Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Mathe, Physik und Co.: Schlechte Noten für Neuntklässler in Schleswig-Holstein
Nachrichten Norddeutschland Mathe, Physik und Co.: Schlechte Noten für Neuntklässler in Schleswig-Holstein
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:16 18.10.2019
Eine Schülerin meldet sich in einem Klassenzimmer. In Schleswig-Holstein sind die Neuntklässler in den vergangenen Jahren in Mathematik, Biologie, Chemie und Physik zurückgefallen. Quelle: Marijan Murat/dpa
Berlin/Kiel

Hintergrund ist die Studie IQB-Bildungstrend 2018 im Auftrag der Kultusministerkonferenz. Vergleichsjahr ist eine IQB-Studie von 2012. In der Landespolitik sorgte das Ergebnis am Freitag sofort für Unruhe. Der SPD-Bildungspolitiker Martin Habersaat fordert von CDU-Bildungsministerin Karin Prien eine Initiative zur Reform des Mathematik- und Naturwissenschaftsunterrichts ein. Man sei davon überzeugt, dass sich eine Verbesserung der Leistungen in diesen Fächern vor allem durch Fachlichkeit, Didaktik und Schulentwicklung erreichen lassen werden. Es müsse zum Beispiel mehr verbindliche Ganztagsschulen geben. Eine Rückkehr zum gegliederten Schulwesen sei hingegen keine Lösung.

Prien: Versäumnisse der Vergangenheit

Die hatte der konservative Philologenverband der Gymnasiallehrer eingefordert. Grund: Vor allem Bayern und Sachsen, die noch dreigliedrige Schulsysteme haben, liegen bei der Untersuchung vorn. Allerdings nahm laut Studie flächendeckend auch die Leistung der Gymnasiasten in den Fächern ab. Prien griff wegen der Ergebnisse denn auch lieber die SPD-geführte Vorgängerregierung an. „Die aktuellen Ergebnisse zeigen leider sehr deutlich, dass die Politik der Vergangenheit hier nicht die richtigen Schwerpunkte gesetzt hat“, so die Ministerin. Für eine Verbesserung der Unterrichtsqualität wirbt allerdings auch die Ministerin. Der CDU-Bildungspolitiker Tobias von der Heide lobte seine Ministerin dennoch schon einmal dafür, dass sie Physik, Biologie und Chemie jetzt wieder getrennt und nicht mehr gemeinsam als „NaWi“ unterrichten lässt.

Die Liberalen wollen eine „MINT-Offensive“ starten

„Was wir brauchen, ist eine MINT-Offensive im Geiste des Digitalpaktes“, sagt hingegen auch die FDP-Abgeordnete Anita Klahn. MINT steht für „Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik“. Zum Beispiel müssten die Lehrerausbildung in diesem Bereich gestärkt und Jugendliche frühzeitig für diese Fächer begeistert werden. Außerdem müsse „das Streben nach Leistung wieder mehr Anerkennung finden“. Sonst riskiere man am Ende auch „den Wirtschaftsstandort Deutschland“. Für Habersaat ist es hingegen jetzt die zentrale Aufgabe der Landespolitik, genügend Nachwuchs-Fachlehrer für die MINT-Fächer zu finden. Die würden nach wie vor fehlen.

Bundesweit ein Viertel der Schüler unter Mindeststandard

Bundesweit blieben im vergangenen Jahr rund 24 Prozent der getesteten Schülerinnen und Schüler in Klasse neun unterhalb des für den mittleren Schulabschluss nötigen Mindeststandards in Mathematik. In Biologie, Chemie und Physik lag die Quote bei fünf bis 17 Prozent. Deutlich unter dem Bundesdurchschnitt liegen die Mittelwerte in Schleswig-Holstein, Berlin, Bremen, Hamburg und Hessen. In allen ostdeutschen Flächenländern, ausgenommen Sachsen, sowie in Schleswig-Holstein nahmen die Leistungen im Vergleich zu 2012 ab – teils drastisch zurückgegangen sind sie dabei in Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Jungen sind laut Studie davon häufiger betroffen als Mädchen. Insgesamt sei in Deutschland das Leistungsniveau aber weitgehend stabil geblieben.

Bundesministerin für „Nationalen Bildungsrat“

CDU-Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) dringt jetzt auf einen „Nationalen Bildungsrat“. In dem sollen sich die Länder austauschen und von den Erfolgen anderer lernen können. Ein Beispiel dafür könnte die Integration von neu zugewanderten Kindern und Jugendlichen sein. „Diese Gruppe schneidet diesmal deutlich schlechter ab als noch 2012 – aber nicht überall“, sagt Karliczek

Ministerin: Deutsch lernen, um Mathe und Physik zu begreifen

Die IQB-Studie verdeutliche, wie wichtig gute Deutschkenntnisse auch für den Mathematik- und Naturwissenschaftsunterricht sind, sagt CDU-Bundesbildungsministerin Anja Karliczek. Neu zugewanderte Kinder schnitten darin deutlich schlechter ab. Die Sprachförderung müsse intensiviert werden. Bundesweit nahm der Anteil der Schüler aus zugewanderten Familien laut Studie um 6,8 Prozentpunkte auf 33,6 Prozent zu. In Schleswig-Holstein stieg der Anteil um 5,1 Prozentpunkte auf 22,3 Prozent.

Im Norden setzt Karin Prien derweil auf neue Fördermaßnahmen zur Unterrichtsverbesserung. Die sollen gemeinsam mit dem Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik an der Uni Kiel erarbeitet werden. Außerdem müsse sich das gesellschaftliche Klima ändern. „Viel zu oft wird mit mathematischem oder naturwissenschaftlichem Unvermögen geradezu kokettiert“, sagt die Ministerin, „aber das ist eigentlich nichts, auf das man stolz sein sollte. Ganz im Gegenteil.“ Es müsse mehr „über die Heldinnen und Helden der Wissenschaft“ gesprochen werden. Erfinderinnen und Erfinder, Entdeckerinnen und Entdecker und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollten für junge Menschen genauso Vorbilder sein wie Sportlerinnen und Sportler oder Popstars.

An Schleswig-Holsteins allgemeinbildenden Schulen arbeiten derzeit 5500 Mathematik-Lehrerinnen und -lehrer, 2000 davon an Grundschulen, dazu 1990 Biologie-, 1265 Physik- und 938 Chemie-Lehrer.

Mehr zum Thema:

Von Wolfram Hammer

Sportvereine, die in Schleswig-Holstein E-Sport anbieten, sollen künftig eine Förderung bekommen. Kritiker sagen, damit werde auch reines Gaming finanziert. Befürworter sagen, E-Sport sei echter Sport, mit echter Belastung. Auch ein E-Sport-Zentrum in Lübeck wird diskutiert.

18.10.2019

Schleswig-Holstein lockt immer mehr Touristen an: 1,18 Millionen Menschen reisten im August in den Norden. Das ist ein Anstieg um 5,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch die Zahl der Übernachtungen im Land ist gestiegen.

18.10.2019

Konstantin von Notz, Grünen-Politiker aus Schleswig-Holstein, hat die bisherige Arbeit der Sicherheitsbehörden im Kampf gegen den Rechtsextremismus als defizitär kritisiert. So wurden die vorangeschrittene Vernetzung und das erhebliche Gewaltpotential unterschätzt.

18.10.2019