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Norddeutschland Niedersachsen machen Druck: Neuer Feiertag im Norden
Nachrichten Norddeutschland Niedersachsen machen Druck: Neuer Feiertag im Norden
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22:30 19.01.2018
Der Reformationstag könnte im Norden bald wieder ein Feiertag sein. Quelle: dpa
Lübeck/Hannover

Dafür kämpft nach dem erfolgreichen Luther-Jubiläum insbesondere die Evangelisch-Lutherische Nordkirche.

Jörg Mielke, Chef der Staatskanzlei, habe in dieser Frage Gespräche mit Vertretern anderer norddeutscher Bundesländer aufgenommen, bestätigte Weils Regierungssprecherin Anke Pörksen gestern in Hannover. „Wir hätten gern ein Ende der Diskussion im ersten Halbjahr.“ Angestrebt werde eine norddeutsche Lösung. Die Kieler Staatskanzlei bestätigte die Kontaktaufnahme aus Niedersachsen.

Feiertage im Vergleich

Neun gesetzliche Feiertage im Jahr gibt es in Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Bremen. Ungerecht: Der Norden schuftet, der Süden macht blau; Bayern kommt als bundesweiter Spitzenreiter auf 13, regional sogar auf 14 Tage. In den ostdeutschen Ländern ist der Reformationstag (außer Berlin) bereits gesetzlicher Feiertag.

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) hat seinen anfänglichen Widerstand, den Reformationstag arbeitsfrei zu machen, längst aufgegeben. Ein CDU-Parteitag sprach sich für einen zusätzlichen christlichen Feiertag aus. Bei der Eröffnung des neuen Landeskirchenamts in Kiel sagte Günther jetzt, er persönlich habe kein Problem damit, dafür den Reformationstag zu wählen. „Man muss als Katholik auch gönnen können.“ Der Reformationstag sei für ihn kein Signal der Kirchenspaltung, sondern ein Zeichen von Erneuerung der Kirche. Günther widersprach damit der Argumentation des katholischen Erzbistums Hamburg. Dessen Erzbischof Stefan Heße lehnt den Reformationstag als Feiertag ab.

Hans-Jörn Arp erklärte für die CDU-Fraktion, man lasse sich „von nichts und niemandem unter Zeitdruck setzen“. Er rechne aber bis Ostern mit einer Entscheidung. Ob der Reformationstag schon 2018 Feiertag wird, bleibt fraglich.

Die FDP, die bei einem zusätzlichen Feiertag im Norden Einbußen für die Wirtschaft befürchtet, benötigt offenbar noch eine Schamfrist, ehe sie den Weg innerhalb des Kieler Jamaika-Bündnisses freigibt. Fraktionschef Christopher Vogt sagte: „Wir werden uns nicht verkämpfen, werden das Thema in der Fraktion zeitnah neu besprechen.“ Die Grünen würden am liebsten den Weltfrauentag am 8. März zum Feiertag machen. Fraktionschefin Eka von Kalben erklärte: „Wir würden aber auch einen gemeinsamen Feiertag mit allen norddeutschen Ländern begrüßen.“ SPD und AfD sind ohnehin für einen arbeitsfreien Reformationstag.

Nach Einschätzung des Hamburger Volkswirtschaftlers Dirk Meyer ist ein neuer Feiertag ökonomisch verkraftbar. „Er wird den Wohlstand kaum mindern.“ Ein zusätzlicher Feiertag werde selbstverständlich Kosten verursachen. Diesen stünden aber auch positive Effekte gegenüber, vor allem in der Freizeitbranche.

Curd Tönnemann