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Norddeutschland Pflegekräfte gesucht: Kliniken zahlen Prämie
Nachrichten Norddeutschland Pflegekräfte gesucht: Kliniken zahlen Prämie
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20:03 02.03.2018
Der demografische Wandel – die Menschen werden immer älter – erhöht den Druck. Quelle: dpa
Kiel/Lübeck

Die Unikliniken in Lübeck und Kiel rekrutieren Pflegekräfte inzwischen in Serbien, Albanien, Vietnam und Brasilien. Der demografische Wandel – die Menschen werden immer älter – erhöht den Druck.

50 Planstellen für Vollzeitkräfte seien derzeit an den Kliniken in Kiel und Lübeck nicht besetzt, teilt UKSH-Sprecher Oliver Grieve mit. Mit allen denkbaren Mitteln wird versucht, die Lücke zu füllen. 13 neue Mitarbeiter seien das Ergebnis einer Aktion, Beschäftigten 2000 Euro Prämie für die Vermittlung einer neuen Kraft zu zahlen. Gleichzeitig sei die Zahl der Ausbildungsplätze für alle Gesundheitsfachberufe angehoben worden (Azubi-Gehalt im ersten Lehrjahr: 1060 Euro). Ergänzend wurde eine Medienkampagne „Pflege zeigt Charakter“ gestartet.

„Jede fehlende Fachkraft im Pflege- und Funktionsdienst (OP-Säle, Anästhesie, Ambulanz) wird von den Kollegen arg vermisst“, sagt Klaus Abel, Regionalgeschäftsführer der Sana-Kliniken. Die Kompensation durch zeitlich befristete Honorarkräfte sei trotz aller fachlicher Kompetenz problematisch. In Lübeck und Eutin seien die Planstellen aktuell jedoch besetzt, anders als in der Sana-Klinik Middelburg. Dort seien 20 Pflegestellen offen. Sana hatte 2017 unter anderem mit Radiospots und Plakaten („Sana will dich“) geworben.

Leidtragende der Entwicklung sind die Patienten. In täglichen Lagebesprechungen wird die Not verwaltet. Wenn das nicht mehr möglich sei, „werden die Aufnahme- und Bettenkapazitäten angepasst“, räumt UKSH-Sprecher Grieve ein. Bei langfristig fehlenden Fachkräften würden Leistungsangebote reduziert, bestätigen auch die Sana-Kliniken.

„Durch die Einführung starrer Personalschlüssel für Pflegekräfte wird der Mangel noch künstlich verschlimmert“, befürchtet UKSH- Vorstandschef Jens Scholz und klagt mehr Eigenverantwortung der Krankenhäuser ein. Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) will diese Kritik nicht gelten lassen. Die Arbeitsbedingungen in der Pflege müssten dringend verbessert werden. „Ich werde deshalb offen über verbindliche Personalschlüssel diskutieren.“ Die Herausforderung bestehe darin, dass hierfür erforderliche Personal zu gewinnen. Das Land Berlin hatte eine Bundesratsinitiative angestoßen. Bisher gelten gesetzliche Mindeststandards nur für pflegeintensive Bereiche der Kliniken.

Die Krankenhausgesellschaft Schleswig-Holstein, Verband der Krankenhausträger, weist angesichts des Personalmangels auf die Arbeitsverdichtung in Kliniken hin. Geschäftsführer Bernd Krämer sieht die Politik in der Pflicht. Ins System fließe zu wenig Geld. „Außerdem bräuchten wir differenzierte Qualifikationen in Pflegeberufen.“

Der designierte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) kündigte Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel in der Pflege an. „Wir erhöhen die Ausbildungskapazitäten, verbessern die Bezahlung.“ Pflege sei „das große Thema, das Deutschland bewegt“.

Von Curd Tönnemann