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Norddeutschland Zweite Chance für Möbel: Guter Start für Ikea-Angebot
Nachrichten Norddeutschland Zweite Chance für Möbel: Guter Start für Ikea-Angebot
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17:00 28.07.2019
Antje Raths (27), Teamleiterin im Kundenservice bei Ikea Lübeck, prüft einen Stuhl, der eine „zweite Chance“ bekommen soll. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

In der Ikea-Fundgrube gleich neben den Kassen stehen zwei Holzstühle, ein Küchentisch und eine Kommode. Sie alle sind „bereit für eine zweite Chance“. Das verrät der große weiße Aufkleber auf den Möbeln. Noch vor Kurzem standen sie im Wohnzimmer, der Küche oder dem Flur ihres alten Besitzers. Jetzt warten sie auf einen neuen Käufer. Seit dem 15. Juli bekommen gebrauchte Ikea-Möbel bei ihrem Hersteller noch einmal die Möglichkeit, ein neues Zuhause zu finden.

Ikea nimmt alte Möbel zurück

„Wir möchten unsere Kunden dazu inspirieren, ihr Zuhause umzugestalten, sich neu einzurichten“, erklärt Antje Raths, Teamleiterin des Ikea-Kundenservices in Lübeck. „Aber wir wollen natürlich nicht, dass sie ihre alten Sachen dann einfach wegschmeißen.“ Unter dem Motto „Zweite Chance“ können Kunden deshalb jetzt gebrauchte Ware in jeder Filiale zurückgeben und erhalten dafür ein entsprechendes Guthaben für ihren nächsten Einkauf bei Ikea. Das Möbelhaus erzielt dabei selbst keinen Gewinn. Raths betont: „Wir wollen daran nicht verdienen. Das ist eine reine Serviceleistung für unsere Kunden.“

Kunden denken mehr an Nachhaltigkeit

Bisher kämen täglich zwei bis vier Leute, um ihren alten Möbeln eine zweite Chance zu geben. Das sei ein guter Anfang, findet Raths. „Wir merken, dass unsere Kunden mehr an Nachhaltigkeit denken. Sie freuen sich, wenn sie ihre alten Sachen nicht wegwerfen müssen.“ Andererseits herrsche auch ein großes Kaufinteresse an gebrauchten Produkten. Karsten Löning ist Teamleiter im Bereich Recovery und begleitet die Ware von der Rückgabe bis in die Fundgrube. Wie lange sie dort zum Verkauf bereitsteht, ist nicht festgelegt. „Manche Produkte stehen tagelang, andere nur zwei Stunden“, sagt Löning. „Es ist aber nie ein Problem, dass Ware gar nicht weggeht.“

Die Rückgabe beginnt online

Wer ein altes Produkt zurückgeben möchte, muss ein paar Hinweise beachten. Die Rückgabe beginnt online. Auf der Internetseite von Ikea unter der Rubrik „Zweite Chance“ sind etwa 1000 Produkte aufgelistet, unter denen das eigene ausgewählt wird. Dann muss eine Beschreibung angegeben werden, zum Beispiel ob es Kratzer oder Flecken hat. Anschließend wird sofort ein Preisangebot errechnet. Dieses kann der Kunde ausdrucken und gemeinsam mit seinem Möbelstück im Rückgabecenter des nächsten Einrichtungshauses vorzeigen.

Kunde erhält Guthaben, Produkt einen neuen Preis

Wenn alle Angaben stimmen, erhält er sein Guthaben. Anders als bei der normalen Rückgabe muss hier kein Kaufbeleg vorgezeigt werden. Entscheidend ist nur, dass die Möbel im Originalzustand und voll funktionstüchtig sind. Außerdem müssen sie bei der Abgabe zusammengebaut sein. Auf Nachfrage stellt Ikea auch Werkzeug für einen Aufbau vor Ort bereit. Wenn das Produkt eingegangen ist, erhält es zunächst einen „Zweite-Chance“-Aufkleber und ein neues Preisschild. „Wir müssen noch 19 Prozent Mehrwertsteuer dazurechnen“, erklärt Löning. „So entstehen manchmal ganz krumme Preise.“

Ikea-Mitarbeiter stellen das neue Rückgabesystem „Zweite Chance“ vor und zeigen, wo und wie die gebrauchte Ware zu finden ist. Kunden loben die Nachhaltigkeit des Angebots.

„Wunderbarer Nachhaltigkeitseffekt“

Dennis Büssow aus Schmachthagen (Nordwestmecklenburg) kaufte kürzlich ein Regal und einen Tisch in der Fundgrube. „Wir kaufen dort gerne mal was, um den Dingen ein zweites Leben und eine sinnvolle Verwendung zu geben“, sagt der 33-jährige Familienvater. Das „Zweite-Chance“-System begrüßt er: „Für Recycling bin ich immer zu haben.“ Auch Laura Plümper aus Lübeck ist begeistert: „Das hat einen wunderbaren Nachhaltigkeitseffekt.“ Das Angebot sei für viele Kunden sehr attraktiv. „Davon können sich zum Beispiel auch Studenten und Leute mit weniger Geld etwas leisten“, sagt die 27-Jährige. Antje Raths wünscht sich für die Zukunft, dass sich die neue Rückgabemöglichkeit noch mehr herumspricht. „Wir hoffen, dass es weiterhin gut angenommen wird, denn wir sind keine Freunde einer Wegwerfgesellschaft.“

Nachhaltigkeit bei Ikea

Der Plastikbeutel „Istad“ ist aus Biokunststoff, der aus der Zuckerrohrproduktion stammt. Bei der Produktion entsteht kein Abfall. Nach eigener Schätzung wird Ikea in diesem Jahr etwa 1,4 Milliarden Beutel verkaufen. Das entspräche einer Einsparung von 75 000 Barrel Öl, die zur Herstellung dieser Menge an konventionellen Plastikbeuteln nötig wären.

Ikea verwendet seit dem 1. September 2015 nur noch Baumwolle aus nachhaltigen Quellen. Dieses Ziel soll bis 2020 auch für das Holz aller Produkte erreicht werden.

Um die Teppichproduktion zu verändern, gründete Ikea im Jahr 2010 eine neue Initiative. In diesem Zuge wurden gemeinsam mit Lieferanten in Indien und Bangladesch neue, regulierte Webzentren mit verbesserten Arbeitsbedingungen für die Weber eingerichtet.

Energieunabhängig will Ikea ab dem Jahr 2020 sein. Dafür investierte das Einrichtungshaus bereits großzügig in Turbinen und Solaranlagen, die ausreichend Energie produzieren, um den gesamten Energiebedarf des Unternehmens zu decken.

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