Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Auslaufmodell Geldautomat?
Nachrichten Norddeutschland Auslaufmodell Geldautomat?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:46 21.05.2019
Geld aus dem Automaten – ein Auslaufmodell? Weil immer mehr Menschen mit Karte zahlen oder Geld beim Einkaufen abheben können, sinkt die Anzahl der Geräte bei Banken und Sparkassen weiter. Quelle: Sebastian Willnow/dpa
Kiel

Beim „Cash back“ zahlen zum Beispiel Supermärkte, Baumärkte oder Tankstellen den Kunden an den Kassen kostenlos auch bis zu 200 Euro bar aus – unabhängig davon, bei welchem Geldinstitut die Kunden ihr Konto haben. In der Regel ist das ab einem Einkaufswert von zehn oder 20 Euro möglich. Seit 2013 ist das erlaubt. Der Handelsverband Deutschland schätzt, das bereits 20 000 Geschäfte mitmachen. Zudem werde immer mehr mit EC-Karte bezahlt.

Nicht zuletzt deshalb sinkt auch die Zahl der Geldautomaten in Deutschland weiter, 2018 laut einer Studie allein um ein weiteres Prozent auf 57 800. Deren Betrieb sei für die Banken ohnehin teuer – bis zu 25 000 Euro pro Jahr kostet sie ein Automat laut der Studie. Von Kunden anderer Banken werden fürs Geldabheben daher meist Gebühren verlangt – die Spanne reicht je nach Geldinstitut von knapp vier bis zu fast sechs Euro pro Abhebung.

Apps: Das Konto „in der Hosentasche“

Die Sparkasse Südholstein schaltet zudem ab Juli alle SB-Terminals ab. Grund dafür sei das geänderte Kundenverhalten, heißt es. Eine deutliche Mehrheit nutzt inzwischen das Online-Banking. „Dieser Trend ist deutlich zu merken“, sagt auch Anne Wohlfahrt, Sprecherin der Kreissparkasse Herzogtum Lauenburg. Über die Sparkassen-App habe man sein Konto quasi „in der Hosentasche“. Dennoch plane man keinen generellen Abbau der SB-Terminals, reduziere allenfalls mal die Anzahl der Geräte pro Filiale. Das geschehe immer dann, wenn die Auslastung sinke. Dazu wird die Nutzung der Terminals ständig registriert und ausgewertet.

„Es gibt eine Tendenz zu Onlinebanking und Kartenzahlung“, sagt auch Björn Lüth von der Sparkasse Holstein in Eutin, die in den Kreisen Ostholstein und Stormarn tätig ist. Gerade in der Tourismus-Region an der Ostsee schlage der aber noch nicht durch. „Wir haben in einigen Fußgängerzonen sogar noch weitere Geldautomaten aufgestellt“, sagt Lüth. Auch an den SB-Terminals halte man fest, rüste sie gerade mit einer neuen Software aus.

Landespolitiker pochen auf Grundversorgung mit Automaten

Hintergrund sei die Erkenntnis, dass zwar schon 20 Prozent der Kunden ausschließlich das Online-Banking nutzen. Ebenfalls 20 Prozent setzten aber nach wie vor auf die Automaten in den Filialen. Und die übrigen 60 Prozent nutzten je nach Bedarf beide Möglichkeiten, sagt Lüth. Das sehen auch andere Geldhäuser in der Region so, die Commerzbank oder die Volksbanken etwa.

Den Kunden werden die SB-Terminals auch weiterhin zur Verfügung stehen“, heißt es auch bei der Deutschen Bank. Das gelte sowohl für die Filiale in Bad Segeberg wie auch an den anderen Standorten im Marktgebiet Lübeck. Die Anzahl der Automaten in den jeweiligen „SB-Zonen“ orientiere sich immer am örtlichen Nachfrageverhalten der Kunden. In der Landespolitik kommt die Entscheidung der Sparkasse Südholstein nicht gut an. Er wisse als langjähriges Verwaltungsratsmitglied einer Sparkasse um den Kostendruck durch die anhaltende Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank EZB, sagt der FDP-Fraktionschef im Kieler Landtag, Christopher Vogt. Allerdings seien Sparkassen als öffentlich-rechtliche Institute eben auch keine normalen Geschäftsbanken. Sie hätten den klaren Auftrag, eine angemessene und ausreichende Versorgung aller Bevölkerungskreise mit entsprechenden Leistungen auch in der Fläche sicherzustellen.

Handel 2018: Mehr Zahlungen mit Karte als mit Bargeld

Im Jahr 2018 wurde in den Einzelhandelsgeschäften in Deutschland erstmals mehr Geld per Giro- und Kreditkarte ausgegeben als in bar. Das hat das Handelsforschungsinstitut EHI in Köln errechnet. Demnach zahlten die Verbraucher bei ihren Einkäufen gut 209 Milliarden Euro per Karte, 12,4 Milliarden Euro mehr als 2017. Dadurch stieg der Umsatzanteil der Karten auf 48,6 Prozent. Damit überholte die Karte erstmals, wenn auch knapp, das Bargeld.

Und dazu gehörten eben auch SB-Terminals, zum Beispiel für Senioren, die kein Online-Banking machen wollten, sagt Vogt. „Die Grundversorgung an Geldautomaten muss sichergestellt werden. Es wird immer einen Teil der Bevölkerung geben, der Online-Banking ablehnt“, sagt auch die Lübecker SPD-Landtagsabgeordnete Kerstin Metzner. Die Gründe dafür seien vielfältig: Nicht jeder habe Zugang zum Internet, kleine Läden würden mitunter nur Bargeld nehmen, und es gehe auch um Vertrauen. „Solange sogar der Bundestag gehackt wird, kann man nicht fordern, dass gefälligst alle Online-Banking nutzen müssen“, sagt Metzner.

Sie selbst etwa habe sich wegen der Unsicherheiten auch gegen Online-Banking entschieden, sagt die SPD-Politikerin. Wer es dennoch nutzen wolle, müsse unterstützt werden. Das könnte eine Aufgabe für die Volkshochschulen sein, die entsprechende Kurse anbieten sollten. Die CDU hingegen lehnt jede Einflussnahme der Politik ab. „Die Entscheidung, wo Geldautomaten Sinn ergeben, ist allein eine unternehmerische Entscheidung der Sparkassen, die wirtschaftlich arbeiten müssen“, sagt deren Landtags-Finanzpolitiker Ole-Christopher Plambeck.

Wolfram Hammer

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Landespolitiker aus Schleswig-Holstein haben sich in Berlin mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ausgetauscht

21.05.2019

Zwei Tage lang diskutieren 800 Experten in Friedrichshafen über die Zukunft von Schiffbau und Schifffahrt.

21.05.2019

Eine Studie des Umweltbundesamtes spricht sich für ein Mehrwegbechersystem aus. Der Verbrauch soll in drei Jahren um 50 Prozent sinken. Verbraucher reagieren immer noch verhalten auf das neue Angebot.

21.05.2019