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18:21 07.11.2019
Im Juni wurde in Handewitt (Kreis Schleswig-Flensburg) Schleswig-Holsteins erste Wasserstoff-Tankstelle eröffnet. Quelle: Wirtschaftsministerium SH
Lübeck

Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern haben eine Norddeutsche Wasserstoff-Strategie auf den Weg gebracht. „Damit zeigen wir einen Weg auf, wie die Wasserstoffpotenziale insbesondere im Bereich der Industrie und der Mobilität gehoben werden können“, erklärte Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Buchholz als Gastgeber. Gerade die windreichen Küstenländer seien hervorragend für dieses Projekt geeignet, mit dem zugleich Klimaschutzziele realisiert werden können. Als erster wichtiger Schritt sollen Elektrolyse-Kapazitäten geschaffen werden. Mit diesem technischen Verfahren kann Strom in Wasserstoff umgewandelt werden.

Die Strategie sieht vor, bis 2025 mindestens 500 Megawatt, bis 2030 mindestens fünf Gigawatt Elektrolyse-Leistung in Norddeutschland zu realisieren. Damit könnten alle in Schleswig-Holstein zugelassenen Pkw mit Wasserstoff betankt werden.

250 Tankstellen in Norddeutschland

Der grüne Wasserstoff, der aus Windenergie gewonnen wird, könne aber auch für den Antrieb von Schiffen genutzt werden; ebenso als Brennstoff für Busse sowie zur Produktion von synthetischem Kerosin, betonte Hamburgs Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos). Gemeinsam wollen die fünf Länder bis 2035 eine grüne Wasserstoffwirtschaft aufbauen, die möglichst zu 100 Prozent von Wind- oder Solarenergie getragen wird.

Dazu gehören auch 250 Tankstellen in Norddeutschland. Knapp 80 gibt es bereits. Startpunkte für den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft im Norden sollen sogenannte Wasserstoff-Hubs sein, in denen sich Erzeugung, Zwischenlagerung, Verteilung und Nutzung räumlich konzentrieren. „Wir nehmen uns als norddeutsche Bundesländer auch selbst in die Pflicht, indem wir unsere Fuhrparks auf Wasserstoff-Fahrzeuge umstellen“, sagte Westhagemann.

CO2-freier Prozess

Grün darf man Wasserstoff nennen, wenn er mit erneuerbaren Energien erzeugt wird. Das geschieht in einem Elektrolyseur, der Wasser unter Strom setzt, so dass sich Wasserstoff und Sauerstoff voneinander trennen. Der Prozess ist CO2 -frei. Schließlich kann der Wasserstoff zu synthetischem Erdgas, Benzin, Diesel oder Kerosin verarbeitet werden. Aktuell gibt es in Deutschland 600 Fahrzeuge mit Brennstoffzellen auf der Straße, 86 Wasserstoffbusse und 30 Züge.

Wasserstoff für gelungene Mobilitätswende

„Ich bin überzeugt, dass Wasserstoff ein wesentlicher Bestandteil einer gelungenen Mobilitätswende sein wird“, erklärte Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU). Wichtig sei, dass der Bund jetzt die richtigen Rahmenbedingungen schaffe. Dazu müsse die EEG-Umlage wegfallen, ebenso der Ausbaudeckel für erneuerbare Energien. Die Minister mahnen zugleich finanzielle Anreize für emissionsarme Fahrzeuge an. Das Strategiepapier soll noch im November in Berlin vorgelegt werden. Buchholz: „Die Technologie muss konkurrenzfähig und wirtschaftlich sein.“ Man wolle keinen Wettbewerb zur E-Mobilität, sondern einfach alle Chancen nutzen, den Ausstoß von Kohlendioxid zu reduzieren, sagte er.

Die Bundesregierung selbst arbeitet an einem Papier zum Thema Wasserstoff. Zugleich werden in Großprojekten neue Technologien im frühen Stadium gleich im industriellen Maßstab getestet. Diese Reallabore fördert der Bund mit insgesamt 100 Millionen Euro jährlich, eins davon auch in Heide an der Westküste.

Wirtschaft setzt große Hoffnungen in die Technologie

„Die norddeutsche Wirtschaft knüpft große Hoffnungen an die Wasserstoff-Technologie, die sich zu einem echten Game-Changer im Nord-Süd-Wettbewerb entwickeln könnte“, sagte Friederike C. Kühn, Vorsitzende der IHK Nord, ein Zusammenschluss der zwölf norddeutschen Industrie- und Handelskammern aus Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. Sie vertreten knapp 700 000 Unternehmen in Norddeutschland. Kühn sieht in der länderübergreifenden Zusammenarbeit einen „wichtigen Schlüssel für die Zukunftsfähigkeit unserer Region“.

Für Sebastian Jürgens, Geschäftsführer der Lübecker Hafen-Gesellschaft (LHG), ist Wasserstoff „einer der nachhaltigen Energieträger der Zukunft“. Die Gesellschaft trägt sich mit dem Gedanken, mit einer Photovoltaik-Anlage selbst Wasserstoff zu erzeugen, um Stapler und Autos zu betanken und Flächen zu beleuchten. Allerdings fehlt noch eine Anschubfinanzierung.

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Von Julia Paulat

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