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Norddeutschland Pferdewirt: Ein knüppelharter Traumjob
Nachrichten Norddeutschland Pferdewirt: Ein knüppelharter Traumjob
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06:00 19.05.2019
Jenny Rudolph (21) und Laura Freiberg (19, r.) üben sich in der sogenannten Exterieur-Beurteilung. Als „Lehrstück“ dient der Holsteiner Wallach „Castello“. Quelle: Lutz Roeßler
Blekendorf

„Wenn man sich abends in Bett legt, weiß man, was man getan hat“, erzählt Jenny Rudolph. Die zierliche 21-Jährige aus Elmshorn hat sich für die Fachrichtung Pferdezucht entschieden. „Das ist schon anstrengend“, sagt auch Anika Diercksen aus Scharbeutz. Die 18-Jährige reitet schon, seit sie fünf Jahre alt ist und ist sogar Besitzerin zweier Pferde. Doch in dem Pferdesport- und Zuchtstall, in dem sie ausgebildet wird, stehen 20 Sportpferde, dazu noch Zuchtstuten. Anika Diercksens Arbeitstag beginnt meist morgens um 7 Uhr . „Dann geht’s los mit dem Misten“, erzählt die junge Frau. Anschließend müssen die Tiere gefüttert, bewegt, trainiert und ausgebildet werden. „Am Anfang spürt man die körperliche Arbeit. Aber man gewöhnt sich daran.“

30 bis 40 Prozent brechen die Ausbildung ab

Drei Jahre dauert die Ausbildung in einem Betrieb. Da wird auch Wochenendarbeit verlangt, pünktlichen Feierabend gibt es selten. „Manche haben sich das anders vorgestellt“, berichtet Christine Panzer, Ausbildungsberaterin bei der Landwirtschaftskammer (LWK) Schleswig-Holstein. Die Abbrecherquote liegt bei 30 bis 40 Prozent. Sie empfiehlt interessierten Bewerbern ein Praktikum in den Wintermonaten. „Dann weiß man, ob man bereit ist, das durchzuhalten.“

Pferdereport geplant

70 bis 80 anerkannte Ausbildungsbetriebe gibt es in Schleswig-Holstein. Zum 1. August startet ein neues Lehrjahr. Die Vergütung liegt zwischen 670 Euro (1. Lehrjahr) und 790 Euro (3. Lehrjahr). Im vergangenen Sommer haben 51 junge Leute eine Ausbildung zum Pferdewirt begonnen.

Im nördlichsten Bundesland gibt es geschätzt 100 000 Pferde, davon 10 000 eingetragene Zuchtstuten, und 44 000 organisiert Reiter und Fahrer. Die Pferdewirtschaft sorgt Schätzungen zufolge für 250 Millionen Euro Umsatz pro Jahr. Um einen besseren Überblick zu bekommen, plant die Landwirtschaftskammer gemeinsam mit den Kammern in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen einen Pferdereport Norddeutschland.

Erfahrung im Umgang mit Pferden

Verlangt werden Fitness und Freude an körperlicher Arbeit, ein hohes Engagement, Zuverlässigkeit sowie mehrjährige Erfahrung im Umgang mit Pferden. „Das Gros der Betriebe würde niemanden einstellen, der keine Vorkenntnisse hat“, sagt Panzer. Um die praktische Arbeit zu vertiefen, gibt es bis zu fünf Mal im Jahr Blockunterricht an der Landesberufsschule in Futterkamp (Kreis Plön). „Da geht es um Tiergesundheit, Fütterung und Management“, erklärt Katja Wagner, LWK-Fachbereichsleiterin Pferdehaltung. Dazu kommen jeweils die Schwerpunktthemen aus den fünf Fachrichtungen: Haltung und Service, klassische Reitausbildung, Pferdezucht, Pferderennen sowie Spezialreitweisen wie etwa Gangreiten.

Für Pferde stehen Gastboxen bereit

„Mit Bibi und Tina hat das nichts zu tun“, betont der stellvertretende Schulleiter Jörn Wiezorek mit Blick auf die bekannte Jugendbuch-Reihe. „Es ist ein harter Job.“ Die Azubis sind zwischen 16 und 30 Jahre alt und verfügen meist über den Mittleren Bildungsabschluss.

Während der zweiwöchigen Unterrichtseinheiten wohnen die Auszubildenden auf dem Gelände des Lehr- und Versuchszentrums in Futterkamp – wie im Internat. 60 Plätze stehen zur Verfügung. „Sollten die nicht reichen, werden Ferienwohnungen in der Umgebung angemietet.“ Auch ihre Pferde der Lehrlinge sind willkommen, für sie stehen zwölf Gastboxen bereit. „Wir haben die Möglichkeit geschaffen, dass sie ihre Tiere mitbringen können“, erklärt Wiezorek. „Das ist schon einmalig.“ Klar, dass die Auszubildenden ihre Pferde vor und nach dem Unterricht selbst versorgen müssen. Gern nutzt Anika Diercksen mit ihrem „Ammonit“ auch die Halle oder den Reitplatz auf dem Gelände.

Anika Diercksen (18) nutzt mit ihrem Mecklenburger „Ammonit“ gern den Reitplatz auf dem Gelände des Lehr- und Versuchszentrums in Futterkamp. Quelle: Lutz Roeßler

Tobias Hederer (24) ist einer der wenigen Männer, der sich für Pferdewirtschaft interessiert. Er stammt aus Niedersachsen und hat sich für die Fachrichtung Haltung und Service entschieden, will später vielleicht in dem Zuchtbetrieb eines Bekannten mitarbeiten. Aber auch Renn- und Turnierställe kommen für Pferdewirte als Arbeitsplatz in Frage, ebenso Pensionspferdebetriebe.

Laura Freiberg aus Kropp (19) träumt von einem eigenen kleinen Betrieb. „Es ist nicht der Blümchenberuf, den sich viele vorstellen“, sagt sie. „Aber mir gefällt die Arbeit mit den Pferden sehr.“ Nach ihrer Ausbildung möchte sie zunächst ihren Meister machen und vielleicht noch ein Studium der Pferdewirtschaft und Agrarwissenschaft dranhängen.

Nach Einschätzung von Katja Wagner hat der Beruf Zukunft. „Die Zahl der Pferdehalter steigt.“ Viele Landwirte überlegten, alte Kuh- oder Schweineställe zu Pferdeboxen umzurüsten.

Julia Paulat

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