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Norddeutschland Neues Image: Schleswig-Holsteins Tourismus soll grüner werden
Nachrichten Norddeutschland Neues Image: Schleswig-Holsteins Tourismus soll grüner werden
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19:19 28.10.2019
Weg von der Maxime „Mehr Touristen um jeden Preis“:Der Tourismus in Schleswig-Holstein soll nachhaltiger und umweltgerechter werden. Quelle: dpa
Kiel

Bettina Bunge, Chefin der Tourismusagentur Tash, will Schleswig-Holstein zum Vorreiter für nachhaltigen Urlaub machen. „Wir müssen weg vom Motto ,mehr Tourismus um jeden Preis’, hin zu nachhaltigem Qualitätstourismus, der uns dauerhaft eine Lebens- und Arbeitsgrundlage bietet“, sagte Bunge.

Schleswig-Holstein als Vorreiter für umweltgerechten Tourismus

Das nördlichste Bundesland könne Vorreiter für umweltgerechten Tourismus sein. „Wir müssen das Thema Nachhaltigkeit als Leitmaxime für den Schleswig-Holstein-Tourismus etablieren“, sagte Bunge. Urlauber hinterfragten das eigene Reiseverhalten stärker. „Die Wahrnehmung der Umweltverschmutzung beispielsweise durch Plastikmüll am Urlaubsstrand führt zu einer Veränderung des Reiseverhaltens.“

Das sieht auch Doris Wilmer-Huperz von der Tourismus-Agentur Lübecker Bucht. „Wir erleben in unseren Orten ein wachsendes Bewusstsein für das Thema Nachhaltigkeit und zwar nicht nur bei den Gästen, sondern auch bei Einwohnern und regionalen Anbietern. Die Küstennatur wird zunehmend als ‚schützenswertes Geschenk‘ verstanden“, sagt Wilmer-Huperz.

Öffentlicher Nahverkehr soll ausgebaut werden

Vor allem beim öffentlichen Nahverkehr sieht Bettina Bunge Nachholbedarf: „Es ist nicht leicht, sich in diesem Bundesland mit öffentlichen Verkehrsmitteln von A nach B zu bewegen.“ Als Beispiel nannte sie die Tourismus-Region an der Schlei. Diese sei zwar nach TourCert nachhaltig zertifiziert. „Aber mit Bus und Bahn dahin zu kommen, ist schwierig.“

Aber es gibt auch andere Regionen, in denen der öffentliche Nahverkehr zu Wünschen übrig lässt. „Auch wir sehen aus Sicht der touristischen Orte in der Lübecker Bucht den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs als dringlich an“, sagt Doris Wilmers-Huperz. Bereits im zweiten Jahr läuft ein Mobilitätsprojekt, bei dem sich Touristen elektrische Fahrzeuge ausleihen können, um die Lübecker Bucht zu erkunden. „Es wird sehr gut angenommen – auch weil der öffentliche Nahverkehr nicht gut genug ausgebaut ist.“

„Nachhaltigkeit muss von allen gelebt werden“

Wachstumspotenzial sieht Bunge auch im Bereich Tagungen. „Immer mehr Firmen und Verbände wählen ihren Tagungsort danach, ob bestimmte Nachhaltigkeitskriterien eingehalten werden.“ Das fange bei der Mülltrennung an und höre bei der Abschaffung von Milchpäckchen aus Plastik nicht auf.

Ein landesweites Ziel könnte nach Ansicht der Tourismusexpertin sein, Schleswig-Holstein zur CO2-neutralen Tourismus-Destination zu erklären. Für den durch die Branche verursachten Kohlendioxid-Ausstoß seien Baumpflanz-Aktionen oder andere Formen der Kompensation denkbar. „Bei uns ist es das Thema Nachhaltigkeit fast in der DNA. Aber es muss von allen gleichermaßen gelebt werden.“

BUND: „Es muss sich noch einiges tun!“

Kritik kommt vom BUND. „Die derzeitige Tourismusstrategie benennt Nachhaltigkeit als lediglich ein Handlungsfeld unter vielen. Keineswegs steht die Umsetzung derzeit schwerpunktmäßig auf dem Programm“, sagt Ann Kristin Montano, Pressesprecherin des BUND Schleswig-Holstein. „Daher sind wir gespannt, wie eine überarbeitete Version aussehen wird. Wir wünschen uns die Nennung von tatsächlichen Zielen, die dann auch wirklich umgesetzt werden.“

Montano sieht das Land dabei noch auf einem weiten Weg. „Damit Schleswig-Holstein hier Vorreiter sein kann, muss sich noch einiges tun!“ Sinnvoll wäre es laut Montano, mit einem Monitoring zu erfassen, wo genau durch den Tourismus Belastungen erzeugt werden und wie viel Tourismus daraus abgeleitet eine Region tragen kann.

Derzeit überarbeitet eine externe Beratungsfirma unter Einbindung der Branche die aktuelle Tourismusstrategie. Am 4. November will Tourismusminister Bernd Buchholz (FDP) bei einem Branchentreffen in Lübeck erste Ergebnisse vorstellen.

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