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Norddeutschland Oldenburger Familie spielt in Kinofilm mit
Nachrichten Norddeutschland Oldenburger Familie spielt in Kinofilm mit
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11:47 01.05.2014
Für jeden Spaß zu haben: Julian (15, v. l.), Claudia (42), Sten (44) und Sabrina Lindner (17) im Garten. Das jüngste Familienmitglied Per Leon (3) ist nicht mit auf dem Bild.
Für jeden Spaß zu haben: Julian (15, v. l.), Claudia (42), Sten (44) und Sabrina Lindner (17) im Garten. Das jüngste Familienmitglied Per Leon (3) ist nicht mit auf dem Bild. Quelle: Olaf Malzahn
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Oldenburg

Als sie ihren Sohn anmeldete, ahnte Claudia Lindner (42) nicht, dass die ganze Familie bald bei einem Musik-Filmprojekt mitwirken würde. Die Lindners aus Oldenburg (Kreis Ostholstein) saßen gerade im Auto, als sie im Radio hörten, dass Statisten für Filmaufnahmen in Norddeutschland gesucht wurden. „Mama, da will ich mitmachen!“, hatte der damals zwölfjährige Julian gesagt. Heute ist er 15 und wird in zwei Tagen bei der Premiere des Musical-Films „Summer of Dreams“ im Cinemaxx in Kiel auf der Kino-Leinwand zu sehen sein. Als bester Freund der männlichen Hauptrolle, gespielt von dem Lübecker Sänger Henry Hoppe.

Der Inhalt des Films, der von der unabhängigen Produktionsgesellschaft Fun & Joy Media produziert wurde: Milla (Joyce Hildebrand) zieht vom Dorf in die Stadt und muss die Schule wechseln. Dort lernt sie Elena (Diana Maria Krieger) aus Russland kennen, die auch neu an der Schule ist. Weil ihre Mutter schwer krank ist, musste Elena zu Verwandten nach Deutschland ziehen. Sie ist einsam und wird in der Schule gemobbt. Erst als sich Milla mit ihrem Gesang für Elena stark macht, ändert sich das, sie werden Freundinnen. Doch dann verlieben sie sich in den selben Jungen . . . Der Anti-Mobbing-Film soll durch die Kraft der Musik die Herzen von Schülern, Lehrern und Eltern erreichen. Die jungen Darsteller, die im Film singen, hatten vorher keinerlei Schauspielerfahrung.

Claudia Lindner erinnert sich: „Nachdem wir uns für die Statistenrolle beworben hatten, ging alles ziemlich schnell.“ Für Julian, der auf dem Dorf aufwuchs, sei es aufregend gewesen, bei einem Kinofilm mitzuwirken. Als er in den Sommerferien vor drei Jahren gemeinsam mit seiner Mutter zur Blomenburg in Selent bei Kiel fuhr — im Film ist in dem Gebäude die Eliteschule — wusste der Schüler nicht, was ihn erwartet. „Erst wurde ich gar nicht gebraucht als Statist.“ Am Set habe er sich mit einigen im Team angefreundet, das aus mehr als 150 Crew- und Cast-Mitgliedern und 300

Statisten bestand. „Ich habe alle ins Herz geschlossen“, sagt der 15-Jährige. Das Engagement der Helfer habe ihn ebenso beeindruckt wie die Dreharbeiten. „Man muss auf vieles achten, damit es logisch ist“, erzählt er. Manche Szenen hätten zigmal wiederholt werden müssen. „Wir mussten acht Mal ein neues Eis kaufen, weil es in der Sonne geschmolzen ist.“ In der Szene spielte Julian mit, weil für Hauptdarsteller Henry Hoppe noch ein Freund gesucht wurde, der ihn in Liebesdingen berät.

Auch die Familie war dabei. „Immer, wenn hier in der Nähe gedreht wurde, sind wir alle zusammen hingefahren“, erzählt Claudia Lindner. Die Abstände zwischen den Dreharbeiten, die unter anderem in Kiel, Timmendorfer Strand, Heiligenhafen und auf Fehmarn stattfanden, waren geldabhängig: Regisseur und Produzent Niels Marquardt zahlt die Produktionskosten aus eigener Tasche. „Der Film konnte ohne Budget allein aus Sponsorengeldern und mit der Hilfe vieler engagierter Menschen entstehen“, sagt er. Die Lindners freundeten sich mit dem Regisseur an und unterstützten ihn. Die Produktion fand sogar zu Hause statt: Julians Kinderzimmer wurde zum Tonstudio umfunktioniert. „Wir haben für die Crew gekocht und sie zu uns eingeladen“, erzählt Julians Vater Sten (44), der auch eine kleine Aufgabe übernahm. „Ich musste bei den Aufnahmen einen Aufheller halten, so ein silbernes rundes Ding.“ Seine Frau spielt im Film eine Lehrerin, die wegschaut, als Elena gehänselt wird. „Ich finde Mobbing ganz schlimm“, sagt Claudia Lindner. „Im richtigen Leben würde ich immer versuchen einzugreifen und zu helfen.“ Auch Sabrina hat eine Nebenrolle bekommen — als Mobberin. „Eigentlich bin ich überhaupt nicht fies“, sagt die 17-Jährige. Die Rolle sei ihr schwer gefallen.

„Niemand spricht gern über das Thema“, sagt Marquardt, der die mangelnde Unterstützung für sein Filmprojekt auf Berührungsängste zurückführt. An Schulen werde Mobbing oft totgeschwiegen. Es sei schwierig gewesen, Drehorte zu finden. „Aber wir haben nie aufgegeben.“ Eine erste Anerkennung hat er jüngst bekommen: „Summer of Dreams“ erhielt im Januar eine Verleihförderung der Filmwerkstatt Kiel. Die Lindners fiebern nun dem 3. Mai entgegen. Dann fahren sie zur Premiere nach Kiel und sehen das Ergebnis. Ab dem 8. Mai ist der Streifen dann in den Kinos zu sehen, unter anderem im Filmtheater in Oldenburg.

Melina Ulbrich