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Norddeutschland ÖPNV fragt seine Kunden: Was Pendler wirklich wollen
Nachrichten Norddeutschland ÖPNV fragt seine Kunden: Was Pendler wirklich wollen
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11:58 04.12.2019
Der Stadtverkehr in Lübeck will mehr E-Busse in der Hansestadt. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Um bessere Informationen für die Nahverkehrsplanung in Schleswig-Holstein zu erhalten, zählt und befragt Nah.SH bis Dezember 2020 Fahrgäste in Bahn und Bus im Land. Dabei soll es zum Beispiel um die Ein- und Ausstiegshaltestelle, das benutzte Verkehrsmittel zur Haltestelle, den benutzten Fahrschein sowie den Zweck der Reise gehen. „Aus diesen Daten lassen sich Verkehrsströme, -mengen und -strukturen in Schleswig-Holstein ermitteln, die für die Planung des Bahn- und Busangebots verwendet werden“, teilt das Unternehmen mit.

Buspreise in Lübeck am höchsten

Klar ist nämlich: Der ÖPNV im Land muss besser werden und an Akzeptanz in der Bevölkerung gewinnen, damit mehr Menschen vom Auto auf Bus und Bahn umsteigen. Vielen fällt das aktuell schwer – aus den unterschiedlichsten Gründen. In Lübeck ist auch der Preis Schuld. Bis zu 3,20 Euro für die Einzelfahrkarte und 9,60 Euro für die Tageskarte werden hier fällig: Einer neuen Studie zufolge ist der Nahverkehr in Lübeck damit so teuer wie in kaum einer anderen deutschen Stadt. Das Verbraucherportal Testberichte.de bemängelt zudem, dass Tickets nicht online über die App buchbar sind.

Neue E-Busse in Lübeck vorgestellt

Dafür geht es in der Hansestadt mit der E-Mobilität im Nahverkehr voran. Am Dienstag stellte der Stadtverkehr zwei neue E-Busse vor. Vier weitere sollen im Februar kommen, im Laufe des Jahres 2020 sollen bereits zehn der leisen Fahrzeuge durch Lübeck rollen. Das Ziel: Bis 2030 sollen 70 Prozent der Flotte – das sind rund 140 Busse – auf E-Bus umgestellt sein. Der Stadtverkehr investiert dafür Millionen. Ein einzelner Bus kostet über 500 000 Euro.

So lange dauert die Befragung

Ein Jahr lang dauert die Umfrage und Zählung von Nah.SH. Die Teilnahme an der Befragung ist freiwillig und anonym. Durchgeführt wird die Studie von der GVS mbH aus Hannover. Wann genau mit Ergebnissen zu rechnen ist, ist noch unklar.

Mehr Busse in Nordstormarn

Veränderungen gibt es auch im Kreis Stormarn. Dort hatte die Bahn-Tochter Autokraft die Ausschreibung für Nordstormarn gewonnen und erweitert ab dem 15. Dezember das ÖPNV-Angebot. Darin enthalten: Taktverdichtungen auf wichtigen Strecken geben und ganz neue Buslinien. Für den Oldesloer Stadtverkehr wurde bereits eine vierte Linie eingerichtet, Bargteheide wird erstmals einen echten Stadtverkehr erhalten, um unter anderem das Gewerbegebiet und einige Wohngebiete anzubinden. Auch das Anruf-Sammel-Taxi wird aufgewertet, unter anderem mit Verbindungen über die Dörfer.

Keine Toilette im Bahnhof Reinfeld

Ganz andere Probleme haben dagegen die ÖPNV-Kunden in Reinfeld: Dort gibt es keine öffentlichen Toiletten am Bahnhof. Manche Fahrgäste erleichtern sich deswegen im Freien. Das ärgert viele Reinfelder. Der Bürgermeister will nun Kontakt zur Bahn aufnehmen, um auf die Misere aufmerksam zu machen. Dass die Stadt dort selbst Toiletten baut, scheint angesichts der Haushaltslage nämlich aussichtslos.

Kostenlos Busfahren in Bad Segeberg

In Bad Segeberg können sich die ÖPNV-Kunden dagegen freuen: An den Adventssonnabenden können Fahrgäste den gesamten Nahverkehr der Stadt kostenlos nutzen. Die Kosten für dieses Angebot werden komplett von der Stadt übernommen. In Lübeck gab es das 2018 als einmaliges Angebot auch– eine Initiative für Ein-Euro-Tickets in der Adventszeit scheiterte dagegen in diesem Jahr.

Buchholz: „Müssen Geld in die Hand nehmen“

Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) betont: „Unser Ziel ist es natürlich, das Angebot punktgenau an den Bedürfnissen der Menschen auszurichten – soweit das bei Massenverkehrsmitteln möglich ist. Die neuen Zahlen der Umfrage werden zeigen, wo es Handlungsbedarf gibt.“ Klar sei aber bereits, dass das Land für die Schiene und die Kreise und Städte für den Busverkehr mehr Geld in die Hand nehmen müssten, wenn die nötigen Verbesserungen dann auch kommen sollen. „Die neuen Zahlen aus der Befragung schaffen die Grundlage für mehr und besseren Nahverkehr. Die Erkenntnisse dann auch zu nutzen, ist unsere gemeinsame politische Aufgabe.“

ProBahn: Autofahrer sollten gehört werden

Der Fahrgastverband ProBahn in Schleswig-Holstein begrüßt die großangelegte Untersuchung. „Wir kennen zwar viele Probleme, wissen aber nicht wie viele Menschen sich daran wirklich stören“, sagt Sprecher Karl-Peter Naumann. Deswegen sei die Befragung wichtig, weil man auch qualitative Begründungen bekomme – und am Ende nicht nur Zahlen habe. Einziger Kritikpunkt: „Was allerdings fehlt, ist die Befragung von Autofahrern – denn die will man ja schließlich zum Umsteigen bewegen.“

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Von Jan Wulf

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