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Norddeutschland Wird die Nordsee zum CO2-Speicher?
Nachrichten Norddeutschland Wird die Nordsee zum CO2-Speicher?
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19:21 28.05.2019
Starke Brandung bei St. Peter-Ording: Ein Team internationaler Forscher untersucht, ob der Nordsee-Boden zu einer Lagerstätte für klimaschädliches Kohlendioxid werden kann. Die Risiken seien gering, heißt es bereits. Quelle: Wolfgang Runge/dpa
Kiel

Landesregierung und Landtag in Schleswig-Holstein haben einen unterirdischen Kohlendioxid-Speicher an Land und vor der Küste bislang mehrheitlich abgelehnt. Zu sagen haben sie allerdings wenig. Nur innerhalb der Zwölf-Meilen-Zone, im Küstenmeer, sind sie für die Nutzung von Meer und Meeresboden zuständig. Außerhalb, in der 200-Seemeilen-Zone, entscheidet der Bund allein.

Forscher: Sichere Speicherung ist möglich

Und der könnte mit der unterirdischen CO2-Einlagerung seine Klimabilanz gewaltig aufbessern. So könnten die Kohlendioxidspeicher beim Kampf gegen den Klimawandel helfen. Ein Team aus Kieler und internationalen Forschern ist deshalb längst dabei, Chancen und Risiken solcher Verfahren in der Nordsee zu untersuchen. Jetzt ein erstes Zwischenergebnis: Es sei durchaus möglich, CO2 sicher in Formationen unter dem Meeresboden zu speichern, wenn sich der Speicherort in einem Gebiet mit wenigen undichten Bohrlöchern befindet.

Diese Bohrlöcher, Reste der Öl- und Gasförderung in der Nordsee, machten den Wissenschaftlern zunächst Sorgen, berichtet Projektleiter Klaus Wallmann. Aus ihnen tritt bereits jetzt Methangas aus. Auch künstlich in den Boden gepresstes Kohlendioxid könnte auf diesem Weg entweichen. Mit Tests fanden die Forscher jetzt aber heraus: Die Gasblasen würden sich innerhalb von zwei Metern über dem Meeresboden vollständig auflösen. Das CO2 bliebe im Wasser gebunden, würde nicht in die Atmosphäre abgegeben werden. Und die Versauerung des Bodenwassers durch dieses Kohlendioxid wirke sich wegen der starken Bodenströmung nur auf einer sehr kleinen Fläche aus.

Albrecht: Kohlendioxid ist nicht weggezaubert

Kiels Grünen-Umweltminister Jan-Philipp Albrecht hält das Projekt ohnehin für wichtig – trotz des Neins des Landes zur Kohlendioxid-Einlagerung. „Es ist richtig, alle Optionen zu erforschen, die es uns erlauben, die Folgen des Klimawandels einzudämmen“, sagt Albrecht. Vor allem die Risiken müssten beleuchtet werden. Weggezaubert sei das Kohlendioxid damit am Ende ja nicht. Daher müsse die Vermeidung von CO2-Ausstoß immer Vorrang haben. Eine unterirdische Einlagerung könne aber ein allerletztes Mittel sein, wenn die Klimafolgen anders nicht in den Griff zu bekommen seien. Die Gefahr, dass der Bund die Option schon früher zieht, sieht Albrecht allerdings auch: „Die Versuchung ist natürlich da.“

„Wenn erwiesen ist, dass eine CO2-Einlagerung im Meeresboden keine signifikanten Auswirkungen auf Tierwelt und Wasserqualität haben, könnte man diese Methode in Erwägung ziehen“, sagt auch der umweltpolitische Sprecher der Landtags-FDP, Dennys Bornhöft. Ein eindeutiges Nein sehe der Jamaika-Koalitionsvertrag nur beim Verbot von Fracking und CO2-Speicherung auf dem Festland vor. Grundsätzlich sei man aber gegen Denkverbote beim Klimaschutz, „vorausgesetzt, die Akzeptanz der Bevölkerung ist vorhanden“.

SPD lehnt ab, Koalitions-Nein wankt

Bei der CDU ist man nicht ganz so offen für das Projekt. „Naturgemäß ist der beste Weg, möglichst wenig CO2 entstehen zu lassen“, sagt deren Energie-Politiker Andreas Hein. „Eine CO2-Speicherung haben wir in Schleswig-Holstein bisher immer abgelehnt.“ Man sollte Kohlendioxid aus Industrieprozessen besser mit regenerativ erzeugtem Wasserstoff zu grünem Erdgas umwandeln, sagt Hein. Die SPD lehnt sowieso jede Debatte über das Thema ab. „Unsere Haltung war und ist, dass wir gegen die Speicherung sind“, sagt deren Abgeordneter Thomas Hölck. Das habe die SPD-geführte Küstenkoalition 2014 auch als Gesetz beschlossen.

Die Wissenschaftler selber begründen ihre Forschung auch mit einem gewissen Frust. Trotz globaler Erwärmung hätten die vom Menschen gemachten CO2-Emissionen bislang nicht reduziert werden können, sagen sie. Da sie auch in naher Zukunft keine signifikante Senkung des CO2-Ausstoßes erwarten würden, müsse nach alternativen Lösungen gesucht werden – zum Beispiel, das CO2 aus den Abgasen von Kraftwerken zu entfernen, um es anschließend in einem unterirdischen Speicher dauerhaft zu lagern, statt es in die Atmosphäre zu blasen.

Wolfram Hammer

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