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Norddeutschland Zusteller am Limit: Droht ein Paketchaos im Norden?
Nachrichten Norddeutschland Zusteller am Limit: Droht ein Paketchaos im Norden?
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11:09 23.11.2018
Die Zusteller arbeiten am Limit: Immer mehr Pakete müssen ausgeliefert werden. Doch dafür fehlt es vielen Logistikern an Personal. Quelle: dpa
Lübeck

Mit dem Black Friday geht es los, im kommenden Weihnachtsgeschäft dürfte sich die Lage weiter verschärfen: Das hohe Wachstum im Online-Handel setzt die Paketdienste unter Druck, die Lieferdienste suchen händeringend nach Mitarbeitern.

In gleichem Zuge verschlechtern sich nach Angaben von Verdi Nord die Arbeitsbedingungen für stressgeplagte Zusteller. Nicht alle Pakete kommen da an, wo sie sollen. Droht zu Weihnachten das große Paketchaos?

Große Firmen diktieren die Bedingungen

Das Grundproblem sei, dass die großen Player im Online-Handel wie Amazon den Logistikunternehmen inzwischen die Preise diktierten, beklagt Lars-Uwe Rieck, Fachbereichsleiter für Postdienste, Spedition und Logistik bei Verdi Nord. Folglich gäbe es für die Paketdienste wie DHL, Hermes, DPD oder GLS nur eine Maxime: zustellen, was das Zeug hält, um Kosten zu drücken. Zweitzustellungen müssten tunlichst vermieden werden. Hermes-Sprecher Ingo Bertram bestätigt das: „Wir müssen die Sendung möglichst im ersten Anlauf loswerden. Ein zweiter und dritter Zustellversuch kostet uns Geld.“

Mehr zum Thema: Zusteller öffnete mehrere Amazon-Pakete für Stormarn und Segeberg

Verdi vermutet, dass die Kurierfahrer stückbezogen bezahlt werden. „Deshalb rasen die Fahrer durch Tempo-30-Zonen, deshalb landen Bestellungen an nicht gewünschten Abstellorten.“ Angesichts des Fachkräftemangels seien immer häufiger ausländische Zusteller unterwegs. Sie stammten aus Rumänien, Bulgarien, der Slowakei, aus Ungarn. „Selbst junge Spanier wurden in Schleswig-Holstein unter falschen Versprechungen angeworben“, berichtet Rieck. „Diese Beschäftigten kennen oft ihre Rechte nicht.“

Fahrer stehen unter Zeitdruck

Fast jeder Paketdienst hat inzwischen ein Online-Tracking für seine Lieferungen und schränkt die Zustellung auf wenige Stunden ein. Der Adressat kann für den Fall seiner Abwesenheit einen Ablageort für die Sendung benennen. Doch aufgrund des Zeitdrucks, unter dem die Fahrer arbeiten, kommt es zu Fehlzustellungen. Auch die Erlaubnis, das Paket beim Nachbarn abgeben zu dürfen, kann ein Fehler sein.

In den Geschäftsbedingungen der Paketdienste ist oft festgehalten, dass ein „Nachbar“ nicht direkt nebenan wohnen muss. Die hohe Zahl von Ausländern unter den Paketzustellern führte offenbar aufgrund mangelnder Deutschkenntnisse zu folgender Kuriosität: Ein Kunde fand in seinem Briefkasten eine Benachrichtigung mit den Worten: Paket abgegeben bei „Keine Werbung“.

Kommen zentrale Ablagestellen?

„Wir raten Verbrauchern, bereits beim Kauf darauf zu achten, welche Paketdienste benutzt werden“, sagt Joanna Batista von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. In den Geschäftsbedingungen könne man dann schauen, welche Regelung hinsichtlich der Zustellung oder der Haftung getroffen werden. Wenn bei einer Zustellung etwas schief geht, bestehe meist die Problematik der Beweisführung.

Müssen wir unsere Päckchen aufgrund des E-Commerce-Booms bald selbst abholen? Um einen Verkehrsinfarkt durch Kurier- und Paketdienste auf der Altstadtinsel zu verhindern, tüftelt Lübeck in einer Planungswerkstatt („Übermorgen“) an einem Konzept mit zentralen Ablagestellen. Bei Hermes (80 Millionen Sendungen im November/Dezember) ist man davon überzeugt, dass alternative Liefermodelle mittelfristig unumgänglich sind. Händler zahlen bei diesem Logistiker im Weihnachtsgeschäft erstmals einen Zuschlag.

Curd Tönnemann

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