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Norddeutschland Neue Belt-Trasse mehr als doppelt so teuer
Nachrichten Norddeutschland Neue Belt-Trasse mehr als doppelt so teuer
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23:14 23.01.2015
Zwei Gleise, vier Fahrspuren: Das schafft die deutsche Seite bis zur Tunnel-Eröffnung nicht. Quelle: Femern A/S
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Berlin/Puttgarden

Die neue Eisenbahntrasse in Ostholstein zur Anbindung des Fehmarnbelttunnels soll nach dem überarbeiteten Zeitplan der Deutschen Bahn (DB) im Jahr 2024 fertig sein. Als Baubeginn wird Januar 2019 angepeilt, die Kosten werden auf rund 1,5 Milliarden Euro veranschlagt (ursprünglich 850 Millionen Euro). Das teilt das Bundesverkehrsministerium dem Rechnungsprüfungsausschuss des Bundestages mit. Es räumt ein: „Dies ist ein ehrgeiziger Zeitplan mit hohem Anspannungsgrad.“

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Damit konkretisiert das Ministerium jetzt, worauf Hausherr Alexander Dobrindt (CSU) Ende 2014 seinem dänischen Amtskollegen Magnus Heunicke in einem Briefwechsel vorbereitet hatte. Zur geplanten Eröffnung des Tunnels zwischen Lolland und Fehmarn 2021/22 wird es auf schleswig-holsteinischer Seite keine adäquate Schienenanbindung geben. Die Züge müssen auf der eingleisigen und nicht elektrifizierten Bäderbahn rollen. Im Staatsvertrag mit Dänemark von 2008 hatte sich Deutschland verpflichtet, zur Fertigstellung der festen Fehmarnbeltquerung die Bestandstrasse zu ertüchtigen und zu elektrifizieren. Der Bund räumt jetzt ein, dass dies nicht zu schaffen ist.

Den Ferienorten entlang der Lübecker Bucht stehen damit lärmreiche Jahre bevor, zumal sich die zeitliche Lücke durchaus ziehen kann. „Wie realistisch diese Planung sein wird, hängt wesentlich vom Zeitbedarf der Planfeststellungsverfahren ab“, stimmt Dobrindts Behörde auf Verzögerungen ein. Die neue Planung, die auf Empfehlungen des Raumordnungsverfahrens von 2014 zurückgeht, sieht vor, dass die Züge künftig auf 55 Kilometer Länge weitgehend auf einer neuen Trasse entlang der Autobahn 1 fahren. Dieser Abschnitt soll auch für Tempo 200 km/h ausgelegt werden.

Die Vorplanung, wie der Schienenverkehr in der Bauphase abgewickelt werden soll, hat die Bahn entgegen den Erwartungen noch nicht abschlossen. Dazu müssten noch Gespräche mit der dänischen Bahn geführt werden, heißt es in dem Ministeriumsbericht an die Abgeordneten, der den LN vorliegt. Die Verhandlungen sollen in den nächsten zwei Monaten geführt werden. In Ostholstein wird einhellig eine Sperrung der Bestandstrasse für Güterzüge nach Eröffnung des Tunnels gefordert.

Nicht absehbar ist, wie lange das Nadelöhr Fehmarnsundbrücke noch besteht. In Abstimmung mit der DB und dem Land soll im ersten Quartal 2015 entschieden werden, welche Ersatz-Varianten weiter vertieft werden. Die Kosten werden mit 250 bis 600 Millionen Euro beziffert, je nachdem, welche Art von Tunnel oder Brücken gebaut werden. Das Bundesverkehrsministerium bekräftigt, dass auch die zusätzlich angeregte Kombination aus weiterer Nutzung der Sundbrücke für den Autoverkehr in eine Richtung und dem Neubau einer weiteren Querung möglichst als Tunnel geprüft wird. Die dann folgende Vorplanung werde europaweit ausgeschrieben und wegen der erforderlichen Umweltprüfungen im maritimen Bereich mindestens zwei, wenn nicht drei Jahre dauern. „Aussagen zur technischen Variante der zukünftigen Fehmarnsundquerung (Kosten und Bauzeit) sind erst nach Abschluss dieser Vorplanung möglich“, schreibt das Dobrindt-Ministerium. Pünktlich fertig zur Tunneleröffnung wird immerhin der vierstreifige Ausbau der B 207 zwischen Heiligenhafen und Puttgarden. Kosten: 109 Millionen Euro.

Arnold Petersen