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Norddeutschland Wie Mönche leben: Ein Tag im Kloster Nütschau
Nachrichten Norddeutschland Wie Mönche leben: Ein Tag im Kloster Nütschau
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19:01 18.04.2019
„Fehler sind menschlich und Vergebung bringt Frieden“, sagt Bruder Benedikt. Der Mönch lebt schon seit über zehn Jahren im Kloster Nütschau bei Bad Oldesloe.
Travenbrück

In der Stille des Gebets rufen die Vögel draußen nach dem Frühling und dem Leben. „Du aller Dinge Kraft und Grund, der unbewegt stets in sich ruht, du ordnest weise Zeit und Tag, lässt Licht erscheinen und vergehn.“

Eine Holzbank knarrt, jedes Mal, wenn sich jemand bewegt. Etwas Irdisches in diesem so andächtigen Moment des Mittagsgebets. Die Mönche und Gäste halten ihren Blick gesenkt. „Bis unser Tag zur Neige geht, erhalte gnädig uns dein Licht; dann öffne uns ein heil’ger Tod das Tor zur sel’gen Ewigkeit.“

Alles ruht, vor allem Arbeit und Zeit. Die Gedanken ziehen auf. Und ziehen ab wie Wolken. Die Gebete bahnen sich ihren Weg ins Innere. Nichts muss. Nichts zählt. Nur das Wort Gottes, das sich durch seinen Sohn verkündet.

„Der Tod ist nicht das Ende“

„Am Karfreitag verbindet sich unser Leben mit dem Leben von Jesus“, sagt Bruder Benedikt. Christen erinnern an diesem Tag an das Leiden ihres Messias: Schon in den Tagen rufen sie sich seine letzten Lebenstage in Jerusalem in Erinnerung, sein letztes Fest mit seinen Jüngern, seine Gefangennahme, sein Verhör durch Pontius Pilatus – und schließlich seine qualvolle Kreuzigung.

Leiden heißt auf Latein Passion. Der Karfreitag ist der Höhepunkt der Passionswoche, der Tag, an dem Jesus für die Sünden der Menschen gestorben ist, ohne Widerstand zu leisten. „Aber der Tod ist nicht das Ende“, sagt der 54-jährige Benedikt: „Der Schmerz wird geheilt“, weshalb die Auferstehung an Ostern der höchste Feiertag für die katholische Kirche sei.

Liebe trotz größten Leids

Und es ist noch mehr, was Jesus in seinen letzten Stunden gelehrt hat: Liebe trotz größten Leids – Vergebung trotz größten Schmerzes. Als eines seiner letzten Worte vor seinem Tod am Kreuz ist überliefert: „Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“

Vergebung ist eine innere Haltung und das große Ganze, wofür Bruder Benedikt sein Leben in den Dienst des christlichen Glaubens gestellt hat und weshalb er vor etwas mehr als zehn Jahren hier ins Kloster Nütschau gegangen ist. Er hatte abgeschlossen mit seinem Leben als Polizist und Versicherungskaufmann. Er hatte Fragen, die ihn schon seit der Kindheit begleitet hatten. Und er suchte Antworten im Glauben, der schon immer sehr präsent war in seinem Leben. „Ich habe gemerkt, wie gut mir der Dialog mit anderen Christen tat und wie gern ich unter Gleichgesinnten war.“ Das muss nicht jedem so gehen, aber ihm ging es so.

Und so wurde aus Andreas, dem Versicherungskaufmann mit Freundin und Liebesbeziehung, ein Theologiestudent, ein zölibatärer Priester – und später ein Mönch im Kloster Nütschau hier in der Nähe von Bad Oldesloe, wo ihm der Ordensname Benedikt verliehen wurde. Der Gang hierher ist einer auf Lebenszeit. Zumindest für Bruder Benedikt. Und er ist sehr glücklich, angekommen zu sein. Bei sich. Dem Christentum. Und den Menschen.

Ihre gemeinsame Mitte ist Jesus Christus

Die Klostergemeinschaft in Nütschau versteht sich als eine Gemeinschaft. Die Brüder glauben daran, dass Gott sie zusammengerufen hat, ihre gemeinsame Mitte ist Jesus Christus und dessen Barmherzigkeit. Und die Brüder werden aufgesucht: Von Menschen mit Sorgen und Nöten und dem Bedürfnis nach Einkehr und Entschleunigung. Von Leidenden und Erschöpften, die in diesem katholischen Kloster im Kreis Stormarn Schutz und Abstand suchen. Es sind Politiker wie Künstler, die den Weg hierher finden. Es sind Flüchtlinge wie Andersgläubige, die hier mit offenen Armen empfangen werden. „Es soll an Gästen nicht mangeln“, hatte der Heilige Benedikt, nach dem das Kloster benannt ist, gepredigt. Gemäß Christis Wort: „Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen“, soll hier ein Ort des Friedens in christlicher Tradition sein.

Dabei spielen Herkunft und Konfession keine Rolle. Auch das Missionieren nicht. „Wir bekehren niemanden“, sagt Benedikt. „Gerade in der heutigen Zeit sind Offenheit und Verständnis wichtiger denn je.“ Es zähle jeder Dialog unter den Menschen und Religionen, weshalb auch Papst Franziskus mit seiner jüngsten Reise ins muslimische Marokko ein Zeichen gesetzt habe.

Der Benediktinerorden

Die Benediktiner sind ein Orden innerhalb der römisch-katholischen Kirche. Auch im Luthertum sind benediktinische Klöster einzeln erhalten geblieben und ausgerichtet nach dem Namensgeber Benedikt von Nursia, der um das Jahr 480 n. Chr. in Umbrien (Italien) geboren wurde.

Benedikt sollte eigentlich eine Beamtenlaufbahn im römischen Staatsdienst einschlagen, entschied sich aber für den Glauben.

Von der Sittenlosigkeit in Rom enttäuscht, ging er in die Berge, bevor er sich drei Jahre lang in eine Höhle östlich von Rom zurückzog. Über dieser Höhle wurde im 12. Jahrhundert das Kloster San Benedetto gegründet.

Benedikt gilt als einer der Gründerväter des christlichen Mönchtums.

Bezeichnend für Benedektiner sind die Grundsätze des Ordens: „Ora et labora et lege“ (lateinisch: „Bete und arbeite und lies“). Drei Gelübdelegt der Benediktinermönch im Laufe seines Ordenslebens ab: „Stabilitas loci“ (Beständigkeit in der Gemeinschaft und Ortsgebundenheit an ein bestimmtes Kloster) „Conversatio morum suorum“ (klösterlicher Lebenswandel) und „Oboedientia“ (Gehorsam).

Und auch das Mönchtum muss sich immer wieder neuen Zeitfragen stellen, weshalb der ständige Dialog ein wichtiger Bestandteil im Leben der Mönche ist. Schließlich wollen sie in ihren Tätigkeiten als Seelsorger, Lehrer, Erzieher, Wissenschaftler oder Handwerker auf dem Stand sein.

Auch der Zeitgeist ist ständiger Gast im Kloster. Hier gibt es natürlich auch Handys unter der schwarzen Tracht der Mönche – aber sie bestimmen nicht den Tagesablauf. Hier gibt es auch mal eine Nachricht via WhattsApp – aber sie soll nicht über das Hier und Jetzt entscheiden. Das Hier und Jetzt, so streben es die Mönche an, wird bestimmt von der Liebe zu Jesus Christus.

„Der Zölibat macht mich frei“

„Natürlich sind wir auch nur Menschen“, sagt Bruder Benedikt. „Wir machen Fehler, wir streiten, und wir zweifeln.“ Selbst hier, im Kloster, ist die Frage nach der Existenz Gottes ein Thema – eine immer wiederkehrende Selbstreflexion, die über sich hinauswachsen lässt. Hier herrscht der Zölibat, die Verpflichtung zur sexuellen Enthaltsamkeit. Entgegen der Annahme, Verbotenes würde nur mehr Reiz ausüben, sagt Bruder Benedikt: „Man kann im Leben nie alles haben. Ich habe auf die Karte Gottes gesetzt. Der Zölibat macht mich frei.“

Er kennt die Krise, in der seine Kirche durch die Missbrauchsskandale steckt. „Das beschämt mich zutiefst.“ Der Mönch leugnet weder Missbrauch noch die Herausforderungen, die der Zölibat an katholische Geistliche stellt. Aber für ihn steht fest: Liebe hat viele Facetten, und seine Liebe zu seinem Glauben ist das höchste der Gefühle.

Bruder Benedikt ist erst vor wenigen Tagen von einer viermonatigen Reise aus Südafrika zurückgekehrt, einer „Auszeit“ in einem Land, das von viel Armut beherrscht wird. Er kennt Südafrika aus seiner Studienzeit, und es sind genau diese Momente, die ihn wissen lassen, was auf Erden gebraucht wird. „Wenn Sie sehen, in welchen Verhältnissen die Menschen dort leben, und Sie die Hände berühren, die nach Ihnen ausgestreckt werden, dann wissen Sie, wie wichtig Barmherzigkeit ist.“

Gottesdienst zum Karfreitag im Kloster Nütschau

Es mag schwer sein, ein guter Mensch zu sein, es gibt auch für Bruder Benedikt als Mönch immer wieder Situationen, in denen er sich das Leid auf der Welt nicht erklären kann. In denen er sich fragt, warum Gott das zulässt. Aber auf Leid und Gewalt könne die Antwort nicht Leid und Gewalt sein. Und wenn er sich frage, ob Gott die Menschen damit auf die Probe stellt, finde er seine Antwort in Jesus. „Er ist den Weg der Liebe bei größtem Leid gegangen.“ Benedikt weiß, dass diese Antwort nicht jedem genügt, der sich vom Leben im Stich gelassen fühlt. Aber was ist die Alternative zur Liebe?

Am heutigen Karfreitag wird um 15 Uhr im Kloster Nütschau – zur Sterbestunde Christi – die Passionsgeschichte vorgelesen. Der Gottesdienst ist bewusst reduziert. „Es wird ein stiller Tag“, sagt Bruder Benedikt. Im Anschluss erfolgt die Kreuzverehrung – das Hereintragen und Aufstellen eines Kreuzes, um Jesus in seinem schwersten Moment nah zu sein. Es wird viel nachgedacht, über Fehler, Schwächen, Verwerfungen und Vergebung.

„Geben macht nicht arm“

Und wenn es einen Appell gibt, den Bruder Benedikt an die Menschen richten möchte, dann wäre es der, dass sie sich vom Tod Christis und den Weg, den er für sie gegangen ist, „berühren lassen“ und sich Halt geben. „Geben macht nicht arm“, hatte seine Großmutter immer gesagt, damals, als er noch Andreas hieß. „Gerade in dieser schnelllebigen Zeit, in der ein jeder ständig gefordert ist und unter Druck steht, ist es wichtig, loszulassen und zuzugeben, dass man sich braucht.“

„Habt den Mut, schwach zu sein“, möchte Benedikt den Menschen mit auf den Weg geben. „Lasst Euch berühren von den Wunden dieser Zeit und habt keine Angst vor der Traurigkeit.“ Fehler sind nicht schlimm, wenn man daraus lernt. „Tränen sind etwas Befreiendes.“ Der Tod von Jesus lehre: Nach der Traurigkeit kommt die Erlösung. „Das wünsche ich jedem Menschen“, sagt Benedikt.

Lesen Sie hier ein Interview mit Pastorin Rebecca Lenz: „Besinnung kann auch ein Spaziergang im Meer sein.“

Klöster im Norden

Man muss nicht gleich ins Kloster eintreten, um mitbeten, mitarbeiten und mitleben zu können – mehr als 300 Orden in Deutschland bieten an, sich auf Zeit im Kloster zurückzuziehen. Drei davon befinden sich in Norddeutschland. Sie sind katholisch.

Bei den Benediktinern im Kloster Nütschau in Travenbrück (Kreis Stormarn) können Besucher am Tagesablauf von „Ora et Labora” teilnehmen, Kurse besuchen, im Stillen Bereich zur Ruhe kommen, mit Mönchen sprechen, Jugendangebote wahrnehmen sowie Kraft und Orientierung suchen. Infos: https://www.kloster-nuetschau.de/

Auch die Franziskanerinnen von Münster St. Mauritz nehmen Suchende auf: Im Haus Damiano Kiel laden sie zu gemeinsamem Gebet und zu Gesprächen ein. Längere Aufenthalte sind nach Absprache ebenfalls möglich. Infos: http://www.haus-damiano-kiel.de/

Ebenso gastfreundlich sind die Karmelitinnen auf der Elbinsel Finkenwerder; sie bieten neben Orten des Sich-Zurückziehens auch regelmäßig „Tage der Stille” an. Infos: http://www.karmelzelle.de/

In vielen anderen ursprünglichen Klöstern im Land, wie zum Beispiel dem Kloster Cismar in Ostholstein, findet kein traditionelles Klosterleben mehr statt: Die Gebäude, in denen ehemals Ordensleute leben, sind heute Kirchen, Museen oder besondere Veranstaltungsorte.

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