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Norddeutschland Nordex bekommt Bürgschaft über 104 Millionen Euro
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Nordex: Windrad-Hersteller mit Sitz in Hamburg bekommt Kreditbürgschaft

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10:55 30.07.2020
Windkraftanlagen der Firma Nordex drehen sich in einem Windpark bei Karstädt. (Aufnahme mit längerer Belichtungszeit). Quelle: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild
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Schwerin

Der aufgrund der Corona-Krise unter Druck geratene Windkraftanlagen-Hersteller Nordex bekommt eine Kreditbürgschaft über gut 104 Millionen Euro vom Land Mecklenburg-Vorpommern. Damit soll ein Kredit über 116 Millionen Euro zu 90 Prozent abgesichert werden, wie das Finanz- und das Wirtschaftsministerium am Donnerstag gemeinsam nach einer Sondersitzung des Schweriner Kabinetts mitteilten.

Insgesamt benötige das Unternehmen staatliche Bürgschaften für einen Betriebsmittelkredit in Höhe von 350 Millionen Euro. Für die Hälfte davon – 175 Millionen Euro – soll demnach der Bund bürgen, für 116 Millionen Euro das Land MV und für den Rest die Hansestadt Hamburg.

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Nordex beschäftigt in seiner Fertigung in Rostock nach Angaben des Schweriner Wirtschaftsministeriums mehr als 1600 Mitarbeiter und in der Konzernzentrale in Hamburg etwa 900. Am Freitag soll der Finanzausschuss des Landtags sein Votum zu der Landesbürgschaft abgeben.

Auftragsrückgang um 56 Prozent

Nordex war optimistisch ins Jahr 2020 gestartet und hatte eine Steigerung seines bereinigten Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 124 Millionen Euro 2019 auf 160 bis 240 Millionen Euro geplant. Mitte Juli gab das Unternehmen dann bekannt, dass es einen Einbruch bei den Bestellungen gegeben habe. Zwischen April und Ende Juni orderten Kunden demnach nur 217 Windenergieanlagen für Projekte mit einer Leistung von zusammen 888 Megawatt – im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang um 56 Prozent.

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Auch MV-Werften wollen Corona-Hilfen

Mit Nordex bittet ein weiteres strukturbestimmendes Industrie-Unternehmen Mecklenburg-Vorpommerns um staatliche Hilfe in der Corona-Krise. Ende Juni hatte das Land Sicherheitsrücklagen des Genting-Konzerns bei Banken in Höhe von 175 Millionen Euro freigegeben, um eine Insolvenz als Liquiditätsmangel abzuwenden.

Das Geld sollte als Sicherheit für Kredite und Kreditgarantien für die MV-Werften, die das Land gegeben hatte, dienen. Es soll wieder aufgefüllt werden. Die MV-Werften streben unter den Corona-Schutzschirm des Bundes, wo sie auf 570 Millionen Euro hoffen.

Der Windanlagenhersteller Nordex

Die Nordex Group ist einer der führenden Hersteller von Windenergieanlagen an Land und mit ihrem Standort Rostock eines der größten Industrieunternehmen Mecklenburg-Vorpommerns. Im vergangenen Jahr erzielte Nordex mit 6880 Mitarbeitern einen Umsatz von etwa 3,3 Milliarden Euro. Die Gruppe mit der Verwaltung in Hamburg hat insgesamt bereits mehr als 28 Gigawatt Windenergieleistung in über 40 Märkten installiert.

Das Unternehmen kommt ursprünglich aus Dänemark; heute ist der spanische Mischkonzern Acciona größter Einzelaktionär mit mehr als einem Drittel der Anteile. Das Produktprogramm umfasst Onshore-Windenergieanlagen im Leistungsbereich von 2,4 bis über 5 Megawatt. Die börsennotierte Holding Nordex SE gehört den deutschen Aktienindizes SDAX und TecDAX an.

Von RND/dpa