Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Neue Schadstoff-Grenzwerte in Schiffsdiesel: Reeder fordern strenge Kontrollen
Nachrichten Norddeutschland Neue Schadstoff-Grenzwerte in Schiffsdiesel: Reeder fordern strenge Kontrollen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:58 05.10.2019
Rauch kommt aus dem Schornstein eines Schiffes: Der Verband Deutscher Reeder fordert strenge Kontrollen. Quelle: dpa
Lübeck

Schiffe auf vielbefahrenen Routen tragen zur Luftverschmutzung bei. In Abgaskontrollzonen wie in der Nord- und Ostsee darf ebenso wie an der US-Küste bereits jetzt der Grenzwert von 0,1 Prozent Schwefel in Dieselkraftstoff nicht überschritten werden. Das hat die International Maritime Organisation (IMO) festgelegt. Weltweit gilt jetzt ab Januar der Grenzwert von 0,5 Prozent, bisher waren es 3,5 Prozent.

„Das ist eine enorme Herausforderung für die Reedereien, aber absolut in Ordnung. Es darf allerdings keine Wettbewerbsverzerrungen geben“, fordert Ralf Nagel, geschäftsführendes Präsidiumsmitglied im Verband Deutscher Reeder (VDR). „Wenn die schärferen Grenzwerte global gelten, muss auch konsequent kontrolliert werden. Wir legen Wert darauf, dass die Staaten sehr genau die Einhaltung prüfen. Die Gefahr, erwischt zu werden, muss abschreckende Wirkung entfalten“, erklärt Nagel.

Nabu: Kein besserer Klimaschutz

Daniel Rieger, Verkehrsexperte beim Naturschutzbund (Nabu) in Berlin, stimmt dem VDR zu. „Bei den Kontrollen gibt es ein erhebliches Defizit. Was auf hoher See passiert, bleibt oft unerkannt“, sagt Rieger. Er begrüße die Senkung der Schwefel-Emissionen sehr. Mit Klimaschutz und der Bekämpfung von Feinstaub habe das aber noch nichts zu tun. „In Sachen Treibhausgasreduktion ist die Schifffahrt hinter dem Mond, da passiert noch gar nichts“, kritisiert Rieger. Die neuen Schwefel-Grenzwerte würden noch nicht das versprochene „Ende des Schweröls“ in Schifffahrt bedeuten. Und die neuen Stickoxid-Grenzwerte ab 2021 würden nur für Neubauten gelten. Der Nabu möchte auch Partikelfilter vorschreiben lassen.

Keine „schwarzen Schafe“

„Es gibt Sorgen, dass die Qualität der Überwachung regional sehr unterschiedlich sein wird, aber das gilt es erst einmal abzuwarten“, sagt Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP). Für die internationalen Fragen sei der Bund zuständig. Buchholz appelliert, den Vorschriften auch global eine wirksame Kontrolle folgen zu lassen.

„In deutschen Gewässern funktioniert die Überwachung nach der Wahrnehmung unserer Fachleute ganz gut“, sagt der Minister. Im Bereich der Häfen in Lübeck und Puttgarden werden die Seeschiffe „zu fast 100 Prozent regelmäßig kontrolliert“, sagt Karl Heinz Zelck, Revierleiter der Wasserschutzpolizei Lübeck. „Wir haben hier keine schwarzen Schafe.“ Mehr Probleme bereite der Bereich Abwasser von Schiffen, sagt Zelck.

Gesucht: CO2-freier Brennstoff

Das Ziel, so VDR-Chef Nagel, sei das klimaneutrale Schiff. „Was jetzt zuerst ansteht ist, vereinfacht gesagt: Weg vom Schweröl, danach weg vom Öl.“ Letztlich gehe es um die Frage, welcher Treibstoff die Klimabilanz nachhaltig noch weiter verbessere. LNG, flüssiges Gas, sei ein „wichtiger Zwischenschritt“, weil dadurch die CO2-Bilanz besser werde und Stickoxide und Ruß so gut wie vollständig entfielen. „Wir müssen viel Geld in die Hand nehmen, um den CO2-freien Brennstoff zu bekommen.

Wir brauchen eine technologische Revolution, und wir als deutsche Reeder sind auch bereit, uns finanziell daran zu beteiligen. Ich glaube, das kann man hinkriegen“, sagt VDR-Chef Nagel. „Aber wir stehen im globalen Wettbewerb, deshalb brauchen wir globale Regelungen.“ Im übrigen gebe es dabei auch einen wirtschaftlichen Mechanismus:  Viele Kunden legten aus Imagegründen Wert darauf, sauber zu fahren.

„Knallharte Auflagen“ gefordert

Nabu-Experte Rieger baut darauf, dass die Kunden weiter Druck machen. Bisher sei die weltweite Schifffahrt für etwa drei Prozent der Treibhausgase verantwortlich. Durch die Zunahme des Verkehrs und der Reduktion der Emissionen an Land könnte dieser Wert aber auf 17 Prozent im Jahr 2050 steigen. „Wir dürfen die Reduktion keinen Fall der Industrie überlassen. Da helfen nur knallharte Auflagen von staatlicher Seite.“

Lesen Sie auch:

Neue Emissionsregelungen für die Schifffahrt

Reinere Luft mit Landstrom

Von Christian Risch

Nach einem Unfall mit sieben Autos auf der A1 bei Hamburg-Billstedt ist die Fahrbahn am frühen Samstagmorgen für mehrere Stunden in beide Richtungen gesperrt worden.

05.10.2019

Trotz des Wetters: Der raue Norden lockt die Urlaubsgäste an. Die Auslastung der Hotels und Ferienwohnungen in Lübeck und Travemünde etwa liegt bei 80 Prozent.

05.10.2019

Die Grünen wollen den Bundestag über ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen abstimmen lassen. 130 Kilometer pro Stunde sind dafür angedacht. Wie stehen Sie dazu? Stimmen Sie ab bei unserer Umfrage.

05.10.2019