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Norddeutschland Nicht nur bei Ikea: Veggie liegt im Trend
Nachrichten Norddeutschland Nicht nur bei Ikea: Veggie liegt im Trend
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18:10 24.02.2018
Timo Neugebauer (24) mit einem Grünkern-Burger – das vegetarische Produkt ist der Renner im Lübecker Café Affenbrot.
Timo Neugebauer (24) mit einem Grünkern-Burger – das vegetarische Produkt ist der Renner im Lübecker Café Affenbrot. Quelle: Fotos: Felix König, Ikea (1)
Lübeck

„Ab und zu esse ich gerne einen vegetarischen Burger“, sagt Lisa Hagen (25). Die Sozialpädagogin sitzt im Café Affenbrot in Lübeck. Das ist bekannt für seinen Grünkern-Burger. „Der läuft bei uns am besten“, versichert Café-Mitarbeiter Timo Neugebauer (24). Er glaubt, dass das Lokal bei Vegetariern eine bekannte Adresse sei. „Manche bringen Freunde mit, die sonst nicht vegetarisch essen. Die sehen den Burger auf der Karte und probieren das mal aus.“

Jetzt also auch Ikea: Der Möbelkonzern führt einen vegetarischen Hotdog ein. Ab August soll er in allen Filialen erhältlich sein – zusätzlich zu den bisherigen Fleisch-Varianten. Vegetarische Wurst liegt im Trend, nicht nur bei Ikea. Die Meinungen darüber aber sind geteilt.

„Wenn es schmeckt, warum nicht vegetarisch?“ ist das Credo von Christine Stein (47). Sie hat es sich gerade auf der Bank vor dem Café bequem gemacht und genießt die Sonne. Das denkt auch Axel Hagemeister (58), doch: „Was aussieht wie eine Wurst, sollte auch eine Wurst aus Fleisch sein.“

Mit dieser Meinung ist er nicht allein. „Es lässt sich darüber streiten, ob eine vegetarische Wurst zu Recht als Wurst bezeichnet werden darf“, weiß Robert Prösch (56), Fleischermeister aus Krummesse (Kreis Herzogtum Lauenburg) und Innungsobermeister für Holstein-Süd. „Es gibt sogar Kollegen, die die Nachfrage bedienen und auch vegetarische Wurst im Sortiment haben. Aber diese Sachen stellen sie dann meist nicht selbst her.“ Den Umsatz der Fleischer schmälere vegetarische Wurst sicher nicht. „Das ist eben eines von vielen zusätzlichen Nahrungsmitteln.“

Aber ist es auch gesund? Heike Hasbargen (55), Ernährungsberaterin aus Bad Oldesloe (Kreis Stormarn) meint: „Man kann sich vegetarisch ernähren, aber dann sollte man wenigstens Milchprodukte essen.“

Veganer, die auch dies vermeiden, müssten darauf achten, nicht zu wenig Eisen und Vitamin B 12 aufzunehmen. „Schwangeren und Kindern unter zwölf Jahren rate ich davon ab, ganz auf Fleisch, Eier und Milch zu verzichten.“

Was vegetarischen Fleischersatz angeht, ist die Expertin skeptisch: Sie vermutet chemische Zusatzstoffe in den Produkten. „Vermutlich mehr als in richtiger Wurst, vor allem Verdickungsmittel und Aromastoffe. Wie soll man sonst den Fleischcharakter erzeugen?“

Klaus Lorenzen (52), Geschäftsführer der Öko-Lebensmittelkette „Landwege“, verweist darauf, dass die Inhaltsstoffe der Produkte auf der Packung abgedruckt sind. „Vegan sind nicht alle“, räumt er ein.

„Manche enthalten Ei.“ Sonst gebe es viele verschiedene Grundstoffe wie Weizen, Soja oder Lupine. Daraus würden vegetarische Schnitzel, Gyros oder Hähnchen-Nuggets gemacht. Manche Produkte seien in Sachen Fleischgeschmack mehr, andere weniger überzeugend. „Das Neueste ist Hack aus Sonnenblumenkernen. Das habe ich selbst noch nicht probiert.“

Das Angebot richte sich in erster Linie an „Leute, die bisher Fleisch gegessen haben und eine Alternative suchen“, sagt Lorenzen. „Die Schwelle von normaler Wurst zu vegetarischer Wurst, die genauso aussieht und ähnlich schmeckt, ist eben nicht so hoch.“

Geschmacklich habe sich viel getan, sagt Thomas Roahl (28), Marktleiter einer Lübecker Edeka-Filiale. „Viele vegetarische Fleisch-Produkte kann man von den echten Sachen kaum unterscheiden.“ 2016 habe die Filiale das Sortiment eingeführt, 2017 habe der Umsatz sich bereits um 12 Prozent gesteigert.

Gründe, fleischlose Wurst zu kaufen, gibt es viele. Sie persönlich liebe es zu grillen, gesteht Kundin Dolly Strehlow (58). „Am liebsten Rindersteak.“ Ihre Kinder aber seien Vegetarier, aus Tierliebe. „Ich kaufe, was sie mögen.“ Vegan gekocht habe sie auch schon. „Ich war überrascht, wie gut das schmeckt.“

Von Marcus Stöcklin

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24.02.2018
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