Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Großer Ärger an Oldesloer Grundschule
Nachrichten Norddeutschland Großer Ärger an Oldesloer Grundschule
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:50 10.12.2019
Die Klaus-Groth-Schule in der Königsberger Straße Bad Oldesloe. Quelle: Fofana
Bad Oldesloe

Hinter den Kulissen der Klaus-Groth-Schule (KGS) gärt es schon lange. Viele Eltern wussten bislang aber nicht, wie verfahren die Situation an der Schule wirklich ist. Als sie am Infoabend des Schulelternbeirats zu hören bekamen, dass 14 der 17 Stamm-Lehrkräfte nicht mehr dort arbeiten wollen und einen Versetzungsantrag gestellt haben, waren sie geschockt. Als Grund wurde genannt, dass eine vernünftige Zusammenarbeit mit der Schulleiterin nicht möglich sei. Das Klima sei extrem belastet. Auch das Mehrgenerationenhaus Oase, das die Ganztagsbetreuung an der KGS übernimmt, kann sich eine weitere Zusammenarbeit nicht vorstellen.

Von Norderstedt nach Bad Oldesloe

Die Probleme begannen, kurz nachdem die Leiterin im Frühjahr an die Oldesloer Grundschule gekommen war. Die Gymnasiallehrerin aus Hamburg hatte im Februar 2018 eine Grundschule in Norderstedt übernommen und soll dem Vernehmen nach auch dort aufgrund ihrer Art mit Eltern und Lehrern aneinander geraten sein, so dass das Kieler Bildungsministerium eine neue Aufgabe für die 57-Jährige suchte. Vor ihrem einjährigen Engagement in Norderstedt war die neue Schulleiterin 20 Jahre lang an einer Hamburger Schule tätig und initiierte dort viele Projekte. Da KGS-Leiterin Meike Harder als Schulrätin nach Segeberg wechselte, wurde die Rektorenstelle in Bad Oldesloe von Kiel aus besetzt. Der städtische Schulleiterwahlausschuss hatte nichts mehr zu entscheiden.

Nach dem Infoabend für die Oldesloer Eltern war nun Schulrat Michael Rebling an der Schule, um mit der Rektorin und dem Elternbeirat zu sprechen. Weder über die Personalie noch über die Situation möchte Rebling etwas mitteilen. „Das unterliegt dem Datenschutz“, so der Stormarner Schulrat. Die Zahl der Versetzungsanträge sage auch nichts darüber aus, ob und wer tatsächlich versetzt werde. Und die Schulleiterin sei vom Ministerium eingestellt worden. Bis jetzt spreche aus seiner Sicht nichts dagegen, dass sie Schulleiterin bleibe.

Oase bestätigt Probleme

Das sehen nicht nur die Lehrer, sondern durch die Eltern anders. „Solange sie Rektorin ist, wird sich die Situation nicht entspannen“ befürchtet eine Mutter (Name ist der Redaktion bekannt). Dass es Probleme gebe, habe sich bereits Anfang September gezeigt, „und man merkte auch an den Kindern, dass etwas im Argen liegt“, so die Mutter.

Oase-Chefin Andrea Kefrig-Blase bestätigt die Probleme mit der Rektorin: „Es gibt keine Verlässlichkeit, Absprachen werden nicht eingehalten. Die Schulleiterin ist bestimmt eine engagierte Lehrerin und hat gute Ideen, aber ihr Umgang mit anderen funktioniert nicht. Eine Vertrauensbasis gibt es nicht mehr. Einige unserer Mitarbeiter sind nervlich sehr angespannt. So kann es nicht weitergehen.“

Den Lehrern hätte sie zum Beispiel mitgeteilt, dass sie nun jedes Jahr mit ihren Klassen umziehen müssten, weil die Oase das so wollte. „Das stimmte natürlich überhaupt nicht, und die Lehrer fielen aus allen Wolken, als sie das hörten“, sagt Birgit Freimann, Koordinatorin der Offenen Ganztagsbetreuung an der Klaus-Groth-Schule. Aus dem Kollegium wollte sich niemand gegenüber den LN äußern, auch und vor allem aus rechtlichen Gründen. Nur so viel war zu hören: Es brodele gewaltig.

Gespräche nur noch mit Zeugen

Ähnliches berichtet ein Vater den LN. „Sobald die Schulleiterin den Raum verließ, waren gerade getroffene Absprachen null und nichtig.“ Daher seien zuletzt alle Gespräche protokolliert worden oder hätten unter Zeugen stattgefunden. „Von der ganzen Dimension haben wir gerade erst erfahren und waren sehr überrascht“, so der Vater. Er hofft auf einen Verbleib der Kollegen, die zum Teil schon sehr lang an der Schule sind, und auch der Oase. Die Klaus-Groth-Schule hat rund 360 Schüler, und immer mehr nutzen das Angebot der offenen Ganztagsbetreuung.

„Es sind ganz viele Kleinigkeiten, die zu der jetzigen Situation geführt haben, über die die Stadt auch durch uns Kenntnis hat“, sagt Anika Schmidt, Vorsitzende des Schulelternbeirats. Zurzeit sei die Rektorin nicht im Haus. „Für die Lehrer ist es gut, dass sie jetzt vor Weihnachten durchatmen können. Manche hätten nicht mehr lange durchgehalten. Wir hoffen jetzt auf den Schulrat und das Ministerium“, sagt Anika Schmidt.

Ministerium: Lösung in Sicht

Vom Pressesprecher des Bildungsministeriums in Kiel, David Ermes, heißt es auf Nachfrage: „Die Probleme an der Klaus-Groth-Schule in Bad Oldesloe sind der Schulaufsicht bekannt, und wir sind zuversichtlich, in Kürze eine angemessene Lösung des Problems zu erreichen.“

Die Schulleiterin selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen, die Stadt Bad Oldesloe als Schulträger will sich am Mittwoch äußern.

Von Markus Carstens und Sandra Freundt