nehme ich immer wieder abschreckende Beispiele wahr“, sagte Jan Wiegels, Bürgermeister der Stadt Mölln. „Aber politisch wurde das noch nicht diskutiert.“ Mölln wolle aber Naturgärten fördern und rege dafür neuerdings Patenschaften an.

Die Pressestelle der Stadt Lübeck sah sich nicht in der Lage, sich zum Thema zu äußern.

Steine kommen oft aus China

Der Bundesverband für Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (GaLaBau) bedauert den Trend zu leblosen, grauen Gärten. Gefördert werde dieser durch das große Angebot an verpackten Kieseln oder Schotter in handlicher Größe in Baumärkten.

Die Steine stammten meist nicht aus dem heimischen Steinbruch, sondern mit großer Wahrscheinlichkeit häufig aus China oder Indien, kritisiert der Nabu, der die Kommunen in der Pflicht sieht, mehr für die Garten-Natur zu tun. Der GaLa-Verband plädiert dagegen für Empfehlungen und Beratungen statt Verbote: Er hat eine Initiative unter dem Motto „Rettet den Vorgarten“ gestartet.

Übrigens: Wer sich die unschönen Auswüchse des Trends „Steingarten“ anschauen will, kann dies auf der Facebook-Seite „Gärten des Grauens“ tun, wo entsprechende Bilder gesammelt werden.

Marcus Stöcklin

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